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THE LANCET   19.06.09
 
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Globale Gesundheitsprogramme und nationale Gesundheitssysteme müssen besser abgestimmt werden

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Das Aufkommen globaler Gesundheitsinitiativen (GHIs) wie beispielsweise des Globalen Fonds und PEPFAR brachten in den vergangenen Jahren eine eindrucksvolle Ausbreitung wesentlicher Interventionen auf dem Gesundheitssektor hervor, wovon Millionen von Menschen profitierten. Es gibt jedoch auch Hinweise, dass derartige Initiativen die Gesundheitssysteme armer Länder behindern können und dass weiterhin eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit, der Gleichheit, des Preis-Leistungs-Verhältnisses und der Ergebnisparameter versäumt wird. Die Agenda zur Stärkung der Gesundheitssysteme benötigt weitere Investitionen, und sie muss vom gleichen Ehrgeiz und Arbeitstempo erfasst werden, dass die GHIs auszeichnete. Dies ist eine von fünf Empfehlungen aus einem neuen Bericht mehrerer Partner, der in einem aktuellen 'Health-Policy'-Artikel veröffentlicht wird.

Dieser Bericht – die bislang umfassendsten veröffentlichten Hinweise – der 'Maximizing Positive Synergies Collaborative Group' der Weltgesundheitsorganisation WHO konzentriert sich auf die Aktivitäten der vier führenden Gesundheitsinitiativen, also den Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria, das Programm des US-amerikanischen Präsidenten zur Bekämpfung von AIDS (PEPFAR), die globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (GAVI) und das länderübergreifende AIDS-Programm der Weltbank. Das Projekt umfasste 15 neue Studien, die anlässlich der Aufforderung der WHO zur Vorbereitung dieses Berichts eingereicht wurden. Obwohl die Autoren zugestehen, dass sich jede GHI von den anderen unterscheidet, so haben sie doch wichtige gemeinsame Themen feststellen können. Die 'Group' untersuchte, inwieweit sich diese GHIs (die während oder nach 2000 aufkamen) und Gesundheitssysteme über verschiedenste Bereiche hinweg gegenseitig positiv oder negativ beeinflussten: Bereitstellung von Diensten, Finanzierung, Leitung, Gesundheitsbedienstete, Informationssysteme und Versorgungsmanagement.

Bereitstellung von Diensten
Die Autoren betonen die signifikanten Verbesserungen im Bereich der bereitgestellten Dienstleistungen, die in den ärmeren Ländern erreicht wurden. Derartige Investitionen haben Primärversorgung und Beteiligung der lokalen Gemeinschaften oftmals verstärkt. Allerdings wurde die Aufnahme der von den GHIs nicht anvisierten Zielsetzungen nicht immer im gleichen Maße ausgedehnt wie die geplanten Dienste, und in vielen Ländern bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen, hochwertige Gesundheitsdienstleistungen zu all jenen zu bringen, die sie benötigen.

Finanzierung
Die Finanzierung der globalen Gesundheit hat seit Einführung dieser GHIs eine Nettozunahme erfahren. Die gesundheitsbezogene Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit (ODA) hat sich zwischen 2001 und 2006 verdoppelt, sie wuchs jährlich von 5,6 Milliarden auf 13,8 Milliarden US-Dollar an. Eine Konsequenz des Zuwachses externer Finanzierung ist jedoch, dass Länder ihre eigenen Ausgaben bezüglich spezifischer Krankheiten und der Gesundheit im Allgemeinen verringern könnten. Eine nachhaltige langfristige Finanzierung der Gesundheit bleibt somit eine bedeutende Aufgabe vieler Länder.

Leitung
Die Autoren stellen fest, dass die Gesundheitsinitiativen in vielen ärmeren Ländern Schwachstellen der übergreifenden Maßnahmen bezüglich einer guten Führung der Gesundheitssysteme gleichermaßen bloßgelegt und gelegentlich auch zu diesen beigetragen haben. Es besteht zudem die Notwendigkeit, dass die GHIs ihre Aktivitäten weiterhin mit Länderprioritäten und Planungsprozessen harmonisieren. Die Beteiligung der GHIs hat zu einigen Verbesserungen in der Leitung geführt, es gibt jedoch weitere Gelegenheiten, die partnerschaftliche Zusammenarbeit zu stärken und eine bessere Verantwortlichkeit auf allen Ebenen zu sichern.

Gesundheitsbedienstete
Das Aufstocken der von den GHIs unterstützten vorrangigen Interventionen wurde bislang nicht von der erforderlichen Erweiterung des Mitarbeiterstabs begleitet. In einigen Fällen waren die Gesundheitsinitiativen mit den zunehmenden städtisch-ländlichen Ungleichgewichten und auch mit dem Weggang von Gesundheitsbediensteten aus den öffentlichen Bereichen hinein in GHI-Projekte verknüpft. In anderen Fällen haben GHIs Anreize wie Wohnraum und Gehaltsverbesserungen angeboten, was den Ländern dabei helfen könnte, Gesundheitsbedienstete in ländlichen Gebieten zu beauftragen. Ehrgeizigeres Handeln ist nun notwendig, um dem Mangel an Personal langfristig begegnen zu können.

Informationssysteme
Die Autoren berichten von fehlenden Informationen bezüglich des Status der Gesundheitssysteme in vielen Ländern. GHIs haben die mit ihren spezifischen Eingriffen und Krankheiten verknüpften Gesundheitsinformationen verbessert. Informationen zu von Nicht-GHIs anvisierten Ergebnisparametern wurden im Allgemeinen jedoch nicht ausgebaut. Obwohl Gesundheitsinitiativen zu Verbesserungen in der Gesundheitsinformation und damit verbundenen Technologien beigetragen haben, besteht dringender Bedarf, die Erfassung und Verwendung von Daten in Primäreinrichtungen zu verbessern.

Versorgungsmanagement
Der Beitrag der Gesundheitsinitiativen zur Verbesserung der Versorgungsketten wird anerkannt. Sollten diese Verbesserungen allerdings das Ergebnis parallel entwickelter Systeme der GHIs sein, so könnten diese die Möglichkeiten eines Landes kompromittieren, ein eigenes System des Versorgungsmanagements zu entwickeln. Zur Optimierung der Versorgung mit Medikamenten könnten die Länder umfassende Beratung benötigen um internationale Geschäftsregeln und Rechte geistigen Eigentums beachten zu können. Hierbei könnten GHIs ein zunehmend wichtigere Rolle spielen.

Empfehlungen des Berichts
Die Autoren schließen mit fünf Folgerungen, welche die gemeinschaftliche Leistungsfähigkeit der GHIs und der nationalen Gesundheitssysteme beschleunigen können, um Fragestellungen der Gesundheit zu verbessern.

  • Die Agenda zur Stärkung der Gesundheitssysteme muss mit dem gleichen Ehrgeiz und Arbeitstempo durchdrungen werden, der die GHIs auszeichnete;
  • Zielsetzungen der GHIs müssen ausgeweitet und Indikatoren zur Stärkung der Gesundheitssystemen abgestimmt werden;
  • Planungsprozesse und Mitteleinstellungen müssen unter und zwischen den GHIs und den nationalen Gesundheitssystemen besser abgeglichen werden;
  • Zuverlässigere Daten bezüglich Kosten und Nutzen einer Stärkung der Gesundheitssysteme müssen ebenso erbracht werden wie Hinweise, um zusätzliche Investitionen neben jenen der GHIs anregen zu können;
  • Eine Zunahme der Finanzierung nationaler und globaler Gesundheit muss ebenso sichergestellt werden wie eine besser vorausberechenbare Finanzierung, damit ein nachhaltiges und gleichberechtigtes Wachstum der Gesundheitssystem unterstützt werden kann.


"Die Finanzkrise wirft einige wesentliche Fragen bezüglich der Art und Weise auf, wie die internationale Gemeinschaft ihre Ressourcen nutzt", meint Dr. Carissa Etienne, stellvertretende Generaldirektorin der WHO. "Die Antwort darauf ist, dass wir ganz eindeutig mehr Finanzmittel für die Gesundheit benötigen, wir jedoch auch Möglichkeiten entdecken müssen, bessere Ergebnisse und Kosten-Nutzen-Verhältnisse zu erzielen. Der Aufbau stärkerer Gesundheitssysteme und die Förderung besserer Synergien zwischen den Gesundheitssystemen und einzelnen Gesundheitsprogrammen sind der Schlüssel zum Erfolg."

Lancet-Herausgeber Dr. Richard Horton kommentiert dies wie folgt: "Dieser Bericht ist das Ergebnis einer beispiellosen Zusammenarbeit zwischen diesen führenden globalen Gesundheitsinitiativen (GHIs) und unabhängigen Wissenschaftlern. Gemeinsame Zielsetzung war, die Auswirkungen wichtiger Krankheits-spezifischer Finanzpolitik auf Gesundheitssysteme zu bewerten. Die Schlussfolgerungen sind komplex, die klaren Aussagen zeigen jedoch, dass es mit der Einführung der GHIs gleichermaßen zu Vor- und Nachteilen bei den Gesundheitssystemen, und damit bei einer breiteren Bevölkerung gekommen sein muss. Die Gesundheitssysteme wurden seitens der GHIs chronisch vernachlässigt. Es gibt jedoch willkommene Anzeichen, dass sich diese Situation ändert. Allerdings sind weit größere Anstrengungen notwendig, um den Beitrag der Gesundheitsinitiativen zu dem gesamten Gesundheitssektor eines Landes zu verstärken und zu erfassen. Der Gewinn ist groß und die Gelegenheit günstig. Dieser Bericht hat das Potenzial, die notwendigen Änderungen innerhalb der Gesundheitsinitiativen anzustoßen, um deren Beiträge in wesentliche Zielsetzungen der öffentlichen Gesundheit umzuwandeln."

Quelle: World Health Organization Maximizing Positive Synergies Collaborative Group. An assessment of interactions between global health initiatives and country health systems. Lancet 2009; 373: 2137
 
http://www.thelancet.com
 
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