12.06.09
Progesteron kann vorzeitige Geburten von Zwillingen nicht verhindern
Ein aktueller vorab 'Online First' veröffentlichter Artikel beschreibt, dass die Behandlung mit Progesteron die vorzeitige Geburt bei mit Zwillingen schwangeren Frauen nicht verhindern kann, obwohl das Medikament bei Hochrisikoschwangerschaften mit Einlingen viel versprechende Ergebnisse zeigte.
Mehrlingsschwangerschaften bergen ein weit größeres Risiko für Totgeburten und neonatalen Tod. In der Tat sind Frühgeburten die Haupttodesursache bei Mehrlingsgeburten. Sie führen bekanntermaßen zu einer schlechteren gesundheitlichen Verfassung, beeinträchtigen schulischen Erfolg und Werdegang im Erwachsenenalter und belasten die Gesundheitsfürsorge mit zusätzlichen Kosten. Frühere Studien haben zwar angedeutet, dass die Behandlung mit Progesteron Frühgeburten bei Hochrisiko-Einlingsschwangerschaften verhindern können, ob diese Behandlung jedoch auch bei Zwillingsschwangerschaften hilft, ist nicht bekannt.
Jane Norman und Kollegen starteten die STOPPIT-Studie (STudy Of Progesterone for the Prevention of Preterm birth In Twins), um diese Fragestellung zu untersuchen. In dieser randomisierten Studie wurden zwischen 2004 und 2008 500 Frauen mit Zwillingsschwangerschaften erfasst, die in neun Kliniken des britischen Nationalen Gesundheitsdienstes (NHS) versorgt wurden, die sich auf die Fürsorge von Frauen mit Mehrlingsschwangerschaften spezialisiert hatten.
Ab dem Start in der 24. Schwangerschaftswoche erhielten die Frauen über die Dauer von 10 Wochen per Zufallsverfahren 90 Milligramm Progesteron als Vaginalgel oder ein Placebogel. Die Autoren unternahmen zudem eine Metaanalyse von veröffentlichten und unveröffentlichten Daten, um die Wirksamkeit des Progesterons bezüglich der Vermeidung von Frühgeburten bei Zwillingsschwangerschaften zu untersuchen.
Insgesamt verringerte Progesteron weder die Wahrscheinlichkeit von Frühgeburten vor der 34. Schwangerschaftswoche noch den intrauterinen Tod der Feten bei Frauen mit Zwillingsschwangerschaften. Die Ergebnisse zeigten, dass der Anteil jener Frauen, die vor der 34. Schwangerschaftswoche eine Frühgeburt oder intrauterine Todesfälle hatten, in der Progesteron-Gruppe bei 24,7 Prozent und in der Placebo-Gruppe bei 19,4 Prozent lag. Die Rate unerwünschter Ereignisse unterschied sich in beiden Gruppen nicht.
Die Metaanalyse bestätigte, dass Progesteron Frühgeburten bei Zwillingsschwangerschaften nicht verhinderte. Die Autoren stellen fest: "Gestagene sind bei Frauen mit Zwillingsschwangerschaften mit Blick auf die Vermeidung einer Frühgeburt wirkungslos." In der Schlussfolgerung fordern sie eine weitere Erforschung der die vorzeitigen Geburten verursachenden biologischen Mechanismen, womit die unterschiedlichen Ergebnisparameter bei Einlings- und Mehrlingsschwangerschaften erklärt werden könnten.
In einem begleitenden Kommentar gibt Lex Doyle von der australischen Universität Melbourne zu bedenken, dass die ausschließliche Verzögerung einer Frühgeburt nur dann Sinn mache, wenn sich zeige, dass sie anderen langfristigen gesundheitlichen Nutzen für die Mutter oder den Fötus habe. Er fordert die Finanzierung von Studien zu perinatalen Eingriffen ein, um die langfristige Nachuntersuchung von Überlebenden bis ins Kindesalter hinein einzubinden. Damit könne das Gleichgewicht zwischen langfristigen Vorteilen und Risiken von Progesteron zur Vermeidung von Frühgeburten bei Einlings- und Mehrlingsgeburten gleichermaßen festgelegt werden.
Quelle: J E Norman and others. Progesterone for the prevention of preterm birth in twin pregnancy (STOPPIT): a randomised, double-blind, placebo-controlled study and meta-analysis. Lancet 2009; 373: 2034
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