29.05.09
Nationale Kommission zum Schutz der Kinder dringend erforderlich
Der aktuelle Leitartikel fordert dringend eine in Großbritannien einzurichtende nationale Kommission zum Schutz der Kinder. Diese Forderung erfolgt nach drei vorangegangenen gegensätzlichen Entscheidungen, die "den Kinderschutz in Großbritannien und Irland der Lächerlichkeit preisgeben, indem sie die Frage des bestmöglichen Schutzes für verletzliche Kinder weiter verkomplizieren."
Diskutiert werden die Berichte bezüglich des Kindesmissbrauchs in Einrichtungen der katholischen Kirche in Irland, wie auch der Fall des Kleinkinds Peter (starb 2007 17-monatig nach mehrfachem Missbrauch). Zur Sprache kommt auch die Entscheidung des englischen Obersten Gerichtshofs, der die Berufungsklage des Kinderarztes Dr. David Southall zurückwies. Dieser wurde aus der Ärztekammer ausgeschlossen, nachdem er eine Mutter angeblich beschuldigt hatte, ihren Sohn getötet zu haben. Der britische Minister für Kinder, Schulen und Familien, Ed Balls, betonte, dass alle am Schutz der Kinder beteiligten Fachleute dem Wohl der Kinder Vorrang geben und sich nicht von den Eltern täuschen lassen sollten. Der Leitartikel beschreibt es daher als unverständlich, dass Dr. Southall aus dem Ärzteregister ausgeschlossen bleiben soll, obwohl er eben genau dies getan hatte.
Der Leitartikel diskutiert die unterschiedlichen, von Kinderärzten und Fachleuten des Kinderschutzes vertretenen Meinungen, und auch, mit welchem Ansatz den verschiedenen Arten des Missbrauchs begegnet werden könnte. Er stellt fest: "Ganz offenkundig gibt es keinen Gesamtkonsens unter den Fachleuten, wie sie eben jenen helfen könnten, die sie zu schützen versuchen, den Kindern."
Die Schlussfolgerung des Leitartikels lautet: "Kinderärzte sollten sich deutlich zu Wort melden und die Führung im gemeinsamen Bestreben übernehmen, das gegenwärtige, ganz eindeutig unzureichende System in angemessener Art und Weise zu ändern. Die Regierung sollte dem Kinderbeauftragten die Verantwortung übertragen, vordringlich eine Nationale Kommission zum Schutz der Kinder einzurichten, die alle aufkommenden Hinweise aus nationalen und internationalen Daten prüft. Sie sollte auch auf Beweisen gegründete Empfehlungen formulieren, auf welche Art verletzliche Kinder am besten zu schützen wären."
"Die Gesellschaft hat die gemeinsame Verantwortung, im Gedenken an die 30 000 irischen Opfer, dem Kleinkind Peter, Victoria Climbié, Ainlee Labonte und all den anderen zahlenlosen und namenlosen Opfern verletzenden und lebensbedrohenden Kindesmissbrauchs gegenüber Gerechtigkeit walten zu lassen."
Quelle: Editorial. Urgent: a UK Commission on Child Protection. Lancet 2009; 373: 1819
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