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Kompressionsstrümpfe verringern Risiko von Blutgerinnseln nach Schlaganfall nicht Die Verwendung oberschenkellanger medizinischer Thromboseprophylaxestrümpfe (MTS) kann das Risiko für Blutgerinnsel bei Schlaganfallpatienten nicht verringern. Da Richtlinien in Großbritannien und vielen anderen Industrienationen den Einsatz dieser MTS empfehlen, sollten sie dringend überarbeitet werden. Die Ergebnisse der CLOTS-Studie werden in einem vorab 'Online First' veröffentlichten, von Professor Martin Dennis von der Universität Edinburgh und Kollegen verfassten Artikel beschrieben. Der Großteil der finanziellen Förderung der Studie stammte vom britischen Medical Research Council. Die Ergebnisse wurden während der vom 26. Mai bis 29. Mai 2009 in Stockholm abgehaltenen European Stroke Conference vorgestellt. Etwa zwei Drittel der Schlaganfallpatienten sind bei der Einweisung in die Klinik des Gehens nicht mehr fähig, und bei 10 bis 20 Prozent von ihnen werden sich Blutgerinnsel in den Venen ihrer Beine entwickeln – eine tiefe Venenthrombose (TVT). Bei einigen wird sich dieses Gerinnsel lösen und über den Blutstrom zu Herz und Lunge transportiert werden. Diese lebensbedrohenden Gerinnsel (Lungenembolien) können schwere Atemnot hervorrufen und sind wesentliche Ursache des Todes eingewiesener Patienten. Bislang haben nur kleinere Studien davon berichtet, dass MTS das Risiko für TVTs bei zu operierenden Patienten verringern können. Doch trotz der nur unzureichenden Hinweise empfehlen die nationalen Schlaganfall-Richtlinien die Verwendung dieser Strümpfe. Diese randomisierte kontrollierte Studie analysierte 2518 Patienten aus 64 Zentren in Großbritannien, Italien und Australien. Die bewegungsunfähigen Patienten wurden innerhalb einer Woche nach akutem Schlaganfall in Krankenhäuser eingewiesen. Eine Gruppe der Patienten erhielt zusätzlich zur Standardversorgung die Thromboseprophylaxestrümpfe (1256), die andere Gruppe nur die routinemäßige Versorgung (1262). Bei jedem Patienten wurden Ultraschalluntersuchung beider Beine nach 7 bis 10 Tagen und nochmals nach 25 bis 30 Tagen nach Aufnahme in der Studie aufgenommen. Primärer Ergebnisparameter war das Auftreten von tiefen Venenthrombosen im Schenkel. Die Forscher stellten fest, dass bei 10,0 Prozent der Patienten der MTS-Gruppe und bei 10,5 Prozent der Patienten der Standardgruppe TVTs auftraten. Der Unterschied war somit statistisch nicht signifikant. Zudem waren Hautschädigungen, Geschwüre, Blasen und absterbende Hautgewebe bei den MTS-behandelten Patienten signifikant häufiger vorzufinden als in der routinemäßig behandelten Gruppe (5 Prozent gegenüber 1 Prozent). Dr. Dennis nimmt Bezug auf die Situation in Großbritannien und stellt fest, dass ein zur öffentlichen Begutachtung herausgegebener Richtlinienentwurf des National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) empfiehlt, Schlaganfallpatienten mit Thromboseprophylaxestrümpfen zu versorgen. Der Forscher merkt an: "Wir können abschätzen, dass bei Befolgung dieser Richtlinie 80 000 Schlaganfallpatienten in Großbritannien mit Kompressionsstrümpfen behandelt würden. Das wären etwa zwei Drittel aller Krankenhauseinweisungen auf Grund eines akuten Schlaganfalls. Die Ergebnisse der CLOTS-Studie 1 werden daher erhebliche Auswirkungen auf das Patientenmanagement haben. Unter der Annahme, dass die meisten nationalen Richtlinien den Einsatz der MTS bei wenigstens einigen Patienten empfehlen, so werden die Ergebnisse unserer Studie die Behandlung von jährlich Millionen Patienten beeinflussen. Der Verzicht auf diese ineffektive und zuweilen unbequeme Maßnahme wird signifikante Gesundheitsressourcen freisetzen, darunter Finanzierung und Pflegezeiten gleichermaßen, die besser zur Hilfe für Schlaganfallpatienten genutzt werden könnten." Der Forscher folgert: "Kompressionsstrümpfe werden in den meisten Stroke Units verwendet. In dieser Studie haben wir schlüssig zeigen können, dass MTS bei Schlaganfallpatienten ohne Wirkung sind. Nationale Richtlinien müssen überarbeitet werden und wir benötigen weitere Forschungen, um hinsichtlich dieser wichtigen Patientengruppe effektive Behandlungen zu etablieren." In einem begleitenden Kommentar bemerken Dr. Philip Bath und Dr Timothy England von der Stroke Trials Unit an der University of Nottingham: "Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe können tiefe Venenthrombosen oder generell venöse Thromboembolien bei Patienten mit kürzlich erlittenen Schlaganfällen nicht verringern. Tatsächlich schädigen sie die Haut und könnten eine Mangeldurchblutung des Schenkels sogar fördern. MTS sollten nach Schlaganfällen keinen Einsatz finden, zudem sollten die gegenwärtigen Richtlinien nachgebessert werden." Quelle: The CLOTS Trials Collaboration. Effectiveness of thigh-length graduated compression stockings to reduce the risk of deep vein thrombosis after stroke (CLOTS trial 1): a multicentre, randomised controlled trial. Lancet 2009; 373: 10.1016/S0140-6736(09)60941-7 http://www.thelancet.com |
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