THE LANCET 22.05.09
 

Intensivere Glukosekontrolle bei Diabetes Typ 2 verringert Herzattacken
Eine Metaanalyse von fünf Studien konnte zeigen, dass eine intensivere Glukosekontrolle beim Diabetes Typ 2 zwar zu weniger Herzattacken und Herzerkrankungen führen kann, jedoch keinen Effekt auf Schlaganfälle oder Gesamtsterblichkeit hat. Die Ergebnisse werden von Dr. Kausik Ray von der University of Cambridge und Kollegen in einem aktuellen Artikel in der Diabetes-Spezial-Ausgabe dargestellt.

Bislang konnten einzelne Studien bezüglich intensiver Glukosekontrolle keinen einheitlichen Nutzen auf Herz-Kreislauf-Ereignisse nachweisen, und manche haben sogar mögliche Gefährdungen angedeutet. Die Autoren meinen, dies könnte daran liegen, dass jede Studie zu geringe statistische Trennschärfe hatte, um einen klinischen Nutzen darstellen zu können. Diese Metaanalyse kombinierte fünf große Studien, wobei die Autoren hofften, nun einen definitiven Beweis des signifikanten Nutzens liefern zu können, den eine intensive Glukosekontrolle im Vergleich zur Standardtherapie bietet.

Die fünf Studien erfassten mehr als 33 000 Patienten und lieferten Informationen zu 1497 Herzattacken, 2318 Ereignissen bei koronarer Herzkrankheit, 1127 Schlaganfällen und 2892 Todesfällen. Die mittleren Hämoglobin-A1c-Konzentrationen (HbA1c) aller Patienten wurden untersucht. Eine intensivere Glukosekontrolle wurde in jenen Studien erreicht, die zusätzliche Medikationen und/oder höhere Dosierungen verwendeten. Dies zeigte sich in den dort erreichten geringeren HbA1c-Konzentrationen. HbA1c wird genutzt, um die mittlere Konzentration der Glukose im Blutplasma der vorangegangenen zwei oder drei Monate anzuzeigen. Im Allgemeinen liegt die Referenzkonzentration (festgestellt bei gesunden Personen ohne Diabeteserkrankung) bei 4 Prozent bis 5,9 Prozent. Diabetespatienten haben normalerweise HbA1c-Werte höher als 6,5 Prozent.

Die Forscher stellten fest, dass HbA1c um 0,9 Prozent bei den Patienten niedriger lag, die eine intensivere Therapie erhielten als die Standard-Patienten (6,6 Prozent gegenüber 7,5 Prozent). Eine verstärkte Intensität der Therapie erbrachte eine 17-prozentige Verringerung der nicht tödlichen Herzattacken, sowie einen 15-prozentigen Rückgang der Ereignisse bei koronarer Herzkrankheit (tödliche und nicht tödliche Herzattacken). Allerdings hatte die intensivere Therapie keinen Einfluss auf Schlaganfallraten oder Sterblichkeit aus allen Gründen.

Die Autoren bemerken: "Unsere Ergebnisse liefern eine Bestätigung der Wirksamkeit einer Glukosekontrolle auf die Verringerung der kardiovaskulären Risiken, aber wir konnten keinen Nachweis bezüglich eines eindeutigen Nutzens auf die gesamte Sterblichkeit führen. Im Gegensatz dazu lassen starke Hinweise vermuten, dass eine Lipid senkende Therapie sowie eine Senkung des Blutdrucks einen Nutzen auf die gesamte Sterblichkeit haben. Dies verstärkt die ausschlaggebende Wichtigkeit dieser Behandlungen, um bei Personen mit Diabetes Typ 2 Herz-Kreislauf-Ereignisse und Gesamtsterblichkeit zu verringern. Die optimalen Methoden, eine Glukosekontrolle zu erreichen, müssen eingeführt, wie auch Richtlinien mit spezifischen Empfehlungen entworfen werden, welche die HbA1c-Konzentrationen bei einer Reihe von Patientengruppierungen verringern helfen."

Die Folgerung der Autoren lautet: "Insgesamt betrachtet verringert die intensive Glukosekontrolle im Vergleich zu Standardmaßnahmen die koronaren Ereignisse signifikant, noch dazu ohne erhöhtes Todesfallrisiko. Allerdings könnten optimaler Mechanismus, Geschwindigkeit und Ausmaß der HbA1c-Reduktion in verschiedenen Bevölkerungen verschieden ausfallen."

In einem begleitenden Kommentar bemerkt Dr. Theodore Mazzone von der University of Illinois in Chicago: "Intensive Maßnahmen zur Glukosekontrolle müssen womöglich frühzeitiger nach dem Ausbruch des Diabetes begonnen werden, wie auch eine ausgedehnte Nachuntersuchung notwendig werden könnte. Der Nutzen der Glukosekontrolle auf die koronare Herzkrankheit beim Diabetes Typ 2 wird sicher nicht so umfangreich ausfallen wie jener, den Blutdruckkontrollen und Statinbehandlungen bieten. Auf der Basis der gegenwärtigen Informationen und der dringenden Notwendigkeit, das Restrisiko einer koronaren Herzkrankheit in einer rasch sich ausbreitenden Bevölkerung mit Diabetes Typ 2 anzugehen, ist es allerdings verfrüht zu folgern, dass Glukosekontrolle keine Rolle zu spielen hätte."

Quelle: K K Ray and others. Effect of intensive control of glucose on cardiovascular outcomes and death in patients with diabetes mellitus: a meta-analysis of randomised controlled trials. Lancet 2009; 373: 1765

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