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THE LANCET   15.05.09
 
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Sexuelle Gewalt gegen junge Frauen hat vielfache gesundheitliche Probleme zur Folge

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Eine UNICEF-finanzierte Studie in Swasiland konnte zeigen, dass sexuelle Gewalt gegen junge Frauen lebenslange Folgen in Form von sexuell übertragbaren Erkrankungen (STDs), Schwangerschaftskomplikationen und Fehlgeburten, unerwünschten Schwangerschaften oder Depressionen nach sich zieht. Die Ergebnisse werden in einem vorab Online First veröffentlichten Artikel beschrieben. Autoren sind Dr. Avid Reza und Dr. Matthew Breidling von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) im US-amerikanischen Atlanta sowie Dr. Jama Gulaid von der UNICEF in Mbabane, Swasiland und Kollegen.

Sexuelle Gewalt gegen junge Frauen - also definitionsgemäß 18-Jährigen oder jüngeren - ist ein erhebliches globales Gesundheits- und Menschenrechtsproblem und bereitet im südlich der Sahara gelegenen Afrika zunehmend Sorgen. Allerdings haben sich bislang nur wenige Studien mit sexueller Gewalt in dieser Altersgruppe beschäftigt. In dieser Studie wurden die Daten einer nationalen repräsentativen Auswahl von Mädchen und Frauen im Alter von 13 bis 24 Jahren aus ausgewählten Haushalten in Swasiland erhoben. Der Fragebogen berücksichtigte die Formen sexueller Gewalt, die die Beantwortende vor dem Erreichen des 18. Lebensjahres erlebt hatte, Umstände der Häufigkeit und gesundheitsbezogenen Verhältnisse. Insgesamt hatten 1244 Frauen und Mädchen die geantwortet (96 Prozent der Befragten).

Die Forscher stellten fest, dass 33 Prozent der Befragten von einem sexuellen Übergriff vor dem Erreichen des 18. Lebensjahres berichteten. Die häufigsten Täter des ersten Übergriffs waren Männer oder Jungen aus der unmittelbaren Nachbarschaft (32 Prozent) sowie Freunde oder Ehemänner (26 Prozent). Die erste Tat ereignete sich meist im eigenen Haus der Befragten (26 Prozent). Sexuelle Gewalt war verknüpft mit einer dreieinhalb-fachen Zunahme lebenslanger Probleme mit sexuell übertragbaren Erkrankungen wie auch der Risiken von Schwangerschaftskomplikationen oder Fehlgeburten. Sexuelle Gewalt verdreifachte das Risiko unerwünschter Schwangerschaften und verdoppelte nach eigenen Angaben das Risiko von Depressionen.

Die Autoren bemerken: "Diese Studie dokumentiert, dass in Swasiland sexuelle Gewalt gegen 18-jährige oder jüngere Frauen ein Drittel betraf, die im Alter von 13 bis 24 Jahren waren, und dass dies ernste gesundheitliche Folgen hatte. Etwa 5 Prozent der jungen Frauen erlebten aktuell erzwungenen sexuellen Verkehr und 9 Prozent hatten erzwungenen Verkehr vor dem 18. Lebensjahr. Etwa drei Viertel der Täter waren Männer oder Jungen aus der Nachbarschaft der Opfer, Freunde oder Ehegatten, oder männliche Verwandte."

Die Forscher folgern: "Die Täter sind demnach entweder Partner oder gute Bekannte der jungen Frauen, was in vielen Kulturen verbreitet ist. Dieses Muster könnte die Anfälligkeit von Frauen zu Opfern zu werden sowie den wichtigen Einfluss, den kulturelle Faktoren auf das Verhältnis zwischen Männern, Frauen und Kindern haben, andeuten. Zukünftige Strategien sollten sich daher auf die Vermeidung sexueller Gewalt durch Männer gegenüber jungen Frauen konzentrieren. Weil sexuelle Übergriffe und [generelle] Gewalttätigkeiten des Intimpartners wohl gemeinsame Ursachen haben dürften, sollten örtliche und nationale Initiativen neu bewertet, angepasst und dem Zweck entsprechend gegebenenfalls ausgeweitet werden."

In einem begleitenden Kommentar folgern Dr. Laura Murray und Dr. Gilbert Burnham vom Center for Refugee and Disaster Response an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health im US-amerikanischen Baltimore: "Bislang haben Gesundheitsprogramme die Bedürfnisse sexuell missbrauchter Kinder weit gehend ignoriert, da solche Programme einen breiteren Schwerpunkt in der reproduktiven Gesundheit und der geschlechtsspezifischen Gewalt bei Erwachsenen anstreben. Eine die Kinder einbeziehende Verschiebung des Schwerpunkts ist in Gebieten mit hoher HIV-Seroprävalenz umso dringender. Die fortwährende weltweite Tragödie gegenüber den Kindern ist zu groß, um weiterhin missachtet zu werden."

Quelle: A Reza and others. Sexual violence and its health consequences for female children in Swaziland: a cluster survey study. Lancet 2009; 373: 10.1016/S0140-6736(09)60247-6
 
http://www.thelancet.com
 
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