THE LANCET 08.05.09
 

Orales Rivaroxaban verhindert Blutgerinnsel besser als subkutanes Enoxaparin
Eine Phase-III-Studie konnte nachweisen, dass orales Rivaroxaban bei Patienten, die sich einer Knie-Endoprothesen-Implantation unterziehen, Blutgerinnsel (venöse Thromboembolien/VTE) zuverlässiger verhindern konnte als subkutanes Enoxaparin. Die Ergebnisse werden in einem vorab 'Online First' veröffentlichten, von Dr. Alexander G. G. Turpie von der McMaster University im kanadischen Hamilton und Kollegen verfassten Artikel beschrieben.

Eine Vorbeugung vor VTEs wird für die Dauer von wenigstens 10 Tagen nach einer Kniegelenksimplantation empfohlen. Hierfür oral verabreichte Medikamente könnten eine Verkürzung des Klinikaufenthalts erleichtern. In dieser randomisierten Studie analysierten die Forscher 3148 Patienten nach Kniegelenksimplantationen, wobei 1924 davon für einen direkten Vergleich der beiden Medikamente geeignet waren. 965 Patienten erhielten täglich 10 Milligramm orales Rivaroxaban, beginnend 6 bis 8 Stunden nach der Operation, 959 erhielten subkutan Enoxaparin, beginnend 12 bis 14 Stunden nach der Operation. Primäre Ergebnisparameter waren jegliche Blutgerinnsel im Bein, in der Lunge oder Tod. Die Forscher stellten fest, dass primäre Ergebnisparameter bei 7 Prozent der mit Rivaroxaban behandelten Patienten auftraten, im Vergleich hierzu bei 10 Prozent der mit Enoxaparin behandelten Patienten. Dies entspricht einer 31-prozentigen Verringerung des relativen Risikos bei den Rivaroxaban-Patienten.

Die Autoren folgern: "Rivaroxaban, 6 bis 8 Stunden nach der Operation als einmal täglich gegebene fixe 10-Milligramm-Dosis, ist das erste neue orale Antikoagulans, dass die Häufigkeit venöser Thromboembolien nach Knie-Endoprothesen-Implantationen signifikant verringert. Auch im weiteren Vergleich zum 12 bis 14 Stunden nach der Operation als 30-Milligramm-Dosis gegebenen Enoxaparin zeigen sich keine wesentlichen Unterschiede im Risiko schwerwiegender oder klinisch relevanter Blutungen."

In einem begleitenden Kommentar bemerkt Dr. Richard C. Becker von der Duke University School of Medicine im US-amerikanischen Durham: "Der Gesamteffekt einer venösen Thromboembolie nach orthopädischer Operation ist entscheidend. Die Verringerung von VTEs muss demnach in der Medikamentenentwicklung, in der Qualitätssicherung der nationalen Gesundheitsfürsorge, bei Best-Practice-Initiativen und in der Patientenversorgung durch Klinikärzte weiterhin hohe Priorität besitzen. Plattformen zur Bereitstellung oraler Medikamente könnten einen wesentlichen Schritt voran bedeuten."

Quelle: A Turpie and others. Rivaroxaban versus enoxaparin for thromboprophylaxis after total knee arthroplasty (RECORD4): a randomised trial. Lancet 2009; 373: 10.1016/S0140-6736(09)60734-0

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