THE LANCET 08.05.09
 

Anstieg der Schlaganfälle auf Grund intrazerebraler Blutungen
Durch nicht traumatische intrazerebrale Blutungen (ICBs) verursachte Schlaganfälle werden durch Rupturen von Blutgefäßen im Gehirn hervorgerufen. Dieses immense Problem der öffentlichen Gesundheit trägt jährlich weltweit mit 2 Millionen (10 bis 15 Prozent) zu den insgesamt etwa 15 Millionen Schlaganfällen bei. Ursachen und zukünftige Behandlung dieser Erkrankung werden in einem aktuellen 'Seminar' diskutiert. Die Autoren sind Dr. Adnan I. Qureshi (Zeenat Qureshi Stroke Research Center an der University of Minnesota, USA), Dr. A. David Mendelow (University of Newcastle, Großbritannien), sowie Dr. Daniel F. Hanley (Johns Hopkins Medical Institutions, Baltimore, USA).

Die Krankenhauseinweisungen auf Grund einer ICB haben in den vergangenen 10 Jahren um 18 Prozent zugenommen. Dies könnte daran liegen, dass es einer zunehmend größeren Anzahl älterer Menschen an einer angemessenen Kontrolle ihres Blutdrucks mangelt, wie auch an der zunehmenden Verabreichung von Gerinnungshemmern und Thrombolytika sowie von Thrombozytenaggregationshemmern. Die Verwendung von oralen Antikoagulantien war 1988 mit 5 Prozent, 1993 bis 1994 mit 9 Prozent und 1999 mit 17 Prozent aller ICBs verknüpft, wobei dieser Anstieg vermutlich auf die zunehmende Häufigkeit von Vorhofflimmern und höhere Raten der Verabreichnung von Warfarin zurückzuführen ist. Amerikaner mexikanischen, lateinamerikanischen und afrikanischen Ursprungs, die Ureinwohner Nordamerikas sowie die Menschen Japans und Chinas zeigen größere Häufigkeitsraten als die hellhäutige amerikanische Bevölkerung. Diese Unterschiede können meist in der Häufigkeit von tiefen ICBs beobachtet werden und sind besonders markant bei Jüngeren und Menschen mittleren Alters.

Die Autoren stellen fest: "Obwohl die Anzahl der Krankenhauseinweisungen auf Grund intrazerebraler Blutungen in den vergangenen 10 Jahren weltweit zugenommen hat, ging die Sterblichkeit nicht zurück. Ergebnisse klinischer und beobachtender Studien lassen vermuten, dass koordinierte Primär- und Spezialversorgung mit einer geringeren Sterblichkeit verknüpft sind, wie sie für die allgemeine Praxis typisch ist. Die Entwicklung von Behandlungszielen in der Intensivstation sowie neue Schritte der allgemeinen und der Fürsorge in der Fachabteilung können das Behandlungsergebnis nach ICB verbessern. Spezifische Behandlungsansätze beinhalten frühe Diagnose und Blutstillung, energische Maßnahmen bezüglich des Blutdrucks, offene Chirurgie und minimal invasive Eingriffstechniken, um Blutgerinnsel zu entfernen, Techniken, Ventrikelblutungen zu entfernen und Maßnahmen, den Hirndruck zu regeln. Diese Ansätze verbessern die klinische Behandlung der Patienten mit intrazerebralen Blutungen und versprechen, Sterblichkeit zu verringern und funktionelles Überleben zu steigern."

Die Forscher diskutieren die Wichtigkeit dreier Maßnahmen bei ICBs – Stoppen der Blutung, Entfernung des Blutgerinnsels und Kontrolle des resultierenden Hirndrucks. Die relativen Nutzen der einzelnen Zielsetzungen werden wahrscheinlich bestimmt werden, wenn die Ergebnisse verschiedener laufender Studien vorliegen. Dazu gehören die Surgical Trial in Intracerebral Haemorrhage (STICH) II, die Clot Lysis: Evaluating Accelerated Resolution of IVH (CLEAR-IVH), die Minimally Invasive Surgery plus Tissue plasminogen activator for Intracerebral haemorrhage Evacuation (MISTIE) sowie die Antihypertensive Treatment of Acute Cerebral Haemorrhage (ATACH). Die Autoren folgern: "Der Einsatz echtzeitfähiger Hochfeld-Magnetresonanztomografie mit dreidimensionaler Bildgebung und hochauflösenden Gewebeproben ist eine weitere Priorität. Studien bezüglich akuter Blutdrucksteuerung und einer Aufhebung der Blutgerinnungsstörung haben ebenfalls medizinischen Vorrang. Studien mit Blick auf minimal invasive chirurgische Techniken unter Einbeziehung mechanischer und pharmakologischer Hilfen sind chirurgische Prioritäten."

Quelle: A Qureshi and others. Intracerebral haemorrhage. Lancet 2009; 373: 1632

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