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THE LANCET   08.05.09
 
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Kritische Fragen an die Bill & Melinda Gates Foundation

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Eine aktuelle Veröffentlichung hinterfragt Transparenz, Rechenschaftspflicht und Betriebsführung der Bill & Melinda Gates Foundation. Der'Health Policy'-Artikel wurde von Dr. David McCoy vom Centre for International Development am University College London (UCL) und Kollegen verfasst und wird von einem Leitartikel und Kommentar begleitet.

Die Gates Foundation (GF) ist die weltweit größte private Finanzmittel bereitstellende Stiftung. McCoy und Kollegen analysierten, wo und wie die finanziellen Mittel eingesetzt wurden. Zwischen 1998 und 2007 gewährte die GF 1094 Zuwendungen im Umfang von nahezu 9 Milliarden US-Dollar, wobei einzelne Zuwendungen zwischen 3500 und 750 Millionen Dollar variierten. Etwa 65 Prozent der gesamten gewährten Finanzmittel teilten sich gerade mal 20 Organisationen, darunter die weltweite Allianz für Impfstoffe und Impfungen (GAVI), der Globale Fonds, eine PATH genannte amerikanische Nichtregierungsorganisation und eine kleine Auswahl amerikanischer und britischer Universitäten. GAVI erhielt zwei Zuwendungen in Höhe von 750 Millionen Dollar, einmal, um neue Impfstoffe zu kaufen, die zweite, um den Betrieb generell zu unterstützen. Insgesamt 76 Universitäten weltweit erhielten 1,8 Milliarden US-Dollar Unterstützung, jedoch nahezu 60 Prozent davon wanderten in gerade mal acht amerikanische und britische Institutionen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO erhielt 336 Millionen US-Dollar, was etwa 4 Prozent der Gesamtförderung ausmachte. Die Gates Foundation ist einer der größten Geldgeber der WHO und übertrifft damit die Beiträge der meisten G20-Staaten. Bezogen auf die geografischer Verteilung wurden 40 Prozent der Mittel in internationale oder supranationale Organisationen investiert, beispielsweise GAVI und WHO. Von den verbliebenen Mitteln flossen 82 Prozent in US-amerikanische Organisationen, 13 Prozent nach Europa oder in andere Industrienationen, und 5 Prozent in Länder mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus.

Die Autoren stellen fest: "Alle wichtigen Mitwirkenden an der Aufgabenstellung globale Gesundheit stehen durch bestimmte Finanzierungsvereinbarungen mit der Gates Foundation in Verbindung. Diese Beziehungen verleihen der Foundation auf Grund der Verknüpfung mit diesen immensen Summen ein großes Mass an Einflussnahme auf Gestaltung und politisches Programm der globalen Gesundheit. Durch die Unterstüzung von Nichtregierungsorganisationen und politischen Expertenkommissionen überträgt die Foundation Macht und Einfluss auf eine ausgewählte Anzahl von Organisationen, wodurch sie der Stimme der Zivilgesellschaft eine gewisse Hebelwirkung verleiht."

Mit Blick auf die überproportional hohe Unterstützung bestimmter US-amerikanischer Universitäten bemerken die Autoren: "Diese immense, auf eine kleine Anzahl von US-Institutionen konzentrierte Zuwendungssumme erweckt Fragen bezüglich deren privilegierten Stellung innerhalb der an der globalen Gesundheit mitwirkenden Organisationen."

Bezüglich der Rechenschaftspflicht stellen die Autoren fest: "Die Verteilung der Finanzmittel durch die Gates Foundation scheint in großem Maß von einem informellen System aus persönlichen Netzwerken und Beziehungen gesteuert zu werden, statt durch transparentere Prozesse, die auf unabhängigen und technischen Gutachten beruhen. Die Vorgänge, aufgrund derer individuelle Vorschläge für Projekte eingeholt, zuerkannt und finanziert werden, sind unübersichtlich."

Die Autoren stellen auch die Bevorzugung von Forschung und technologischen Lösungen gegenüber der Stärkung der Gesundheitssysteme in Frage, da es eine ganze Reihe bestehender kosteneffektiver Technologien gibt, die die tatsächlich Bedürftigen gar nicht erreichen. Die Forscher meinen: "Es sollte vermehrt auf Daten beruhende Diskussionen über die Gesamtwirkung des Ansatzes der Gates Foundation auf die Verbesserung der globalen Gesundheit geben. Mit Blick auf den Erhalt öffentlicher Subventionen in Form von Steuerbefreiungen sollte auch erwartet werden, dass die Foundation öffentlichen Untersuchungen unterliegt."

Im begleitenden Kommentar stellen Professor Robert Black von der US-amerikanischen Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore und Kollegen fest, dass die äußerst geringen direkten Zuwendungen der GF an Länder mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus das wohl unglücklichste Ungleichgewicht im Geschäftsbereich Forschung der Foundation darstellen. Die Kommentatoren folgern: "Maßvolle Verschiebungen des Gleichgewichts der Zuwendungen vom Erwerb von Gütern hin zur Forschung, von weitreichend geförderten Krankheiten zu wirklich vernachlässigten Leiden (wie Lungenentzündung und Durchfall), sowie von Institutionen reicher Länder hin zu jenen Gemeinschaften, wo die Probleme anstehen, würden einen enormen zusätzlichen Beitrag zur globalen Gesundheit leisten."

Der Leitartikel lobt die Beiträge der GF an die GAVI und andere erfolgreiche Projekte. Allerdings stellt er fest, dass große Besorgnis bezüglich der Transparenz der Arbeitsweise der Foundation bestünde, und fügt hinzu: "Obwohl die GF von der Überzeugung getragen wird, dass jedes Leben gleichen Wert habe, scheint es doch, dass die Foundation davon ausgeht, dass nicht jede Stimme gleiches Gewicht habe, insbesondere von jenen, denen sie bevorzugt helfen will."

The Lancet möchte der Gates Foundation fünf Vorschläge unterbreiten. Erstens, sie muss ihre Führung verbessern. Zweitens, ihre Entscheidungsfindung muss transparenter und verantwortlicher werden. Drittens, sie muss einen Plan für ihre Zuwendungen entwerfen, der die weltweiten Belastungen durch Krankheiten besser wiederspiegelt. Viertens, sie muss in armen Ländern mehr in Gesundheitssysteme und Forschungskapazitäten investieren. Und zuletzt: "Hören Sie zu und bereiten Sie sich auf eine Zusammenarbeit mit Ihren Freunden vor. The Lancet bedauert, dass die Foundation unser Angebot abgelehnt hat, auf den Artikel von McCoy und Kollegen zu antworten und eine Vision ihrer Rolle in der globalen Gesundheit darzulegen."

Der Leitartikel folgert: "Die Bill & Melinda Gates Foundation behauptet, dass sie Änderungen ihrer Prinzipien offen stehe, während sie wachse und mehr über ihre Arbeit lerne. Nun ist ein Wendepunkt in der Geschichte der Foundation erreicht, ein Moment, der Änderungen notwendig macht."

Quelle: D McCoy and others. The Bill & Melinda Gates Foundation's grant-making programme for global health. Lancet 2009; 373
 
http://www.thelancet.com
 
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