THE LANCET 24.04.09
 

Voglibose reduziert Entwicklung von Typ-2-Diabetes
Voglibose, verknüpft mit einer Veränderung des Lebenswandels, verringert die Entwicklung von Typ-2-Diabetes bei Japanern mit hohem Erkrankungsrisiko. Diese Ergebnisse von Professor Ryuzo Kawamori von der Juntendo University School of Medicine in Tokio und Kollegen werden online vorab veröffentlicht.

Der Alpha-Glukosidase-Hemmer Voglibose bewirkt, dass die in den Blutstrom aufgenommene Glukosemenge verringert wird. In dieser randomisierten Studie wurden 1780 geeignete Patienten zufällig einem Behandlungsschema mit einer oralen Gabe von 0,2 mg Voglibose dreimal täglich (897 Patienten) oder mit einem Placebo (883 Personen) zugeteilt. Die Patienten ernährten sich normal und trieben täglich Sport. Sie litten an einer verringerten Glukosetoleranz, hatten aber noch keinen ausgeprägten Diabetes entwickelt. Die Behandlung erfolgte, bis die Betroffenen Typ-2-Diabetes entwickelten (primärer Endpunkt), bis zu einer normalen Blutzuckerkontrolle (Normoglykämkie, sekundärer Endpunkt) oder für mindestens drei Jahre, in Abhängigkeit von einer Zwischenuntersuchung.

Bei der Zwischenkontrolle nach im Schnitt weniger als einem Jahr Behandlung stellten die Forscher fest, dass Voglibose weit besser wirkte als das Placebo. Die mit Voglibose behandelten Patienten hatten ein um 40 Prozent niedrigeres Risiko eines Fortschreitens zu Typ-2-Diabetes als die Placebo-Empfänger. Die Voglibose-Behandelten hatten außerdem eine um 54 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für Normoglykämie als die Angehörigen der Placebogruppe. 48 Prozent der Patienten in der Voglibose-Gruppe litten an Nebenwirkungen, die mit der Behandlung zusammenhängen könnten, gegenüber 29 Prozent in der Placebogruppe. Eine geringe Zahl von schweren Nebenwirkungen trat in beiden Gruppen auf. Bei den Voglibose-Behandelten handelte es sich dabei um Einzelfälle von Gallenblasenentzündung, Darmpolypen, Darmtumoren, Inguinalhernien, Leberfunktionsstörungen und Hirnblutungen, während in der Placebogruppe in einem Fall eine Blockade der Hirndurchblutung auftrat sowie eine Gallenblasenentzündung.

Die Autoren folgern daraus: "Voglibose verbesserte signifikant die Glukosetoleranz. Dies zeigte sich in einem verzögerten Fortschreiten der Krankheit sowie in der Zahl der Patienten, die wieder eine Normoglykämie erreichten. Verbunden mit einer Änderung des Lebenswandels könnte daher eine Langzeitprophylaxe von Hochrisikopatienten mit diesem Alpha-Glukosidase-Hemmer eine pharmakologische Option darstellen, um so das Auftreten von Typ-2-Diabetes in Japan zu verringern."

In einem begleitenden Kommentar äußert Dr. André J. Scheen von der Abteilung für Diabetes der Universität Liège in Belgien: "[Diese] Studie zeigte, dass eine Behandlung mit Voglibose einen wichtige Option darstellen könnte, wenn selbst größte Anstrengungen in der Unterweisung der Patienten versagen." Er vermutet außerdem, dass die Ergebnisse übertragbar sind, da sie sich mit Resultaten einer ähnlichen Studie mit europäischen und kanadischen Patienten decken.

Quelle: Kawamori, R. and others. Voglibose for prevention of type 2 diabetes mellitus: a randomised, double-blind trial in Japanese individuals with impaired glucose tolerance. Lancet 2009; 373: 10.1016/S0140-6736(09)60222-1

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