10.04.09
Bessere Narbenheilung durch Avotermin
Das Medikament Avotermin (Juvista) könnte eine beschleunigte und anhaltende Verbesserung jener Narbenbildung begünstigen, die nach Verletzungen eintritt. Professor Mark Ferguson von der University of Manchester und der dortigen Firma Renovo sowie Kollegen berichten von ihren Ergebnissen in einem aktuellen Artikel.
Die Haut ist das am häufigsten verletzte Gewebe und somit tragen jährlich Millionen von Menschen Narben davon. Zwei Jahrzehnte der Forschung an den Mechanismen der Narbenbildung der Haut haben den Wachstumsfaktor beta 3 (TGFβ3) als potenzielle narbenvermeidende Therapie identifiziert. Er wirkt durch eine frühe Induktion spezifischer Signal- und zellulärer Prozesse, die zu einer verbesserten Struktur der heilenden Haut und Wunde führen. In diesem Artikel berichten die Autoren von drei randomisierten kontrollierten dosistestenden Phase-I/II-Machbarkeitsstudien. Diese Studien versuchten, den Effekt einer vorbeugenden Verabreichung des Avotermins (rekombinantes humanes TGFβ3) auf die Narbenbildung der Haut zu bewerten.
Die dem Avotermin zugeordneten Patienten (gesund, vorwiegend Männer) erhielten das Medikament (in Konzentrationen von 0,25 bis 500 Nanogramm pro 100 Mikroliter) vor der Verwundung und nochmals nach 24 Stunden auf beide Ränder der einen Zentimeter tiefen Einschnitte, die die Haut des oberen inneren Arms vollständig durchtrennten und bis zu dem darunterliegenden Muskel reichten. Identische Wunden am anderen Arm wurden per Zufallsverfahren einem Placebo und standardisierter Wundversorgung zugeordnet. Primäre Endpunkte in zwei Studien waren visuelle Bewertungen der Narbenbildung nach sechs und 12 Monaten nach der Verwundung, in der dritten Studie die Narbenbildung von der sechsten Woche an bis zum siebten Monat. Forscher, Teilnehmer und Bewertungsteam wussten jeweils nicht, welche Behandlung welcher Wunde zugeordnet war.
Die Forscher stellten fest, dass Avotermin in zwei Studien in einer Konzentration von 50 Nanogramm/100 Mikroliter pro Zentimeter linearen Wundrandes die Folgen auf einer 100-Punkte-Skala im Mittel um fünf Punkte nach sechs Monaten und acht Punkte nach 12 Monaten signifikant verbesserte. In der dritten Studie verbesserte Avotermin in allen Konzentrationen deutlich die Gesamtpunktzahl gegenüber Placebo (von 15 Punkten in der 5 Nanogramm-Dosis bis zu 64 Punkten in der 500 Nanogramm-Dosis). 60 Prozent der mit 50 Nanogramm/100 Mikroliter pro Zentimeter linearen Wundrandes behandelten Narben zeigten 25 oder weniger Prozent abnorme Orientierungen der Kollagenfasern der Haut. Diesen stehen nur 33 Prozent der Placebo-behandelten Narben gegenüber, was die Verbesserungen in der Struktur der heilenden Haut auf Grund der Avotermin-Therapie aufzeigt.
Die Autoren folgern: "Die Ergebnisse dieser Phase-I/II-Studien zeigen, dass Avotermin eine neue Klasse vorbeugender Medikamente darstellt, die im Vergleich zu Kontrollen die Regeneration gesunder Haut fördert und das Erscheinungsbild der Narben verbessert. In zum Zeitpunkt der Operation lokal injizierten geringen Dosierungen bedeutet Avotermin eine gut verträgliche und vorteilhafte Behandlung. Diese Studien lassen vermuten, dass Avotermin das Potenzial hat, eine beschleunigte und anhaltende Verbesserung bezüglich der Narbenbildung zu begünstigen."
In einem begleitenden Kommentar bemerken Dr. Edward E. Tredget und Dr. Jie Ding von der kanadischen University of Alberta: "Mit dem erfolgreichen Abschluss dieser Phase-I/II-Studien bietet diese erste viel versprechende Forschungsarbeit die Gelegenheit, den Einsatz des TGFβ3 in klinisch signifikantere Narbenmodelle auszuweiten und neue Methoden zu entwickeln, die uns zu dem TGFβ3-Protein oder dem zugrunde liegenden Gen führen. Mit diesen Forschungen wecken Ferguson und Kollegen eine erhebliche Zuversicht bezüglich zukünftiger neuer Lösungsansätze bei schwierigen fibrotischen Störungen."
Quelle: Edward E. Tredget, Jie Ding
. Wound healing: from embryos to adults and back again. Lancet 2009; 373: 1226 - 1228
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