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Weltweite Durchimpfungsrate bei Kindern entspricht nicht offiziellen Angaben oder Schätzungen Die Durchimpfungsrate bei Kindern mit dem Dreifach-Kombinationspräparat für Diphtherie, Wundstarrkrampf und Keuchhusten liegt erheblich unter den Angaben einzelner Länder oder den Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO und der UNICEF. In einer Zeit zielgerichteter Spenden für globale Initiativen besteht die dringende Notwendigkeit einer unabhängigen Überwachung gesundheitlicher Kenngrößen, die einer genauen Prüfung offen stehen muss. Dies folgern Professor Christopher Murray vom Institute for Health Metrics and Evaluation an der Universität Washington in Seattle und Kollegen in einem aktuellen Artikel. Globale Initiativen investierten im Verlauf der vergangenen 30 Jahre erhebliche Mittel, um die Durchimpfungsrate anzuheben. Dazu gehören das 'Expanded Programme on Immunization' (EPI, 1974) der WHO, ein weltweites Impfprogramm gegen Masern, Kinderlähmung, Diphtherie, Keuchhusten, Wundstarrkrampf und Tuberkulose (1977), die Initiative 'Universal Childhood Immunisation' (UCI, 1984) der UNICEF und die 'Global Alliance of Vaccines and Immunisations' (GAVI, 1999). Allerdings bestehen seit langem Bedenken, dass derart ziel- und leistungsorientierte Initiativen wie beispielsweise der die UCI und GAVI unterstützende Impfservice ISS eine gelegentlich geschönte Datenerhebung fördern könnten. Um dies zu untersuchen, schätzten die Autoren die Durchimpfungsrate mit dem Dreifach-Kombinationspräparat für Diphtherie, Wundstarrkrampf und Keuchhusten (DPT3) anhand aller aus Befragungen verfügbaren Daten aus 193 Ländern aus dem Zeitraum 1986 bis 2006 ab. Die Forscher zeigen, dass die aus Befragungen erhobene mittlere Durchimpfungsrate mit DPT3 von 59 Prozent im Jahr 1986 auf 65 Prozent im Jahr 1990, daraufhin auf 70 Prozent im Jahr 2000 und letztendlich auf 74 Prozent im Jahr 2006 anstieg. Die Autoren meinen: “Es bestehen erhebliche Unterschiede zwischen offiziellen Angaben und aus Befragungen ermittelten Durchimpfungsraten während der UCI-Maßnahmen. GAVI-ISS-Daten machen den Unterschied zwischen offiziellen und nachgefragten Daten besonders deutlich. In 51 Ländern, die bis zum Jahr 2006 GAVI-ISS-Mittel bezogen, wurden den offiziellen Berichten zufolge 13,9 Millionen zusätzliche Kinder geimpft. Den Befragungen gemäß waren es jedoch nur 7,4 Millionen weitere mit DPT3 geimpfte Kinder.“ Darüberhinaus berechnen die Autoren, dass diese 51 Länder von der GAVI-ISS 140 Millionen US-Dollar zuviel bezogen haben. Basis hierfür ist eine Rate von 20 US-Dollar für jedes weitere geimpfte Kind. Tatsächlich bezogen diese Länder 290 Millionen US-Dollar, obwohl sie den Befragungen gemäß nur 150 Millionen US-Dollar hätten erhalten dürfen. Die Autoren vermuten, dass die zielorientierte UCI-Kampagne und die von der GAVI verwendeten leistungsbezogenen ISS-Mittel zu diesen Unterschieden in den dargestellten Durchimpfungsraten beigetragen haben, indem sie ein Overreporting angereizt haben. Die Forscher bemerken: "Wir denken, die einzige Alternative für GAVI besteht in einem entweder als Auflage oder Bestandteil der GAVI-Unterstützungen gestalteten Überwachungssystem, dass die Durchimpfungsraten anhand regelmäßiger Befragungen bewertet." Die Forscher folgern: "Weltweit betrachtet werden erhebliche Finanzmittel für eine effektivere Versorgung mit jenen Maßnahmen aufgewendet, welche die Gesundheit der Bevölkerungen verbessern helfen sollen. Mit diesen zunehmenden gesundheitsbezogenen Mittelzuweisungen steigt auch die Verantwortlichkeit, sicher zu stellen, dass diese finanziellen Mittel kostenwirksam und ihrer Bestimmung gemäß eingesetzt werden. Wenn der Fortschritt in Richtung solcher Zielsetzungen wie einer allgemeinen Immunisierung der Kinder besser verstanden und bewertet werden soll, müssen Messungen der Durchimpfungsraten anhand regelmäßigerer Goldstandard-Befragungen stattfinden, die auch verbesserte verwaltungstechnische Daten integrieren." In einem begleitenden Kommentar betont Dr. David M. Bashai von der Johns Hopkins School of Public Health in Baltimore, dass weder offizielle Berichte aus den Ländern, noch die in der Studie verwendeten Befragungen der Mütter der Goldstandard wären, um den Impfstatus der Kinder zu ermitteln. Dr. Bashai stellt fest: "Das Muster der Ergebnisse gibt zwar Hinweise, überzeugt jedoch nicht. Vernünftigen Zweifeln sollte genügend Raum gegeben werden, um einer Untersuchung zuvor zu kommen, die ländereigenes Impfpersonal von der wichtigen Aufgabe abhält, Kinder zu impfen und präzise Daten zu erheben. Die eigentliche Auswirkung der Studie von Lim und Kollegen sollte darin bestehen, dass Forscher unterstützt werden, letztendlich zu verstehen, warum aus Befragungen erhobene nicht mit offiziellen Daten übereinstimmen." Quelle: SS Lim and others. Tracking progress towards universal childhood immunisation and the impact of global initiatives: a systematic analysis of three-dose diphtheria, tetanus, and pertussis immunisation coverage. Lancet 2008; 372: 2031 http://www.thelancet.com |
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