THE LANCET 28.11.08
 

GALA-Studie: Karotisoperationen unter lokaler Betäubung oder Vollnarkose im Ergebnis gleich
Anästhesisten und Ärzte sollten in Rücksprache mit ihren Patienten für jeden Einzelfall festlegen, ob eine Vollnarkose oder eine lokale Betäubung bei einer Karotisoperation am sinnvollsten erscheint. Ein bereits online vorab veröffentlichter Artikel zeigt, dass es zwischen beiden Methoden keinen eindeutigen Unterschied bezüglich der Operationsfolgen gibt. Die Studie wurde von Dr. Michael Gough vom Department of Vascular Surgery an der Leeds General Infirmary und Kollegen der GALA-Forschungsgruppe (General Anaesthesia versus Local Anaesthesia for Carotid Endarterectomy) verfasst.

Patienten mit einer Blockade oder Verengung der Halsschlagader haben ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Diesen Patienten wird als operative Maßnahme häufig die so genannte Karotisthrombendarteriektomie (TEA) vorgeschlagen, insbesondere, wenn sie eine vorübergehende ischämische Attacke (nicht so schwerwiegend wie ein Schlaganfall) oder einen nicht invalidisierenden ischämischen Schlaganfall erlitten haben. Während dieser Operation wird die Schlagader geklemmt, die Innenseite der inneren Arterie freigelegt und das die Blockade verursachende Plaque entfernt. Im Verlauf der Operation wird die Blutversorgung des Gehirns von anderen Blutgefäßen oder einem eingelegten Shunt sicher gestellt.

Shunts sollen das Gehirn vor jenen Schlaganfällen schützen, die aus der geringeren zerebralen Durchblutung während der Klemmphase resultieren, da sie das die Blockade verursachende und somit eine Embolie im Gehirn auslösende Material entfernen können. Vor dieser Studie wurde angenommen, dass Operationen unter lokaler Betäubung sicherer wären als unter Vollnarkose. Hirnfunktionstests am wachen Patienten während der Karotis-Klemmphase unter lokaler Anästhesie alarmierten Chirurgen bezüglich der Notwendigkeit eines zu legenden Shunts offensichtlich zuverlässiger als die verschiedenen indirekten unter Vollnarkose angewandten Methoden. Somit werden weniger Shunts benutzt.

In dieser zwischen 1999 und 2007 erfolgten randomisierten kontrollierten Studie analysierten die Forscher 3526 Patienten aus 95 Zentren in 24 Ländern. Alle Patienten hatten symptomatische oder asymptomatische Karotisblockaden und wurden per Zufallsverfahren einer Vollnarkose (1753 Patienten) oder einer lokalen Betäubung (1773 Patienten) zugewiesen. Als primäres Ergebnis wurden jene Patienten gewertet, die zwischen Randomisierung und dem Zeitraum von 30 Tagen nach der Operation einen Schlaganfall (darunter auch Verstopfungen der Netzhaut-Blutgefäße) oder eine Herzattacke erlitten oder starben. Die Forscher stellten eine vergleichbare Häufigkeit der primären Ergebnisse in beiden Gruppen fest: 4,8 Prozent der Vollnarkose-Patienten im Vergleich zu 4,5 Prozent der lokal betäubten Patienten. Die beiden Gruppen unterschieden sich auch nicht signifikant bezüglich der Lebensqualität, der Dauer des Klinikaufenthalts oder der vorab eingeteilten Alters-Untergruppen, des kontralateralen Karotisverschlusses und des grundsätzlichen Eingriffrisikos.

Die Autoren folgern: "Hinsichtlich der wichtigsten perioperativen Komplikationen wie Schlaganfall, Herzattacke oder Tod gibt es bei einer TEA keinen Grund, routinemäßig entweder Vollnarkose oder lokale Betäubung zu bevorzugen. Ebenso konnten wir keinen eindeutigen Hinweis darauf finden, dass die Anästhesiemethode die Dauer des Klinikaufenthalts oder die Lebensqualität beeinflusste. Idealerweise sollten Operationsteam und Anästhesisten beide Methoden beherrschen, da neben möglichen vorliegenden medizinischen Gründen Patienten die eine Technik der anderen vorziehen könnten."

In einem begleitenden Kommentar diskutiert Dr. Joanne Guay von der Universität Montreal und dem Krankenhaus Maisonneuve-Rosemont in Montreal die Folgerungen der GALA-Studie und stellt fest: "Mit der aktuellen Lancet-Ausgabe erhalten wir endlich die Studienergebnisse, auf die wir bezüglich dieser Thematik gewartet haben." Die Forscherin äußert ihre Bedenken hinsichtlich der Schlussßfolgerungen, die aus dieser Studie gezogen werden könnten, da die Unterschiede in den primären Ergebnissen nur sehr klein und statistisch nicht signifikant seien. Darüber hinaus gibt sie ihrer Verunsicherung Ausdruck, ob denn eine weitere größere Studie die Fragestellung voran brächte oder die Entscheidung bezüglich einer lokalen Betäubung oder einer Vollnarkose nicht besser dem Arzt, Anästhesisten und Patienten zu überlassen wäre.

Quelle: GALA Trial Collaborative Group. General anaesthesia versus local anaesthesia for carotid surgery (GALA): a multicentre, randomised controlled trial. Lancet 2008; 372: 10.1016/S0140-6736(08)61699-2

www.thelancet.com         [Drucken]   [Fenster schließen]