01.08.08
Grippeimpfstoff für Ältere gegen ambulant erworbene Lungenentzündung wenig wirksam
Der Einfluss der Grippeimpfstoffe auf das Risiko einer Lungenentzündung bei immunkompetenten älteren Personen während einer Grippewelle erscheint geringer als zuvor veranschlagt, folgern die Autoren eines aktuellen Artikels.
Eine Lungenentzündung ist eine verbreitete Komplikation der Grippeinfektion bei älteren Menschen und könnte eventuell durch eine Grippeimfung vermieden werden. Studien haben nachgewiesen, dass geimpfte verglichen mit nicht geimpften Älteren ein um 20 bis 30 Prozent geringeres Risiko einer Lungenentzündung haben. Allerdings könnten diese Ergebnisse auf Grund unterschiedlicher gesundheitlicher Statuswerte zwischen den untersuchten Gruppen verzerrt worden sein. Außerdem sollten derartige Studien ambulante wie auch stationäre Patienten umfassen, da die meisten Menschen mit Lungenentzündung nicht im Krankenhaus behandelt werden. Dr. Michael Jackson vom Group Health Center for Health Studies im US-amerikanischen Seattle und Kollegen untersuchten, ob eine Grippeimpfung bei immunkompetenten älteren Menschen nach Kontrolle ihres Gesundheitsstatus mit dem Risiko einer ambulant erworbenen Lungenentzündung verknüpft ist.
Die Studie umfasste Personen im Alter von 65 bis 94 Jahren, die sich im Vorfeld und während der Grippewellen 2000, 2001 und 2002 in der Group Health Cooperative (eine private Krankenpflegeorganisation) angemeldet hatten. Fälle von stationären oder ambulanten Lungenentzündungen wurden anhand der durchgesehenen Krankenpapiere oder der Brustkorb-Röntgenbilder bestätigt. Jedem Fall wurden zwei altersgleiche und geschlechtsgleiche Kontrollen zufällig zugeordnet. Die medizinischen Berichte wurden auch durchgesehen, um potenzielle Störfaktoren einzugrenzen, die die Ergebnisse beeinflusst haben könnten, darunter eine Vorgeschichte als Raucher, Vorliegen und Schwere von Lungen- und Herzerkrankungen wie auch Anzeichen von Gebrechlichkeit.
Die Forscher untersuchten 1173 Fälle von ambulant erworbener Lungenentzündung und 2346 Kontrollen. Nachdem die Ergebnisse um die störenden Effekte von Vorliegen und Schwere anderer Krankheiten bei diesen Patienten bereinigt wurden, bestand zwischen der Grippeimpfung und einem verringerten Risiko einer ambulant erworbenen Lungenentzündung kein Zusammenhang mehr.
Die Autoren folgern: "Diese Ergebnisse könnten andeuten, dass eine Grippeinfektion eine nur kleine Zahl der Lungenentzündungen bei den Patienten verursacht, so dass die Verringerung des Gripperisikos nicht zu einem erheblichen Rückgang der Lungenentzündungen aus allen Gründen führt. Alternativ hierzu könnten die Ergebnisse auch andeuten, dass der Impfstoff bei älteren Personen mit einem Pneumonierisiko das Grippe-Infektionsrisiko nicht besonders wirksam unterdrückt. Diese beiden Möglichkeiten haben recht unterschiedliche Folgerungen für Impfstoffentwicklung und -empfehlungen; die Differenzierung zwischen ihnen benötigt Studien mit labordiagnostisch nachgewiesenen Endpunkten wie Lungenentzündung oder ernsthafte Beschwerden der Atemwege nach einer bestätigten Grippeinfektion."
In einem begleitenden Kommentar stellen Dr. Edward Belongia von der Marshfield Clinic Research Foundation in Wisconsin und Dr. David Shay von der Influenza Division an den US Centres for Disease Control and Prevention in Atlanta fest: "Weitere Studien, die labordiagnostisch nachgewiesene Folgen auswerten und gegenüber einem breiten Spektrum von Störfaktoren bereinigen, werden wertvolle Informationen über die Effekte des 'antigenic match' (tatsächliche Ähnlichkeit zwischen aktuell zirkulierendem Virus und Impfstamm) und anderer Faktoren liefern, welche die Wirksamkeit der Impfstoffe bei älteren Erwachsenen beeinflussen."
Quelle: Edward A Belongia and David K Shay. Influenza vaccine for community-acquired pneumonia. Lancet 2008; 372: 352
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