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THE LANCET   01.02.08
 
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Hohes Risiko für Venöse Thromboembolie bei stationären Patienten erfordert vorbeugende Maßnahmen

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Mehr als die Hälfte aller stationär behandelten Patienten riskieren venöse thromboembolische Komplikationen (VTE), weshalb sicher gestellt werden muss, dass dieses Risiko durch angemessene vorbeugende Behandlung (Prophylaxe) gemindert wird, folgern die Autoren eines aktuellen Artikels.

Die VTE ist eine verbreitete Komplikation während und nach Krankenhausaufenthalten auf Grund internistischer Erkrankungen oder Operationen. Eine Variante der VTE – die Lungenembolie – verursacht 5 bis 10 Prozent der Todesfälle bei stationären Patienten und ist somit die häufigste vermeidbare Todesursache (VTE verursacht mehr als zwanzigmal häufiger krankenhausinterne Todesfälle als Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus MRSA). Ein Bericht der US-Regierung verglich 79 krankenhauseigene Vorbeugemaßnahmen (darunter Händewaschen, antibiotische Prophylaxe und Blutdruckkontrolle) und stellte die VTE-Prophylaxe bezüglich Wirksamkeit, Sicherheit und Kosten an die erste Stelle. Obwohl Richtlinien zur VTE-Prophylaxe bereits seit mehr als 15 Jahren zur Verfügung stehen, kommen solche Maßnahmen zu selten zum Einsatz. Zudem bleibt der Anteil der Patienten weltweit, der diese Prophylaxe erfahren sollte, unbekannt. Angemessene Maßnahmen beinhalten gerinnungshemmende Medikamente wie Heparine und Warfarin sowie mechanische Methoden wie apparative intermittierende Kompressionen (AIK) und Thromboseprophylaxestrümpfe.

Dr. Ander Cohen von der Gefäßmedizin am King’s College London, Professor Ajay Kakkar von der Barts and the London School of Medicine and Dentistry und ihre Kollegen starteten die ENDORSE-Studie, welche die Verbreitung des VTE-Risikos in den Notaufnahmemaßnahmen bewerten und den Anteil der Risikopatienten bestimmen sollte, die eine wirksame Prophylaxe erhielten.

Die Studie analysierte alle stationären Patienten in 358 Krankenhäusern aus 32 Ländern, die im Alter von 40 oder mehr Jahren einer Krankenstation, oder jene, die im Alter von 18 oder mehr Jahren der Chirurgie zugewiesen wurden und bewertete das VTE-Risiko der Patienten auf Basis des Krankenhaus-Kurvenblatts. Die im Jahr 2004 herausgegebenen wissenschaftlich untermauerten Richtlinien des American College of Chest Physicians (ACCP) dienten der Bewertung des VTE-Risikos und der Feststellung, ob Patienten die empfohlene Prophylaxe erhielten.

Die Forscher stellten fest, dass von den 68 183 erfassten Patienten 30 827 (45 Prozent) der Chirurgie und 37 356 (55 Prozent) einer Krankenstation zugewiesen waren. Anhand der ACCP-Kriterien hatten 35 329 Patienten (51,8 Prozent) ein VTE-Risiko, darunter 19 842 (64,4 Prozent) Chirurgiepatienten und 15 487 (41,5 Prozent) allgemeine Patienten. Von den risikobelasteten Chirurgiepatienten erhielten 11 613 (58,5 Prozent) eine ACCP-empfohlene VTE-Prophylaxe im Vergleich zu den 6119 (39,5 Prozent) risikobelasteten allgemeinen Patienten.

Der Anteil der die ACCP-empfohlene VTE-Prophylaxe erhaltenden Patienten variierte zwar erheblich zwischen den 32 Ländern, folgte jedoch nicht zwangsläufig einem fallenden Einkommensgradienten. Beispielsweise waren die Länder mit dem höchsten Anteil der eine Prophylaxe erhaltenden, allgemeinen Risikopatienten Deutschland (70 Prozent), Spanien (64 Prozent) und Kolumbien (64 Prozent). Jene mit dem geringsten Anteil waren Bangladesh (3 Prozent), Thailand (4 Prozent) und Rumänien (18 Prozent). In dieser Kategorie lagen die USA bei 48 Prozent und Großbritannien bei nur 37 Prozent. Risikopatienten der Chirurgie wurden am besten wiederum in Deutschland (92 Prozent), Ungarn (87 Prozent) und nochmals Spanien (82 Prozent) versorgt; während wiederum Bangladesh und Thailand (beide 0,2 Prozent) sowie Pakistan (10 Prozent) das Schlußlicht bildeten. Großbritannien erreichte hier 74 Prozent und die USA 71 Prozent.

Die Autoren bemerken: "Die gesammelten Daten zeigen, dass weltweit mehr als die Hälfte aller stationären Patienten das Risiko einer VTE haben, und dass Chirurgiepatienten ein wohl höheres Risiko als allgemeine Patienten haben." Insbesondere betonen sie, dass "darüberhinaus nur eine Hälfte der Risikopatienten eine ACCP-empfohlene Prophylaxe erhielt."

Die Autoren folgern: "Krankenhausinterne Strategien zur Bewertung des Patientenrisikos einer VTE sollten zusammen mit jenen Maßnahmen eingeführt werden, die sicherstellen, dass Risikopatienten eine angemessene VTE-Prophylaxe erhalten."

In einem begleitenden Kommentar bemerken Dr. Walter Ageno und Dr. Francesco Dentali vom Department of Clinical Medicine der Universität Insubria im italienischen Varese: "Es gibt noch einiges zu tun, um einer VTE bei stationären Patienten besser vorzubeugen. Lokale Programme wie elektronischer Alarm zur Stärkung der Prophylaxe in der täglichen klinischen Praxis sind effektiv und sollten gefördert werden. Dennoch muss die Verbreitung stationärer Patienten mit hohem VTE-Risiko besser abgeschätzt werden, bevor diese Maßnahmen weltweit erfolgreich eingeführt werden können. Die den angemessenen Einsatz prophylaktischer Strategien unterstützenden Richtlinien sollten von allen medizinischen und chirurgischen Organisationen befürwortet werden."

Quelle: A Cohen and others. Venous thromboembolism risk and prophylaxis in the acute hospital care setting (ENDORSE study): a multinational cross-sectional study. Lancet 2008; 371: 387
 
http://www.thelancet.com
 
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