03.08.07
Frühzeitige Behandlung mit Interferon beta-1b kann Multiple Sklerose verzögern
Die Behandlung von Patienten mit ersten Anzeichen einer Multiplen Sklerose (MS) mit Interferon beta-1b kann die zunehmend behindernde Entwicklung der Erkrankung verzögern, so die Schlussfolgerung eines aktuellen Artikels.
Professor Ludwig Kappos und seine Kollegen vom Universitätsspital Basel untersuchten im Rahmen der randomisierten BENEFIT-Studie 468 Patienten mit ersten Anzeichen einer MS. Hierbei wurden für die Dauer von zwei Jahren 292 Patienten mit 250 Mikrogramm Interfeon beta-1b behandelt; 176 Patienten erhielten jeden zweiten Tag subkutan ein Placebo, beziehungsweise solange, bis auch bei ihnen eine klinisch gesicherte Multiple Sklerose (CDMS) diagnostiziert wurde. Nach der Diagnose einer CDMS oder dem Abschluss der zweijährigen Behandlung konnten die Patienten in eine anschließende Nachbeobachtungsstudie mit Interferon beta-1b eintreten.
Von den ursprünglich erfassten Patienten traten 89 Prozent in die BENEFIT-Anschluss-Studie ein, wobei 84 Prozent die drei Jahre andauernde Studie abschlossen (zwei Jahre Anfangsphase, ein Jahr Nachfolgephase). Die Studie maß den Grad der Behinderungen der Patienten anhand der EDSS-Skala (expanded disability status scale) und stellte fest, dass eine frühzeitige Behandlung mit Interferon beta-1b das Risiko einer fortschreitenden Behinderung um 40 Prozent im Vergleich zu einer später einsetzenden Behandlung verringerte. Während 51 Prozent der Patienten aus der spät behandelten Gruppe CDMS entwickelten, zeigten dies nur 37 Prozent der Patienten aus der frühzeitig behandelten Gruppe. Die frühzeitige Behandlung verringerte somit das Risiko einer CDMS um 41 Prozent.
Die Autoren folgern: "Unsere Daten lassen vermuten, dass eine frühzeitige Behandlung mit Interferon beta-1b die Fortentwicklung der gesicherten Erkrankung verhindern kann und unterstützen den Einsatz nach den ersten Anzeichen einer schubförmigen MS."
In einem begleitenden Kommentar bemerkt Dr. Sean Pittock von der Mayo Clinic of Medicine in Rochester: "Kappos und Kollegen setzten einen neuen Standard, an welchem sich zukünftige ergänzende Studien messen müssen." Er folgert: "Die Ergebnisse sollten dennoch mit Vorsicht interpretiert werden, da der Umfang des Nutzens zwar signifikant, klinisch jedoch klein ausfällt. Diese Nachfolgestudie sollte nicht als Hinweis auf einen jedes Symptom behandelnden Ansatz missverstanden werden."
Quelle: Ludwig Kappos et al.. Effect of early versus delayed interferon beta-1b treatment on disability after a first clinical event suggestive of multiple sclerosis: a 3-year follow-up analysis of the BENEFIT study. Lancet 2007; 370: 389-397
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