THE LANCET 08.12.06
 

Tatsächlicher Nutzen einer Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung bei jüngeren Frauen noch immer fraglich
Einem Artikel zufolge bleibt es ungeklärt, ob der Nutzen einer regelmäßigen jährlichen Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung bei 40- bis 49 jährigen Frauen eine mögliche Gefährdung und die entstehenden Kosten aufwiegt.

Frühere Untersuchungen hatte nahe gelegt, dass eine Mammographie bei Frauen im Alter von 40 bis 49 Jahren von Nutzen sein könnte. Dieser Nutzen könnte jedoch zum Teil daher rühren, dass viele Frauen in ihren Vierzigern aufgerufen, tatsächlich jedoch erst in ihren Fünfzigern untersucht wurden. Diesen Aspekt umgingen Dr. Sue Moss und Kollegen vom Londoner The Institute of Cancer Research in ihrer AGE-Studie, indem sie nur bis zu 48 -jährige Frauen zu einer jährlichen Mammographie aufriefen.

Die Forscher teilten über 160900 Frauen per Zufallsverfahren einer jährliche Mammographie entweder ab dem vierzigsten Lebensjahr zu, oder erst ab dem fünfzigsten, wie es im derzeit laufenden NHS Brustkrebs-Vorsorge-Programm vorgesehen ist. Die Studie wurde in 23 NHS-Brustkrebs-Screening-Stationen in England, Wales und Schottland durchgeführt. Die Nachuntersuchung der Frauen erfolgte nach durchschnittlich elf Jahren.

Wie die Forscher feststellten, sank die Brustkrebs-Sterblichkeit in der jüngeren Gruppe zwar um 17 Prozent gegenüber der Kontrollgruppe, dies sei jedoch kein statistisch signifikanter, aussagekräftiger Rückgang. Ihren Ergebnissen zufolge war außerdem bei 23 Prozent der 17030 regelmäßig Untersuchten wenigstens ein falsch positives Ergebnis verzeichnet worden – mehr als die geschätzten 12 Prozent bei über 50 jährigen Frauen, die derzeit im nationalen Vorsorge-Programm regelmäßig untersucht werden. Weitere mögliche gefährdende Effekte der Vorsorgeuntersuchungen beinhalten das Risiko eines Strahlung-induzierten Brustkrebses. Die Autoren schätzen jedoch, dass der Anteil jener Frauen, bei denen dieses Risiko den Nutzen aufwiegt, wohl sehr klein wäre.

Die Autoren fügen hinzu, dass die späteren Vorsorgeuntersuchungen erst sieben bis acht Jahre nach Studienbeginn durchgeführt wurden, und dass Auswirkungen dieser Untersuchungen bislang kaum aufgetreten sein können. “Zukünftige Entscheidungen zu Vorsorgemaßnahmen sollten sich anhand der Nachfolgeuntersuchungen aus dieser Studie informieren und mögliche Schäden und Kosten ebenso wie den Nutzen in Betracht ziehen“, so ihre Schlussfolgerung.

In einem begleitenden Kommentar bemerkt Benjamin Djulbegovic vom H. Lee Moffitt Cancer Center & Research Institute: “Die Entscheidung, ob eine Mammographie empfohlen werden soll, wird wesentlich von der Einschätzung der Gefährdung bestimmt; und diese wird niemals gleich Null sein. Die besten Abschätzungen des Gefährdungspotenzials der Mammographie geben dieses zwar kleiner als den Nutzen wieder, dennoch bleiben sie zu unsicher, um daraus schließen zu können, dass ein Screening in dieser Altersgruppe tatsächlich einen Nutzen hat. Nutzen und Gefährdung müssen dem individuellen Risiko jeder Frau, an Brustkrebs zu erkranken, gegenübergestellt werden. Jede Frau sollte mit Hilfe ihres Arztes entscheiden, ob ihr Schaden größer ausfällt, wenn sie an einem Brustkrebs erkrankt, der mit einer Vorsorgeuntersuchung frühzeitig hätte entdeckt werden können, oder wenn sie später im Leben an Brustkrebs als Folge der Mammographie selbst erkrankt.“

Quelle: Sue Moss et al.. Effect of mammographic screening from age 40 years on breast cancer mortality at 10 years' follow-up: a randomised controlled trial. Lancet 2006; 368: 2053-2060

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