24.02.06
Neue Erkenntnisse über die Ursachen von Morbus Crohn
Wissenschaftler in Großbritannien haben Hinweise darauf gefunden, dass Morbus Crohn durch eine schwache Immunabwehr verursacht wird. Die Forscher vermuten, dass Sildenafil (Viagra) bei der Behandlung von Morbus Crohn helfen könnte.
Morbus Crohn ist eine chronisch entzündliche Erkrankung, die Geschwüre im Dick- und Dünndarm verursacht. Viele Wissenschaftler betrachten Morbus Crohn als Autoimmunerkrankung – eine Erkrankung, die auftritt, wenn Körpergewebe vom eigenen Immunsystem angegriffen werden. Anthony Segal vom University College in London in Großbritannien und seine Kollegen stellten aber fest, dass entgegen ihrer Erwartungen die Entzündungen bei Morbus Crohn auf Grund einer schwachen Immunantwort entstehen.
Die Forscher untersuchten die Neutrophilen-Zahlen (eine Subpopulation weißer Blutzellen), die Patienten mit Morbus Crohn als Antwort auf Traumata im Darm (nach einer intestinalen Biopsie) und auf der Hautoberfläche (nach einer Hautabschürfung) produzierten. Sie fanden heraus, dass Morbus-Crohn-Patienten als Antwort auf ein Trauma deutlich niedrigere Mengen an Neutrophilen und inflammatorischen Mediatoren produzierten als gesunde Individuen. Kultivierte Blutzellen der Patienten waren ebenfalls abnormal. Um die inflammatorische Antwort auf Bakterien zu untersuchen, maß das Team lokale inflammatorische Veränderungen und Veränderungen des Blutflusses bei Teilnehmern nach Injektion einer harmlosen Variante von Escherichia-coli-Bakterien unter die Haut. Bei gesunden Kontrollpersonen erhöhte sich der Blutfluss in der Gegend der Entzündung auf etwa das Zehnfache in 24 Stunden. Morbus-Crohn-Patienten zeigten dagegen deutlich niedrigere Blutflusswerte. Die Forscher stellten fest, dass der zu niedrige Blutfluss bei Morbus-Crohn-Patienten durch eine Verabreichung von Viagra behandelt werden konnte, was eine mögliche Rolle des Medikaments bei der Behandlung der Erkrankung nahe legt.
Die Autoren glauben, dass bei Morbus Crohn eine reduzierte oder verspätete Anlockung von Neutrophilen zu den Stellen, an denen die Bakterien die Darmwand durchdringen, zu einer Persistenz der Bakterien und anderen organischen Resten im Gewebe führen könnte. Der Körper könnte auf diese Ansammlung von Bakterien durch die Sekretion entzündlicher Moleküle reagieren, die sich anhäufen und zur Entwicklung einer chronischen Entzündung führen, wie sie für Morbus Crohn typisch ist.
Professor Segal erklärt: "Unsere Forschungen haben eine defekte angeborene Immunität bei Morbus Crohn-Patienten aufgedeckt. Bei der Erkrankung Morbus Crohn prädisponiert eine beständig schwache Immunantwort die Anhäufung von Darminhalt, der die Mukosa der Darmwand durchbricht, was zur Bildung von Granulomen und einer chronischen Entzündung führt."
Quelle: D J B Marks and others. Defective acute inflammation in Crohn’s disease. Lancet 2006; 367: 668
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