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“Big Tobacco is watching”: Informationsverschleierung der British American Tobacco im Zentral-Archiv von Guildford Führende Gesundheitswissenschaftler plädieren für Änderungen im Management des British American Tobacco (BAT) Zentral-Archivs für Öffentlichkeitsarbeit in Großbritannien. Dieses Plädoyer ist die Konsequenz einer detaillierten Untersuchung, die hervorbrachte, wie der Zugang der Öffentlichkeit zu den Industrie-Dokumenten durch strenge Überwachungsmaßnahmen behindert und durch inadäquate Rechercheinstrumente erschwert wurde. Der im Jahre 1998 geschlossene Vergleich zwischen dem US-Bundestaat Minnesota und der Tabak-Industrie verpflichtete BAT, der Öffentlichkeit Zugang zu den acht Millionen Dokumentseiten zu verschaffen, die im Zentral-Archiv bei Guildford in England deponiert sind. Diese Regelung schließt auch Firmendokumente ein, die in das Zentral-Archiv von Minnesota gesandt wurden. Während das dortige Zentral-Archiv von einer unabhängigen Drittpartei verwaltet wird, wird das Zentral-Archiv in Guildford von BAT selbst geführt. Die Autoren betonen den deutlichen Unterschied zwischen den beiden Archiven: In Guildford erwies es sich als außerordentlich schwierig, Dokumente einzusehen, zu suchen und erbetene Dokumente zu erhalten. Der Erstautor Richard D. Hurt von der Mayo Clinic kommentiert: "Aus unserer Sicht läuft der Versuch von BAT, das Zentral-Archiv in Guildfordzu unterhalten, darauf hinaus, für die Öffentlichkeit bestimmte Information zurückzuhalten. Neu verfasste BAT-Dokumente aus nachfolgenden Gerichtsverfahren, die zwischen 1996 und 2001 datieren, enthüllen die Bemühungen des Unternehmens, Hintergrundinformationen über die Archiv-Besucher und deren Arbeit zu sammeln. Wir sind der Überzeugung, dass BAT den Zugang zu den Informationen durch eine verzögerte Dokumentenzusammenstellung erschwert. Auch die Weigerung, die Dokumente in elektronischer Form bereitzustellen, steht im Gegensatz zu den firmeneigenen Angaben einer 'großangelegten Dokumentenerfassung durch digitale Bildverarbeitung' im Zentral-Archiv von Guildford. Martin Broughton, Vorsitzender der BAT, hatte im Jahre 2000 vor dem englischen House of Comments Health Select Committee verkündet, dass das Scannen und die anschließende Online-Veröffentlichung der Guildford-Dokumente 'eine extreme Anstrengung darstelle und keinerlei Sinn mache....es gäbe keine Anzeichen dafür, dass ernstzunehmende Forscher Interesse für die Dokumente zeigten.' Neue Dokumente hingegen belegen, dass die Firma nicht nur die Wichtigkeit der Nachforschungen seitens der Besucher erkannt hatte, sondern auch, dass sie selbst substanzielle Ressourcen investiert und in dieser Zeit zahlreiche Scanning-Projekte unternommen hatte." Er ergänzt: "Die Verletzlichkeit dieser wichtigen Quelle wird dadurch demonstriert, dass eine reduzierte Anzahl von Datensätzen in einer elektronische Datenbank aufgelistet wird und eine Audioaufnahme versehentlich im Zentral-Archiv gelöscht wurde. Bezüglich der Sammlung von Hintergrundinformationen berichtete die Anwaltskanzlei der BAT über die täglichen Besucher-Aktivitäten im Zentral-Archiv an das Tabakunternehmen. Obwohl das Gegenteil versichert wurde, zeigen die diesbezüblichen Besucheraufzeichungen, dass offensichtlich die Datenbankabfragen des Besuchers festgehalten wurden. Letztlich wurden sogar die physischen Bewegungen der Besucher aufgenommen und in mindestens einem Fall das Mobilfunk-Telefonat eines Besuchers mitgeschnitten. Diese Aktivitäten werfen ethische Fragen bezüglich BAT und deren Rechtsbeistand auf, welche die Nachforschungen von Juristen und Wissenschaftlern beobachten, die das Gesundheitswesen und die Regierungsbehörden repräsentieren. Werden diese neuen Beweise als gegeben angenommen, zeigt sich, dass BAT das Zentral-Archiv nicht im Sinne des Minnesota-Vergleichs unterhält und aus diesem Grund von dieser Aufgabe entbunden werden sollte. Dementsprechend empfehlen wir, dass BAT seine komplette Dokumentensammlung elektronisch interessierten Parteien öffnet; damit sollte eine bessere Zugänglichkeit für das Gesundheitswesen ermöglicht werden, so wie es auch in den USA geschehen ist." In einem Begleitkommentar werfen Jeff Collin, Kelley Lee, und Anna B. Gilmore von der London School of Hygiene and Tropical Medicine der BAT sogar vor, dass sie das Zentral-Archiv in Guildford 'als ein feindseliges Archiv führten, das nur eine minimale Einhaltung der Minnesota-Vereinbarungen bietet, während die Absichten missachtet würden.' Quelle: Monique E Muggli, Eric M LeGresley, Richard D Hurt. Big tobacco is watching: British American Tobacco's surveillance and information concealment at the Guildford depository . Lancet 2004; 363: 1812 http://www.thelancet.com |
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