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THE LANCET   16.01.04
 
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Finanzierung und Verteilung ungeeigneter Medikamente erhöhen Kindersterblichkeit durch Malaria

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"Institutionelle Unzulänglichkeiten" der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Global Fund for Aids, Tuberculosis and Malaria (GFATM) haben zu einer schweren Krise in der Malariabekämpfung geführt, kommentieren Gesundheitsexperten. Sie wird zu vermehrten Malariatodesfälle unter Kindern führen und zum Versagen der 'Roll Back Malaria'-Kampagne der WHO von 1998 beitragen, mit der die Todesfälle durch Malaria bis 2010 halbiert werden sollten.

Mindestens eine Million Menschen sterben jährlich an Malaria, die meisten davon Kinder; sie alle könnten durch eine effektive Therapie gerettet werden. Diese Möglichkeit wird allerdings durch die Medikamentenresistenz des Malariaerregers Plasmodium falciparum gegen konventionelle Behandlungsmittel wie Chloroquin, Sulfadoxin/Pyrimethamin oder eine Kombination aus beiden verhindert. Die zunehmende Medikamentenresistenz ist die Hauptursache der globalen Zunahme der Malaria-Todesfälle unter Kindern. Neue Erkenntnisse lassen vermuten, dass in Ländern mit einer weiten Verbreitung von Resistenzen gegen konventionelle Medikamente eine neue hocheffektive Behandlung, bekannt als Artemisinin-class combination therapy (ACT), mehr Hoffnung für eine Malaria-Behandlung bietet. Daher ist ACT nun laut der WHO offiziell die Methode der Wahl zur Behandlung Medikamenten-resistenter Malaria.

Dennoch dokumentieren der internationale Gesundheitswissenschaftler Amir Attaran vom Royal Institute of International Affairs und seine Kollegen aus Afrika, Asien und Europa viele Fälle, in denen die WHO ihre eigenen Grundsätze verletzt. Der Artikel stellt fest: "Die meisten afrikanischen Länder verwenden weiterhin Chloroquin, Sulfadoxi/Pyrimethamin oder die nur wenig wirksamere Kombination aus beiden, weil ACT zehnmal teurer und daher für sie nicht erschwinglich ist. Wenn die gleichen Länder finanzielle Unterstützung von GFATM beantragen, um ACT zu kaufen, so wird das von Regierungen wie den USA verhindert, deren Verantwortliche sagen, dass ACT zu teuer und 'noch nicht einsatzbereit' sei. Die WHO fügt sich diesem Druck, um Kosten zu sparen. Und obwohl sie ACT als das Mittel der Wahl angeben, wird es von der WHO abgesegnet, wenn GFATM günstiges aber ineffektives Chloroquin oder Sulfadoxin/Pyrimethamin zur Behandlung von Malaria finanziert. Nach den von den Autoren präsentierten Daten gibt GFATM mehr Geld dafür aus, Chloroquin oder Sulfadoxin/Pyrimethamin in Afrika zu kaufen als für ACT."

Amir Attaran und seine Kollegen schließen, dass dies "nicht vertretbar" sei, und klagen die WHO und GFATM an; sie sind der Meinung, dass die Versorgung von Afrikanern mit ungeeigneten Medikamenten ethisch und legal medizinischer Unprofessionalität gleichkommt. Sie schreiben: "Dass die WHO und GFATM Chloroquin und Sulfadoxin/Pyrimethamin-Behandlungen anbieten [...] verschwendet zumindest wertvolle internationale Fördergelder und tötet schlimmstenfalls Patienten mit Malaria. Wenn man die durch die Medikamentenresistenz vom P. falciparum verursachte Erhöhung der Kindersterblichkeit durch Malaria bedenkt (zwei- bis elffach) und das auf Bevölkerungen überträgt, bei denen GFATM Chloroquin oder Sulfadoxin/Pyrimethamin trotz verbreiteter Resistenzen finanziert [...] sterben als direkte Folge davon mindestens zehntausende Kinder jedes Jahr."

Die Autoren bieten verschiedene Verbesserungsempfehlungen, die bis jetzt von der WHO und GFATM ignoriert wurden. Sie warnen, dass die WHO und GFATM ihren Ruf schädigen, wenn sie nicht schnell handeln. Dadurch könnten reiche Regierungen das Vertrauen verlieren und ihre Unterstützung einstellen. Amir Attaran kommentiert: "Beide Organisationen verstoßen gegen ihre eigenen Grundsätze, wohl wissend, dass sie damit ihre Versprechen von 1998, Malaria zurückzudrängen, verletzen. Diese Tatsache ist im Hinblick auf die neuen Versprechen, bis 2005 drei Millionen AIDS-Patienten zu behandeln, hochrelevant – kann man der WHO und GFATM vertrauen? Ihre Antwort auf diesen Artikel sollte genauestens beobachtet werden."

Quelle: Amir Attaran, Karen I Barnes, Christopher Curtis, Umberto d'Alessandro, Caterina I Fanello, Mary R Galinski, Gilbert Kokwaro, Sornchai Looareesuwan, Michael Makanga, Theonest K Mutabingwa, Ambrose Talisuna, Jean François Trape, William M Watkins . WHO, the Global Fund, and medical malpractice in malaria treatment . Lancet 2004; 363: 237
 
http://www.thelancet.com
 
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