29.07.11
Werden die Londoner Olympischen Spiele der öffentlichen Gesundheit nutzen?
Nur noch ein Jahr bis zum Beginn der Olympischen Sommerspiele und der Paralympics 2012 in London. Daher sollte man sich darauf konzentrieren, Hinweise darüber zu gewinnen, wie diese Spiele die öffentliche Gesundheit beeinflussen werden. Dies fordert eine Gruppe von Gesundheitsexperten in einem bereits vorab online veröffentlichten 'Viewpoint'.
Eine strenge Analyse der langfristigen gesundheitlichen und sozioökonomischen Auswirkungen auf Grund persönlicher Maßnahmen und der Spiele als Gesamtes hat das Potenzial, die enormen Investitionen zu rechtfertigen und die möglichen gesundheitlichen Gewinne von zukünftig ausgetragenen Veranstaltungen festzustellen, meinen Kaye Wellings und Kollegen der London School of Hygiene and Tropical Medicine in London.
"Die Betonung liegt auf Vermächtnis. Nicht nur im Sinne von Sportinfrastruktur, sondern auch hinsichtlich der Auswirkungen der innerstädtischen Erneuerung und des Anreizes zu körperlicher Aktivität und Sportteilnahme auf das Wohlbefinden der Bevölkerung. Dies ist ein einzigartiges und charakteristisches Merkmal der Olympischen Spiele 2012", erklären die Autoren.
Bei Kosten von über 9 Milliarden britischen Pfund, entsprechend 150 Pfund für jede Frau, jeden Mann und jedes Kind in Großbritannien, wurde der Bevölkerung ein weiter Rahmen nachhaltiger Vorteile versprochen. Insbesondere die gewaltige innerstädtische Erneuerung, eines der dürftigsten Themen Großbritanniens, hat das Potenzial, die strukturellen Bestimmungsgrößen der Gesundheit anzusprechen, indem erschwinglicher Wohnraum, eine Verdoppelung der Grünanlagenflächen und eine Steigerung der Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden.
In der Vergangenheit haben es die gastgebenden Länder versäumt, die gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen der Erneuerungsprogramme zu untersuchen. Dieser Mangel einer Vision der öffentlichen Gesundheit führte letztlich zu versäumten Gelegenheiten und beschädigte gesundheitsbezogene Ergebnisparameter. Die Autoren stellen fest: "Das Fehlen einer früheren Bewertung ist teilweise auf die komplexen Auswirkungen nicht gesundheitsbezogener Interventionen auf die Gesundheit zurückzuführen, insbesondere Maßnahmen, die über einen großen geografischen Bereich mit erheblichen physischen Änderungen eingeführt wurden."
Für die 2012er Spiele hat das britische Ministerium für Kultur, Medien und Sport eine Metaanalyse in Auftrag gegeben, die sich mit den sechs Vorgaben beschäftigen soll, die mit Sport und körperlicher Aktivität, Erneuerung, Kultur, Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Behinderung verknüpft sind.
Nach Meinung der Autoren jedoch werden diese Initiativen nicht leicht zu bewerten sein. Sie halten fest: "Der katalytische Effekt erschwert die Bewertung der zusätzlichen Steigerung der olympischen Initiativen, die keine klassischen Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit mit herkömmlichen gesundheitsbezogenen Endpunkten darstellen." Zu dieser Problematik kommt hinzu, dass der Effekt der strukturellen Verbesserungen auf die Gesundheit der örtlichen Bevölkerung kostenintensiv sein wird und die Dauer einer Generation zur Umsetzung benötigen wird.
Die Autoren folgern: "Die Umsetzung der Metaanalyse wird Geschicklichkeit, methodische Flexibilität und einen erheblichen Forschungsaufwand erfordern. Sie wird der Einsicht bedürfen, dass das tatsächliche Vermächtnis der Olympischen Spiele größere Auswirkungen auf die sozialen und strukturellen Bestimmungsgrößen der Gesundheit haben wird als auf die Gesundheit selbst. Der Gewinn allerdings wird der Art sein, dass nicht nur die gastgebende Nation Hinweise über Nutzen und Kosten solcher enormer Investitionen erhält, sondern auch zukünftige kandidierende Städte verbesserte Hinweise erhalten werden hinsichtlich des möglichen gesundheitlichen Nutzens durch die Austragung der Spiele, wie dieser Nutzen am besten maximiert werden kann und welche Tücken zu umgehen sind."
Quelle: Prof Kaye Wellings FRCOG and others. The 2012 Olympics: assessing the public health effect. Lancet 2011; 378: 10.1016/S0140-6736(11)60550-3
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