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THE LANCET   06.08.10
 
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Impfungen gegen Rotaviren in Asien und Afrika erfolgreich

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Studien in Asien und Afrika belegen, dass ein Rotavirenimpfstoff sicher und wirksam die schwere Rotavirusgastroenteritis (RVG) vermeiden hilft. Diese Erkrankung verursacht weltweit mehr als ein halbe Million Todesfälle unter Kindern. Die Autoren dieser beiden neuen bereits vorab online veröffentlichten Studien fordern nun gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation WHO und anderen internationalen Experten, den Impfstoff über beide Kontinente hinweg einzuführen.

In der ersten Studie starteten Dr. K. Zaman vom International Centre for Diarrhoeal Disease Research in Dhaka, Dr. John C. Victor von PATH in Seattle sowie Kollegen eine randomisierte kontrollierte Untersuchung an zwei Orten. Zum einen im ländlichen Matlab in Bangladesch, zum anderen in einem ländlichen und einem eher städtischen Gebiet in Vietnam. Diese Studie ist die erste klinische Untersuchung der Wirksamkeit eines bereits zugelassenen Rotavirenimpfstoffs in den Entwicklungsländern Asiens. Insgesamt erhielten 2036 Kinder im Alter von 4 bis 12 Wochen, die keine Anzeichen einer Durchfallerkrankung zeigten, per Zufallsverfahren im Verhältnis 1:1 drei orale Dosen des pentavalenten Rotavirenimpfstoffs der Firma Merck oder Placebo. Die Impfungen erfolgten nach etwa 6, 10 und 14 Wochen Lebensalter, jeweils in Verbindung mit routinemäßigen Kinderimpfungen, darunter orale Poliovirenimpfungen.

Nach über zwei Jahren Nachbeobachtungszeitraum registrierten die Forscher 38 Fälle der schweren RVG in der Impfgruppe, verglichen mit 71 Fällen in der Placebogruppe. Dies entspricht einer berechneten Impfstoffwirksamkeit von 48 Prozent. Die Raten ernster unerwünschter Ereignisse lagen in beiden Gruppen niedrig (Impfgruppe: 2,5 Prozent vs. Placebogruppe: 2,0 Prozent), wobei außerdem keines der unerwünschten Ereignisse der Maßnahme zugeordnet werden konnte. Obwohl die Wirksamkeit niedriger lag als in Studien in Industrienationen gezeigt, denken die Autoren beider Studien, dass der Einsatz dieses Impfstoffs mehrere tausend Leben auf beiden Kontinenten retten könnte.

Dr. Victor stellt fest: "Unsere primäre Zielsetzung ist es, die schwerste Erkrankung, die zum Tode führen könnte, in jenen Gebieten zu vermeiden helfen, wo eine Behandlung nicht zugänglich ist. Da wir Anzeichen dafür gefunden haben, dass der Impfstoff noch wirkungsvoller in der Vermeidung der schwersten Erkrankung ist, die Kinder erleben könnten, bin ich sehr optimistisch, was den Einfluss des Rotavirenimpfstoffs anbelangt, den er auf die Sterblichkeit in diesen Gemeinden haben wird."

Die Autoren folgern: "Mit einer nun ausgesprochenen Empfehlung der WHO für Rotavirenimpfstoffe können Regierungen der Entwicklungsländer Asiens und Afrikas entscheiden, wie sie einen Rotavirenimpfstoff in die Maßnahmenkataloge ihrer öffentlichen Gesundheit bevorzugt einführen können. Unsere Studie zeigt, dass ein oraler Rotaviren-Lebendimpfstoff das Potenzial hat, die Häufigkeit schwerer Rotavirusgastroenteritiden in Entwicklungsländern Asiens zu halbieren. Neben den Ergebnissen zur Wirksamkeit dieses Impfstoffs in Afrika stützt unsere Studie die starke Empfehlung der WHO, den Einsatz eines Rotavirenimpfstoffs auf die ärmsten Länder Asiens und Afrikas auszuweiten. Rotavirenimpfstoffe haben das Potenzial, allein im kommenden Jahrzehnt das Leben von nahezu 2 Millionen Kindern zu schützen."

Im zweiten Artikel analysierten Dr. George E. Armah von der University of Ghana in Accra und Dr. Kathleen M. Neuzil von PATH in Seattle sowie Kollegen die Wirkungen des gleichen Impfstoffs in Afrika. Dort ereignen sich jährlich etwa 240 000 rotavirenbedingte Todesfälle. Die Forscher unternahmen eine randomisierte kontrollierte Untersuchung des Impfstoffs in Ghana, Kenia und Mali. In dieser Studie erhielten 5468 Kinder im Alter von 4 bis 12 Wochen, die keine Anzeichen gastrointestinaler Störungen zeigten, per Zufallsverfahren im Verhältnis 1:1 drei orale Dosen des gleichen zuvor beschriebenen Impfstoffs oder Placebo nach 6, 10 und 14 Lebenswochen. Kinder mit einer HIV-Infektion wurden nicht ausgeschlossen.

Die Forscher registrierten 79 Fälle der schweren RVG in der Impfgruppe gegenüber 129 Fällen in der Placebogruppe, was einer Impfstoffwirksamkeit von 39 Prozent entspricht. Die Raten ernster unerwünschter Ereignisse lagen erneut in beiden Gruppen niedrig (Impfgruppe: 1,5 Prozent vs. Placebogruppe: 1,7 Prozent), wobei Durchfallerkrankungen die am häufigsten festgestellten Störungen waren.

Die Autoren bemerken: "Der Impfstoff bot Kindern während nahezu 2 Jahren Nachuntersuchungszeit einen signifikanten Schutz gegen schwere Rotavirusgastroenteritiden. Dieser Schutz war im ersten Lebensjahr, wenn die Belastung durch die Erkrankung, darunter die Sterblichkeit, am höchsten ist, besonders ausgeprägt (Impfstoffwirksamkeit: 64,2 Prozent)."

Die Forscher folgern: "In Afrika, wo Kinder an Durchfallerkrankungen sterben und eine rasche medizinische Versorgung meist außerhalb der Reichweite liegt, ist die Notwendigkeit, Rotaviren zu vermeiden, besonders dringend. Die Einführung eines Rotavirenimpfstoffs für afrikanische Kinder neben der bevorstehenden Einführung von konjugierten Impfstoffen gegen Pneumo- und Meningokokken in Teilen Afrikas könnte eine neue Ära der Verringerung von Krankheiten und Sterblichkeit von Kindern einleiten."

In einem verknüpften Kommentar bemerken Dr. E. Anthony S. Nelson von der Chinese University of Hongkong in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong und Dr. Roger I. Glass, Direktor des Fogarty International Center der National Institutes of Health in Bethesda: "Wir werden nicht in der Lage sein, die tatsächliche Wirksamkeit der Impfstoffe in einkommensschwachen Gemeinden sowie den möglichen Nutzen eines Schutzes der Gesamtbevölkerung zu bewerten, wenn diese Präparate nicht weiter verbreitet eingesetzt und ihre Wirkungen sorgfältig begutachtet werden. Den Regierungen der einkommensschwachen Länder zuzusichern, dass sie in der Lage sein werden, die Impfstoffe zu vernünftigen Preisen erstehen zu können, wenn die Unterstützung durch die weltweite Allianz für Impfstoffe und Impfungen GAVI endet, wird der schnellste Weg sein, die Einführung zu begünstigen und festzustellen, ob diese Impfstoffe in ihrem Nutzen für die öffentliche Gesundheit Seite an Seite mit den Präparaten gegen Pocken, Masern und Kinderlähmung stehen werden."

Die Kommentatoren folgern: "Darüber hinaus gibt es eine deutliche Notwendigkeit weiterer Forschung, um verstehen zu können, warum die Wirksamkeit beider oraler Rotaviren-Lebendimpfstoffe bei Kindern aus einkommensschwachen Ländern niedriger liegt als bei jenen aus Industrienationen. Könnten einfache Maßnahmen wie eine leicht verzögerte Immunisierung, das Hinzufügen zusätzlicher Dosen des Impfstoffs, oder das Vorenthalten der Muttermilch während der Zeit der Impfstoff-Verabreichung die Wirksamkeit des Impfstoffs unter diesen herausfordernden Bedingungen verbessern? Eine Antwort auf diese Fragen zu finden, könnte diesen neuen Impfstoffen noch an Wert hinzufügen, während sie erheblich dazu beitragen, Gesundheit und Leben von Kindern zu verbessern."

Quelle: Zaman, K. and others. Efficacy of pentavalent rotavirus vaccine against severe rotavirus gastroenteritis in infants in developing countries in Asia: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet 2010; 376: 10.1016/S0140-6736(10)60755-6
 
http://www.thelancet.com
 
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