30.07.10
Kombinationstherapie hilft gegen Fettleibigkeit
Eine Kombinationstherapie aus den Medikamenten Naltrexon und Bupropion sowie zusätzliche Diät und körperliche Aktivität können dabei helfen, das Körpergewicht jährlich im Mittel um 5 Prozent oder mehr zu senken, wobei dies von der Dosierung abhängig ist. Die Ergebnisse der COR-I-Studie werden in einem vorab online veröffentlichten Artikel vorgestellt. Die Autoren sind Professor Frank L. Greenway und Kollegen des Pennington Biomedical Research Center am Louisiana State University System im US-amerikanischen Baton Rouge.
Aus Naltrexon und Bupropion wurde eine Kombinationstherapie entwickelt, um in jenen Bereichen des zentralen Nervensystems des Körpers (ZNS) komplementäre Reaktionen hervorzurufen, die das Körpergewicht regulieren. Für diese randomisierte kontrollierte Studie wurden Männer und Frauen aus 34 Orten der USA im Alter von 18 bis 65 Jahren erfasst, die entweder einen Body-Mass-Index (BMI) von 30 bis 45 Kilogramm pro Quadratmeter Körperoberfläche aufwiesen und eine unproblematische Fettleibigkeit zeigten, oder einen BMI von 27 bis 45 kg/m2 aufwiesen und an abnormen Blutfettwerten oder Bluthochdruck litten.
Den Teilnehmern wurde eine Ernährung mit leicht reduzierter Kalorienmenge sowie körperliche Aktivität verschrieben. Hinzu kam jeweils eines von drei Behandlungsverfahren: täglich 32 Milligramm Naltrexon SR (retardierte Wirkstofffreisetzung) plus täglich 360 Milligramm Bupropion, kombiniert in Tabletten in fester Dosierung (NB32-Gruppe); täglich 16 Milligramm Naltrexon SR plus täglich 360 Milligramm Bupropion, kombiniert in Tabletten in fester Dosierung (NB16-Gruppe); oder ein entsprechendes Placebo. Alle drei Gruppen erhielten die Therapie im Verlauf von 56 Wochen zweimal täglich.
Insgesamt wurden 1742 Patienten randomisiert, jedoch haben nur 50 Prozent der Teilnehmer alle 56 Wochen der Behandlung abgeschlossen (NB32 = 296 Patienten; NB16 = 284; Placebo = 290). Von den ursprünglich erfassten 1742 Patienten durchliefen 1453 (83 Prozent) die abschließende Analyse (NB32 = 471; NB16 = 471; Placebo = 511). Das mittlere Körpergewicht der Patienten lag vor der Studie bei etwa 100 Kilogramm. Der mittlere Gewichtsverlust nach 56 Wochen lag in der Placebo-Gruppe bei 1,4 Kilogramm, verglichen mit 4,9 Kilogramm in der NB16-Gruppe bei und 6,1 Kilogramm in der NB32-Gruppe.
Der Anteil der Patienten, die einen Gewichtsverlust von 5 oder mehr Prozent erreichten, variierte ebenfalls zwischen den Gruppen. In der NB32-Gruppe waren es nahezu die Hälfte (48 Prozent), in der NB16-Gruppe 39 Prozent und in der Placebo-Gruppe 16 Prozent. Im Vergleich zur Placebo-Gruppe (7 Prozent) konnten mehr Patienten der NB32-Gruppe (25 Prozent) und der NB16-Gruppe (20 Prozent) mehr als 10 Prozent ihres ursprünglichen Körpergewichts abbauen. Mehr als ein Viertel der Patienten der beiden NB-Gruppen litt unter Übelkeit, verglichen mit nur 5 Prozent der mit Placebo behandelten Patienten. Kopfschmerzen, Verstopfung, Schwindel, Erbrechen und Mundtrockenheit wurden ebenfalls häufiger in den beiden NB-Gruppen als in der Placebo-Gruppe beobachtet. Die meisten dieser unerwünschten Ereignisse waren jedoch hinsichtlich ihrer Schwere nur mild bis moderat und zudem vorübergehend.
Die Autoren halten fest, dass sich, obwohl die Studie auch Männer erfasste, jede Gruppe zu 85 Prozent aus Frauen zusammensetzte, die meist mittleren Alters und hellhäutig waren. Ebenfalls angemerkt wird, dass die genauen Auswirkungen des Therapieteils 'körperliche Aktivitäten' nicht bekannt sind, da hiervon keine Daten erhoben wurden, und dass diese Kombinationstherapie gleichauf gegen andere Therapien getestet werden muss, um die Wirksamkeit vergleichen zu können.
Die Forscher fügen hinzu, dass ein Gewichtsverlust von 5 bis 10 Prozent die Kontrolle des Blutzuckers verbessern, das Risiko von abnormen Blutfettwerten und Bluthochdruck vermindern, und die Sterblichkeit verringern könnte. Sie stellen fest: "Diese Kombination verbessert die Essenskontrolle und die Reaktion auf Heißhungerattacken. Da viele übergwichtige Erwachsene davon berichten, dass Heißhunger ein entscheidendes Hindernis in ihrer Fähigkeit sei, eine Diät einzuhalten, könnten diese Maßnahmen zur Nützlichkeit von Naltrexon und Bupropion in der Behandlung der Fettleibigkeit beitragen."
Die Autoren folgern daher: "Obwohl Änderungen der Lebensführung bei Fettleibigkeit die Behandlung erster Wahl darstellen, erfolgt die Einhaltung solcher Maßnahmen nur mangelhaft. Die Kombination von Naltrexon und Bupropion könnte eine sinnvolle Ergänzung der gegenwärtigen Reihe von Medikationen sein, die die Beibehaltung von Änderungen des Lebensstils erleichtern und klinisch bedeutsame Gewichtsverluste in der Behandlung der Fettleibigkeit und krankheitsbedingter Störungen hervorrufen."
In einem Begleitkommentar weist Professor Arne Astrup vom Department of Human Nutrition an der Universität Kopenhagen darauf hin, dass der Blutdruck nach 56 Wochen nicht so weit reduziert war, wie es nach einem Gewichtsverlust von 5 Kilogramm normalerweise erwartet würde, und dass die Senkung geringer als in der Placebo-Gruppe ausfiel. Er bemerkt: "Zudem konnte die Kombination LDL-Cholesterinwerte nicht besser verringern als Placebo. Die Forscher folgerten zwar, dass die Kombination mehrere herzkreislaufbezogene Risikofaktoren verbesserte, aber wie wichtig sind Verbesserungen bei den Triglyceriden im Plasma, den HDL-Cholesterinen und dem hochempfindlichen C-reaktiven Protein, wenn die Absenkungen beim Blutdruck und den LDL-Cholesterinen fehlen, die normalerweise mit Gewichtsverlusten einher gehen? Weitere Daten sind notwendig, um eine bessere Gesamtbewertung der kardiovaskulären Risiken dieser ansonsten viel versprechenden Kombinationstherapie für Fettleibigkeit zu erhalten."
Quelle: Frank L Greenway and others. Effect of naltrexone plus bupropion on weight loss in overweight and obese adults (COR-I): a multicentre, randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet 2010; 376: 10.1016/S0140-6736(10)60888-4
www.thelancet.com [Drucken] [Fenster schließen]