Deutsche Website   

Logo LancetAktuellÜber LancetAbonnementKontaktLeere Leiste


English Site:

Home

Register

E-Toc

Subscribe



In Kooperation mit www.wissenschaft-online.de


Übersicht

THE LANCET   23.07.10
 
- Druckversion

----------

Zu Kindeszeiten strahlentherapeutisch behandelte Frauen erleiden häufiger Fehlgeburten

----------

Fortschritte in der Medizin erlauben heute, dass viele Kinder und Heranwachsende, die Jahre zuvor eine Krebsdiagnose erhalten hatten, das Erwachsenenalter erreichen und nun selbst eine Familie gründen wollen. Doch wie wirkt sich die in sehr jungen Jahren zur Bekämpfung des Krebses eingesetzte Strahlentherapie auf die Gefahr aus, dass das Baby einer solchen Person als Totgeburt zur Welt kommt oder kurz nach der Geburt stirbt? Diese Fragestellungen werden in einem vorab online veröffentlichten Artikel beantwortet. Die Autoren sind Dr. John Boice und Dr. Lisa B. Signorello sowie Kollegen vom International Epidemiology Institute in Rockville und der Vanderbilt University in Nashville.

Obwohl unbestätigt, könnte der strahlenbedingte Schaden an menschlichen Keimzellen auf die Nachkommen der Patienten übertragen werden. Dies könnte unerwünschte Auswirkungen auf Fortpflanzungsfähigkeit und Gesundheit der Nachkommen haben. Dieser Schaden könnte zudem Folgerungen für jene haben, die an ihren Arbeitsstätten oder anderen Einrichtungen Strahlen und Chemikalien ausgesetzt sind, wie beispielsweise in Atomkraftwerken.

In dieser neuen Studie verwendeten die Autoren die Daten der Childhood Cancer Survivor Study (CCSS), die 25 US-amerikanische und eine kanadische Einrichtungen erfasst hatte. Das Risiko einer Fehlgeburt und neugeburtlichen Todesfalls innerhalb der Nachkommen der Männer und Frauen, die eine Krebserkrankung zu Kindeszeiten überlebt hatten, wurde berechnet. Alle Patienten der CCSS waren zum Zeitpunkt der Erstdiagnose ihrer Krebserkrankung jünger als 21 Jahre und hatten mindestens 5 Jahre nach der Diagnose überlebt.

Unter den 1148 Männern und 1657 Frauen, die den Krebs zu Kindeszeiten überlebt hatten, traten 4946 Schwangerschaften ein. Die Bestrahlung der Hoden bei Männern und der Hirnanhangdrüse bei Frauen sowie der Einsatz von alkylierenden Chemotherapeutika bei beiden Geschlechtern waren nicht mit einem erhöhten Risiko für Fehlgeburt oder frühem Tod der Babys verknüpft. Die Bestrahlung der Gebärmutter und der Eierstöcke jedoch steigerte diese Risiken über alle Altersgruppen hinweg signifikant (neunfach), wenn Dosierungen größer 10,0 Gray zum Einsatz kamen. Bestrahlungen von Gebärmutter und Eierstöcken bei vorpubertären Mädchen mit niedrigen Strahlendosen von 1,00 bis 2,49 Gray erhöhten das Risiko für Fehlgeburten oder neugeburtliche Todesfälle um nahezu das Fünffache. Strahlendosen oberhalb von 2,5 Gray steigerten die Risiken um das Zwölffache.

Die Autoren bemerken: "Hochdosierte Bestrahlungen des Beckens können Wachstum und Blutfluss zur Gebärmutter dauerhaft beeinträchtigen und ein somit verringertes Gebärmuttervolumen zur Folge haben. Diese Auswirkungen der Bestrahlung sind wahrscheinlich vom Alter abhängig. Ob die Typen dieser Auswirkungen auf die Gebärmutter die Risiken plazentaler Fehlbildungen oder solcher der Nabelschnur oder anderer bereits mit Fehlgeburten verknüpfter Faktoren steigern, oder ob sie durch verschiedene Mechanismen wirken, erfordert Abklärung."

Außerdem stellen die Autoren fest, dass es, selbst wenn Männer Bestrahlungen erleiden mussten und einen dauerhaften übertragbaren Schaden davongetragen haben, schwierig wäre, alle bis auf die größten und am stärksten bestrahlten Gruppen zu erkennen, da der väterliche Einfluss auf das Risiko für Fehlgeburten von mütterlichen und externen Faktoren (vorgeburtliche Fürsorge) aufgewogen wird. Die Autoren meinen: "In dieser Kohorte von Männern, deren Becken weitaus höheren Strahlendosen ausgesetzt waren, als es Hintergrund-, diagnostische medizinische oder berufliche Belastungen erwarten lassen würden, konnte kein Effekt nachgewiesen werden."

Die Autoren folgern daher: "Bei Männern mit zuvor bestrahlten Hoden scheint es unter ihren Nachkommen kein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten oder neugeburtliche Todesfälle zu geben. Dies ist nicht nur für männliche Überlebende eines Krebses zu Kindeszeiten beruhigend, sondern auch für Männer, die einer ionisierenden Strahlung in beruflichen oder anderen Einrichtungen ausgesetzt sind. Bei den Frauen jedoch scheint die hochdosierte Bestrahlung von Gebärmutter und Eierstöcken erhebliche unerwünschte Auswirkungen zu haben, die höchstwahrscheinlich einem Schaden der Gebärmutter zugeordnet werden müssen. Daher sind bei schwangeren Frauen, die noch vor Erreichen ihrer Pubertät mit einer hochdosierten Bestrahlung des Beckens behandelt wurden, sorgfältige Maßnahmen gerechtfertigt."

Quelle: Signorello, L. and others. Stillbirth and neonatal death in relation to radiation exposure before conception: a retrospective cohort study. Lancet 2010; 376: 10.1016/S0140-6736(10)60752-0
 
http://www.thelancet.com
 
----------

- Als E-Mail versenden



Suche Oben
Suche links
 Schnellsuche*
 
 * in den Pressemeldungen
Suche rechts
Suche unten