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THE LANCET   23.07.10
 
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Stickstoffmonoxid kann eine schlechte Entwicklung der Lungen nicht verhindern

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Die Verabreichung von Stickstoffmonoxid an frühgeborene Kinder wird in einigen Industrieländern vorgenommen, um die Raten einer mangelhaften Lungenentwicklung (bronchopulmonale Dysplasie) zu senken. Außerdem soll damit das Überleben dieser Kinder verbessert werden. Die vorab online veröffentlichte EUNO-Studie zeigt jedoch, dass die Gabe von Stickstoffmonoxid bei diesen Kindern weder die Gesamtüberlebensrate noch ein Überleben ohne mangelhafte Lungenentwicklung oder Hirnschäden verbessert. Der Artikel wurde von Professor Jean-Christophe Mercier und Kollegen des Assistance Publique–Hôpitaux de Paris und der Universität Paris verfasst.

Diese randomisierte kontrollierte Studie erfasste 800 Frühgeborene mit einem zum Zeitpunkt der Geburt erreichten Schwangerschaftsalter von 24 bis 28 Wochen plus 6 Tage (inklusive). Diese Babys wogen mindestens 500 Gramm und benötigten innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Geburt auf Grund eines Atemnotsyndroms eine standardisierte Surfactanttherapie oder einen kontinuierlichen Atemwegsüberdruck. Die Babys wurden per Zufallsverfahren in einem 1:1-Verhältnis der Inhalation von Stickstoffmonoxid (5 ppm) oder einem Placebo-Gas (Stickstoffgas) zugeordnet. Die Behandlung während der Studie dauerte im Minimum 7 Tage, im Maximum 21 Tage, und erfolgte in 36 Zentren in 9 Ländern der europäischen Gemeinschaft. Primärer Ergebnisparameter war das Überleben ohne schlechte Lungenentwicklung im Alter von 36 Wochen.

Die Behandlung mit inhaliertem Stickstoffmonoxid und Placebo brachte keine signifikanten Unterschiede in den Überlebensraten der Kinder ohne mangelhafte Lungenentwicklung, dem Überleben im Alter von 36 Wochen oder der Gefahr einer schlechten Lungenentwicklung hervor, unabhängig davon, ob das Kind überlebte oder nicht.

Die Autoren stellen fest, dass der ethnische Hintergrund die Anfälligkeit für chronische Lungenerkrankungen beeinflusst. Etwa 82 Prozent der in dieser neuen Studie erfassten Kinder waren hellhäutig, und es konnte insgesamt kein Effekt des Stickstoffmonoxids festgehalten werden. Bei den Farbigen fiel der Effekt deutlicher aus, hier lag die Überlebensrate um 10 Prozent höher. Andere Studien haben einen klaren Nutzen der Stickstoffmonoxid-Behandlung bei farbigen Babys beschrieben. Die Autoren fordern eine neue Analyse aller relevanten Studien, um die Verknüpfung zwischen ethnischem Ursprung der Frühgeborenen und ihrer Reaktion auf das Stickstoffmonoxid darzulegen.

Die Folgerung der Autoren lautet somit: "Innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Geburt und im Mittel für 3 Wochen inhaliertes Stickstoffmonoxid in 5 ppm verbessert die Überlebensrate ohne bronchopulmonale Dysplasie bei deutlich zu früh geborenen Kindern mit einem milden bis moderaten Atemnotssyndrom nicht. Unsere negativen Ergebnisse sollten die Praxis ändern, indem sie dazu beitragen, dass der Einsatz inhalierten Stickstoffmonoxids bei frühgeborenen Kindern, die eine bronchopulmonale Dysplasie entwickeln, beendet wird."

In einem Begleitkommentar bemerken Dr. Ilene R. S. Sosenko und Dr. Eduardo Bancalari vom Department of Pediatrics an der University of Miami Miller School of Medicine in Miami: "Ist der Arzt nun anhand verfügbarer Daten aus sechs breit angelegten klinischen Studien in der Lage, eine evidenzbasierte Entscheidung bezüglich des Einsatzes inhalierten Stickstoffmonoxids bei frühgeborenen Kindern zu fällen, um deren Überleben ohne bronchopulmonale Dysplasie zu verbessern? Die Antwort lautet, wie es scheint, erst einmal Nein. Obwohl inhaliertes Stickstoffmonoxid bei spezifischen Untergruppen der Kinder Erfolge verspricht, müssen weitere Arbeiten durchgeführt werden, um optimale Dosierung und Behandlungsdauer definieren zu können, wie auch die Zielgruppe im Sinne von Reife, Schwere der Erkrankung, Rasse und dem Alter zum Zeitpunkt der Aufnahme in eine Studie, in welchem das Kind wohl am besten auf die Intervention mit inhaliertem Stickstoffmonoxid reagieren könnte."

Quelle: Mercier, J.-C., and others. Inhaled nitric oxide for prevention of bronchopulmonary dysplasia in premature babies (EUNO): a randomised controlled trial. Lancet 2010; 376: 10.1016/S0140-6736(10)60664-2
 
http://www.thelancet.com
 
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