23.07.10
Statin-Behandlung beeinflusst Aussagekraft der HDL-Cholesterinwerte für Herzkreislauf-Risiken
Je höher die HDL-Cholesterinwerte im Blut einer Person der allgemeinen Bevölkerung, desto stärker sinkt die Wahrscheinlichkeit, ein herzkreislaufbezogenes Ereignis erleben zu müssen. Neuere Forschungen zeigen nun jedoch, dass HDL-Cholesterinwerte keinerlei Bezug mehr zum verbleibenden kardiovaskulären Risiko haben, wenn Personen ihre LDL-Cholesterinwerte mittels einer hochdosierten Statin-Behandlung erheblich absenken konnten. Die auf der JUPITER-Studie basierenden Ergebnisse werden vorab online veröffentlicht, Autoren sind Professor Paul Ridker und Kollegen vom Center for Cardiovascular Disease Prevention am Brigham and Women’s Hospital in Boston.
In der JUPITER-Studie erhielten Patienten mit mittleren bis niedrigen LDL-Cholesterinwerten das bewährte Präparat Rosuvastatin in einer Dosierung von täglich 20 Milligramm. Dies senkte die LDL-Cholesterinkonzentrationen, in vielen Fällen deutlich, auf Werte, die man typischerweise von australischen Ureinwohnern kennt, jedoch nur selten bei westlichen Patienten vorfindet. Nach einer mittleren Nachbeobachtungsphase von 1,9 Jahren in der JUPITER-Studie (maximal 5 Jahre) konnte die Rosuvastatin-Behandlung mit einem 54-prozentigen Rückgang der Myokardinfarkte, einer 48-prozentigen Verringerung der Schlaganfälle, einer 46-prozentigen Abnahme der Revaskularisationen, einer 43-prozentigen Verringerung venöser Thromboembolien und einer 20-prozentigen Senkung der Gesamtsterblichkeit verknüpft werden. In dieser neuen Studie bewerteten die Autoren, ob das nach der hochdosierten Statin-Therapie verbleibende Risiko mit den Ausgangswerten oder den während der Behandlung auftretenden HDL-Cholesterinkonzentrationen verbunden war.
Bei den mit Placebo behandelten Patienten der JUPITER-Studie behielten die HDL-Cholesterinkonzentrationen ihre Aussagekraft hinsichtlich eines kardiovaskulären Risikos. Patienten mit HDL-Cholesterinwerten in der obersten 25-Prozent-Gruppe hatten ein etwa um die Hälfte geringeres Risiko des Erleidens eines herzkreislaufbezogenen Ereignisses als die Patienten der untersten 25-Prozent-Gruppe. Im Gegensatz hierzu konnte bei den mit Rosuvastatin behandelten JUPITER-Patienten keinerlei signifikante Verbindung zwischen den HDL-Cholesterinkonzentrationen und dem verbliebenen kardiovaskulären Risiko festgestellt werden.
Die Autoren folgern: "Obwohl die Messungen der HDL-Cholesterinwerte als Teil einer ersten herzkreislaufbezogenen Risikobewertung sinnvoll erscheinen, eignen sich diese Konzentrationen nicht zur Vorhersage des verbleibenden vaskulären Risikos bei den mit dem leistungsfähigen Präparat Rosuvastatin behandelten Patienten, die sehr niedrige LDL-Cholesterinwerte erreichen."
Allerdings fügen die Autoren hinzu, dass Erkenntnisse darüber, ob das Anheben der HDL-Konzentrationen herzbezogene Ergebnisparameter nach einer Statin-Therapie verbessert, als wichtige Fragestellung bestehen bleiben. Diese könnten nur in randomisierten Studien mit leistungsfähigen wirksamen HDL-Cholesterin steigernden Präparaten geklärt werden. Derartige Studien könnten bewerten, ob eine deutliche Steigerung der HDL-Cholesterinwerte zusätzlichen kardiovaskulären Nutzen über die Statin-Therapie hinaus bringen könnten.
In einem Begleitkommentar bemerken Dr. Derek Hausenloy und Kollegen vom The Hatter Cardiovascular Insititute des University College London: "Mit dem Aufkommen weiterer leistungsfähiger Medikamente muss die Fragestellung, ob das Anheben der HDL-Cholesterinwerte herzkreislaufbezogene Risiken bei Patienten mit sehr niedrigen LDL-Cholesterinkonzentrationen verringern kann, in klinischen Studien untersucht werden."
Quelle: Ridker, P. and others. HDL cholesterol and residual risk of first cardiovascular events after treatment with potent statin therapy: an analysis from the JUPITER trial. Lancet 2010; 376: 10.1016/S0140-6736(10)60713-1
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