11.06.10
Geplante Schließung eines Pharma-Standorts könnte das Leben vieler HIV-infizierter Babys bedrohen
Ein vorab online veröffentlichter offener Brief an den Hauptgeschäftsführer des Pharmazie-Giganten Bristol-Myers Squibb (BMS) sammelt die Besorgnis vieler Hilfs- und Nichtregierungsorganisationen. Der Hintergrund ist, dass BMS plant, eine Firma zu schließen, die lebenswichtige Medikamente für HIV-infizierte Babys herstellt.
Der Brief wurde von verschiedenen Repräsentanten der Zivilgesellschaft verfasst, die im Vorstand der internationalen Agentur UNITAID sitzen, darunter Dr. Mohga M. Kamal-Yanni, Senior Health & HIV Policy Advisor der unabhängigen Hilfsorganisation Oxfam GB. Das Schreiben konzentriert sich auf die Herstellung des gepufferten Medikaments Didanosin in der 25 Milligramm-Rezeptur, gegenwärtig ein antiretrovirales Second-Line-Medikament für Kinder mit HIV/AIDS, die weniger als 10 Kilogramm wiegen. Die Autoren unterstreichen ihre Besorgnis über die Schließung der BMS-Firma in Frankreich, die Didanosin produziert. Es gibt auch keine Pläne zur Wiederaufnahme der Produktion vor April 2011. Dies wäre nach dem Verständnis der Autoren wohl der erste Termin, zu welchem BMS die geplante neue Produktionsstätte eröffnen könnte.
Die Autoren stellen fest: "Diese Fabrik zu schließen heißt, dass 4000 gegenwärtig in Behandlungsplänen von UNITAID erfasste Babys in den Entwicklungsländern ohne die von ihnen benötigten Medikamente zurück gelassen werden. Didanosin ist die letzte therapeutische Option für diese Kleinstkinder, ohne das Medikament könnten sie sterben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass zwischen dem Heute und der erwarteten Wiederaufnahme der Produktion im April 2011 etwa 15 000 Packungen des 25-Milligramm-Didanosins in allen UNITAID-begünstigten Ländern fehlen werden."
Mit ihrem Appell an den BMS-Hauptgeschäftsführer Lamberto Andreotti betonen die Autoren, dass es gegenwärtig keine von der Weltgesundheitsorganisation WHO zugelassene Alternative zu Didanosin gibt. Sie folgern daher: "Wir möchten Sie als den Hauptgeschäftsführer von BMS, einer Firma, die auf ihren hohen Standard der Unternehmensverantwortung stolz ist, inständig bitten, unbedingt auf unsere Besorgnis zu reagieren und darzulegen, wie sie planen, jegliche Unterbrechung der Behandlungen zu vermeiden. Wir hätten ebenso gerne Ihre Bestätigung, dass eine BMS-Produktionsstätte die Herstellung dieses lebenswichtigen Medikaments 2011 wieder aufnehmen wird."
Quelle: M. Kamal-Yanni and others. Open letter to Lamberto Andreotti, Chief Executive Officer, Bristol-Myers Squibb. Lancet 2010; 375: 10.1016/S0140-6736(10)60940-3
www.thelancet.com [Drucken] [Fenster schließen]