14.05.10
Fibrate können herzbezogene Zwischenfälle verhindern
Eine große Metaanalyse von Fibrat-Therapien zeigt, dass diese Medikamente das Risiko erheblicher kardiovaskulärer Ereignisse verringern können. Sie verhindern in erster Linie koronare Arterienkrankheiten wie auch die Notwendigkeit von Revaskularisationen in Form von Angioplastien oder Stent-Implantationen. Dr. Vlado Perkovic und Kollegen vom The George Institute for International Health an der University of Sydney beschreiben die Ergebnisse in einem online vorab veröffentlichten Artikel.
Mehrere klinische Studien lieferten uneinheitliche Ergebnisse hinsichtlich des Fibrat-Effekts auf kardiovaskuläre Risiken. Um diese Unklarheit aufzulösen, starteten die Autoren eine systematische Literaturübersicht und Metaanalyse zur Untersuchung der Effekte der Fibrate auf wichtige klinische Ergebnisparameter. Die Autoren durchforsteten Studien, die zwischen 1950 und März 2010 veröffentlicht wurden. Mit einbezogen wurden prospektive randomisierte kontrollierte Studien, die im Vergleich mit Placebo-Medikamenten Effekte von Fibraten auf kardiovaskuläre Folgen bewerteten. Die Verringerung des relativen Risikos wurde mittels standardisierten Metaanalysen-Techniken berechnet. Zu den Ergebnisparametern zählten bedeutende kardiovaskuläre und koronare Ereignisse, Schlaganfall, Herzversagen, koronare Revaskularisation, Sterblichkeit aus allen Gründen, kardiovaskulärer und nichtkardiovaskulärer Tod, plötzlicher Tod, erneutes Auftreten von Albuminurie (stark erhöhte Proteinausscheidung der Nieren über den Urin) und unerwünschte Ereignisse.
Die endgültige Analyse umfasste 18 Studien und 45 058 Teilnehmer mit 2870 größeren kardiovaskulären Vorfällen, 4552 koronaren Ereignissen und 3880 Todesfällen. Die Fibrat-Therapie brachte eine Verringerung des relativen Risikos um 10 Prozent für bedeutende kardiovaskuläre Vorfälle sowie um 13 Prozent für koronare Ereignisse. Allerdings hatte die Fibrat-Behandlung keine statistisch signifikante Wirkung auf Schlaganfall, Sterblichkeit aus allen Gründen, kardiovaskulären oder plötzlichen Tod. Die Fibrate konnten das Risiko einer fortschreitenden Albuminurie um 14 Prozent senken (Albuminurie ist ein frühes Kennzeichen einer Nierenerkrankung, meist bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen). Die Rate schwerwiegender unerwünschter Ereignisse wurde durch Fibrate nicht signifikant gesteigert.
Die Autoren betonen, dass der Nutzen der Fibrat-Therapie bei kardiovaskulären Erkrankungen hauptsächlich darin besteht, dass koronare Arterienkrankheiten wie auch die Notwendigkeit von Revaskularisationen in Form von Angioplastien oder Stent-Implantationen vermieden werden.
Die Forscher folgern: "Der Betrag der proportionalen Risikominderung fällt bescheidener aus als jener, der mit anderen gefäßschützenden Therapien erreicht wird, die auf Lipide, Blutdruck und Gerinnung abzielen. Die nun berichtete klinische Relevanz des Effekts wird diskutiert werden. Wie auch bei anderen Medikamentenklassen wird der tatsächliche klinische Wert gleichermaßen von der Größe der proportionalen Risikominderung und dem absoluten Wert des Risikos der behandelten Patientenpopulation abhängen. Bei Hochrisikogruppen wird sich eine proportionale Risikoverringerung um 10 bis 15 Prozent in einer lohnenden Verringerung des absoluten Risikos und einer glaubhaften Zahl zu behandelnder Patienten niederschlagen. Die Herausforderung wird darin bestehen, diese Gruppe im klinischen Umfeld zu definieren."
Quelle: Min Jun and others. Effects of fibrates on cardiovascular outcomes: a systematic review and meta-analysis. Lancet 2010; 375: 10.1016/S0140-6736(10)60656-3
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