THE LANCET 30.04.10
 

Koronare Herzkrankheit: Entzündungsmarker ebenso verantwortlich wie Bluthochdruck und LDL-Cholesterin
Das im Blutstrom mit LDL-Cholesterin transportierte Enzym Lipoprotein-assoziierte Phospholipase A2 (Lp-PLA2) ist in gleichem Maße mit der koronaren Herzkrankheit verknüpft wie Bluthochdruck und Cholesterin. Dies konnten Dr. Alexander Thompson und Professor John Danesh von der University of Cambridge im Rahmen einer internationalen Studie feststellen.

Die aktuell veröffentlichten Ergebnisse stärken das Interesse an diesem Enzym als ein potenzielles neues therapeutisches Ziel in der Vermeidung von Herzerkrankungen.

Die koronare Herzkrankheit gilt weltweit als häufigste Todesursache, da sie jährlich bis zu 7 Millionen Todesfälle verursacht. Rauchen, Diabetes und Bluthochdruck sowie hohe LDL-Cholesterin-Werte sind bekanntermaßen Auslöser der koronaren Herzkrankheit, können jedoch insgesamt nicht ihre Häufigkeit erklären.

Es besteht daher ein erhebliches Interesse, andere Risikofaktoren zu idenfizieren, um neue vorbeugende Medikamente zu entwickeln. Beispielsweise werden in breit angelegten klinischen Studien neue Präparate getestet, die das Lp-PLA2 blockieren. Dieser gefäßspezifische Entzündungsmarker wird bevorzugt bei jenen Personen gebildet, deren Arterien eher durch einen als Entzündung bekannten Vorgang betroffen sind, einer Reaktion des Körpers auf Schädigungen.

In der aktuellen Studie untersuchten die Autoren, inwieweit Lp-PLA2-Messungen an 79 036 Patienten aus 32 prospektiven Studien mit dem nachfolgenden Risiko einer koronaren Herzkrankheit, eines Schlaganfalls oder Todesfalls verknüpft waren.

Die Forscher stellten fest, dass höhere Lp-PLA2-Werte im Blut mit einem gesteigerten Risiko für koronare Herzkrankheit, Schlaganfall und frühen Tod verknüpft waren. Bezüglich der koronaren Herzkrankheit lag der Betrag des mit erhöhten Lp-PLA2-Werten verbundenen gesteigerten Risikos gleichauf mit den Risikowerten für Bluthochdruck oder LDL-Cholesterin.

Allerdings betonen die Autoren die Notwendigkeit weiterer Studien, "da Blutdruck und Cholesterin in dieser Untersuchung jeweils nicht so stark mit Herzkrankheiten verknüpft waren wie bislang berichtet."

Die Bedeutung der Entzündung für kardiovaskuläre Erkrankungen wird noch nicht vollständig verstanden. Ähnlich dem Lp-PLA2 sind andere an Entzündungen beteiligte Blutproteine wie C-reaktives Protein (CRP) und Fibrinogen ebenfalls mit dem Risiko mehrerer verschiedener chronischer Erkrankungen verbunden.

Da die Lp-PLA2-Werte offensichtlich keinen Bezug zu den anderen Proteinen haben, führen die Autoren an, dass Lp-PLA2-Messungen das Potenzial haben könnten, einen ausgeprägten Einblick in den Zusammenhang zwischen Entzündung und Entwicklung einer koronaren Herzkrankheit zu geben.

Dr. Thompson ist der Meinung: "Randomisierte klinische Studien an Lp-PLA2-Inhibitoren sollten helfen festzulegen, ob eine Senkung der Lp-PLA2-Werte das Risiko vaskulärer Erkrankungen verringern kann."

In einem begleitenden Kommentar wiederholt Dr. Robert S. Rosenson von den Cardiometabolic Disorders an der Mount Sinai School of Medicine des Mount Sinai Heart in New York diese Ansicht und bemerkt: "Die Wichtigkeit einer blockierten Aktivierung dieser Phospholipase-A2-Prozesse auf mit atherosklerotischen vaskulären Erkrankungen verbundene klinische Ereignisse erwartet die Ergebnisse prospektiver Studien."

Quelle: The Lp-PLA2 Studies Collaboration. Lipoprotein-associated phospholipase A2 and risk of coronary disease, stroke, and mortality: collaborative analysis of 32 prospective studies. Lancet 2010; 375: 1536

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