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Übersicht
Malaria-Kombinationstherapie ebenso wirksam wie Goldstandard-Verfahren Die neue Malaria-Kombinationationstherapie Artesunat-Pyronaridin zeigt sich ebenso wirksam wie der Goldstandard Artemether-Lumefantrin. Darüber hinaus muss das neue Präparat nur einmal täglich eingenommen werden, verglichen mit der zweimal täglich erforderlichen Verabreichung des derzeit besten Medikaments. Die Ergebnisse werden in einem aktuellen Artikel von Dr. Isabelle Borghini-Fuhrer und Kollegen vom Medicines for Malaria Venture in Genf vorgestellt. Artemether-Lumefantrin wird derzeit auf Grund einer hohen Sicherheit und einer generell mehr als 90-prozentigen Wirksamkeit als Goldstandard zur Behandlung der Malaria angesehen. Allerdings muss es zweimal täglich eingenommen werden und erfordert eine fetthaltige Ernährung zur optimalen Absorption. Außerdem setzt die relativ kurze Zeitdauer der Metabolisierung des Präparats die Patienten einem hohen Risiko einer frühzeitigen Neuinfektion aus. Wissenschaftler versuchen, eine neue Kombinationstherapie auf Artemisininbasis zu entwickeln, die vergleichbar bequem, wirksam und sicher wie Artesunat-Pyronaridin ist. Damit soll Gesundheitspolitikern und der Gesundheitsfürsorge ermöglicht werden, ihren Patienten in Gebieten mit endemischer Malaria mehr Auswahlmöglichkeiten an effektiven Medikamenten zu bieten. Diese randomisierte Phase-III-Studie wurde in sieben Orten in Afrika und drei Orten in Südostasien durchgeführt. Die mit der unkomplizierten Malaria (Plasmodium falciparum, häufigste Form) infizierten Patienten im Alter von 3 bis 60 Jahren erhielten per Zufallsverfahren in einem 2:1-Verhältnis im Verlauf von drei Tagen einmal täglich oral Artesunat-Pyronaridin oder zweimal täglich Artemether-Lumefantrin oder entsprechend Placebo. Die verabreichten Tabletten enthielten 180 Milligramm Pyronaridin und 60 Milligramm Artesunat, die Kontrolltabletten 20 Milligramm Artemether und 120 Milligramm Lumefantrin. Beide Therapien wurden dem Körpergewicht entsprechend dosiert. Die primäre Erfolgsrate wurde am 28. Tag anhand einer Blutanalyse der Patienten auf das Vorhandensein der Malariaparasiten hin beurteilt. Die endgültige Analyse der Wirksamkeit umfasste 784 Patienten in der Artesunat-Pyronaridin-Gruppe und 386 Patienten in der Artemether-Lumefantrin-Gruppe. Eine Reaktion auf die Therapie erfolgte in der Artesunat-Pyronaridin-Gruppe zu 99,5 Prozent und in der Artemether-Lumefantrin-Gruppe zu 99,2 Prozent. Laut Analyse ergab sich in der Artesunat-Pyronaridin-Gruppe gegenüber der Artemether-Lumefantrin-Gruppe eine geringere Neuinfektionsrate wie auch ein längerer Zeitraum bis zur Neuinfektion (Tag 28 vs. Tag 21). Der Prozentsatz unerwünschter Ereignisse war in beiden Behandlungsversionen vergleichbar, die meisten dieser Ereignisse waren mit der eigentlichen Malariaerkrankung verknüpft. Es wurden 509 (60 Prozent) unerwünschte Ereignisse bei 849 Artesunat-Pyronaridin-Patienten und 241 (57 Prozent) bei 423 Artemether-Lumefantrin-Patienten festgestellt. Eine milde und vorübergehende Zunahme der Leberenzyme als Nebenwirkung wurde in der Artesunat-Pyronaridin-Gruppe, jedoch nicht in der Artemether-Lumefantrin-Gruppe nachgewiesen Die Autoren folgern: "Artesunat-Pyronaridin in fester Dosierung, für 3 Tage einmal täglich verabreicht, zeigte in der Behandlung der unkomplizierten P. falciparum-Malaria hohe klinische und parasitologische Reaktionsraten, eine rasche Beseitigung der Parasiten und wurde zudem gut vertragen. Die Wirksamkeit des Artesunat-Pyronaridins muss jedoch noch unter realen Bedingungen an Patienten getestet werden, die eine Malariatherapie benötigen, darunter auch jene, die mangelernährt oder anämisch sind. Allerdings, mit Blick auf die Ergebnisse dieser Studie und mit einem Erwerbspreis für das Artesunat-Pyronaridin in einem Bereich von unter 1 US-Dollar für Erwachsene und weniger als 0,50 US-Dollar für Kinder sollte für diese Medikamentenkombination in Erwägung gezogen werden, dass sie in Malaria-Therapieprogramme integriert wird." In einem Begleitkommentar stellt Dr. Francois Henri Nosten vom Mahidol Oxford University Tropical Medicine Research Programme an der Shoklo Malaria Research Unit in Thailand fest, dass eine bedenkliche Begrenzung der Studie darin bestünde, dass sie vorwiegend ältere Kinder und Erwachsene aus afrikanischen Ländern erfasste. Er bemerkt daher: "Von diesen Patienten kann angenommen werden, dass sie eine signifikante Malaria-Immunität erworben haben, was die Behandlungserfolge verbessern könnte, insbesondere mit nur teilweise wirksamen Medikamenten. Was wir tatsächlich wissen müssen, ist, ob dieses neue Medikament auch bei Patienten ohne signifikante Immunität wirkt, wie beispielsweise bei jungen Kindern." Dr. Nosten äußert außerdem Bedenken hinsichtlich der Artesunat-Pyronaridin-behandelten Patienten mit erhöhten Leberenzymwerten, und meint, zukünftige Studien müssten das Toxizitätsrisiko für die Leber untersuchen. Quelle: Antoinette K Tshefu and others. Efficacy and safety of a fixed-dose oral combination of pyronaridine-artesunate compared with artemether-lumefantrine in children and adults with uncomplicated Plasmodium falciparum malaria: a randomised non-inferiority trial. Lancet 2010; 375: 1457 - 1467 http://www.thelancet.com |
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