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Neues Medikament zur Behandlung der Migräne Das neue Medikament zur Behandlung der Migräne, Telcagepant, befindet sich im Endstadium seiner Entwicklung. Die neue Substanz lindert den Schmerz in vergleichbarem Maß wie gegenwärtig verfügbare Migränemedikamente, beispielsweise Triptane. Im Gegensatz zu diesen löst Telcagepant jedoch keine Verengung der Blutgefäße aus (Vasokonstriktion) und ist somit für Personen mit Herzkreislauferkrankungen wie auch für die Allgemeinbevölkerung geeignet. Außerdem könnte auch Topiramat vorbeugend zur Vermeidung von Migräneattacken bei Personen mit chronischer Migräne eingesetzt werden. Topiramat ist ein Antiepileptikum, das zur Zeit in vielen Ländern als Migräne-Behandlung erster Wahl verwendet wird. Der Sachverhalt wird in einem aktuellen "Online First" veröffentlichten "New Drug Class"-Artikel diskutiert. Autoren sind Professor Lars Edvinsson vom University Hospital im schwedischen Lund sowie Dr. Mattias Linde von der Norwegian University of Science and Technology und dem St. Olavs Hospital im norwegischen Trondheim. Telcagepant steht für eine neue Klasse von Migränemedikamenten, den CGRP-Rezeptor-Antagonisten (Calcitonin-gene-related polypeptide). Die Substanz wirkt, indem sie an verschiedenen Stellen des Trigeminus-Nervs und des zentralen Nervensystems die Rezeptoren für das Neuropeptid "Calcitonin Gene-Related Peptide" blockiert. Hierdurch wird der schmerzauslösende metabolische Prozess unterbrochen und eine Schmerzlinderung erreicht. Die häufigsten unerwünschten Effekte des Wirkstoffs Telcagepant umfassten Mundtrockenheit, Schwindel, Brechreiz, Erschöpfung und Benommenheit. Die auf Serotonin-Rezeptoren wirkenden Triptane gelten gegenwärtig als die bestmögliche migräne-spezifische Akutbehandlung und haben vielen Patienten Erleichterung gebracht. Diese Medikamente sind im allgemeinen gut verträglich, sind jedoch nicht ohne Manko. In einer Metaanalyse zur Migränebehandlung mit Triptanen haben bis zu einem Drittel aller Personen mit Migräne und 40 Prozent aller Migräneattacken nicht auf diese Medikamente angesprochen. Der Einsatz von Triptanen ist auch mit einer Reihe von unerwünschten Effekten verknüpft: Schwindel, Parästhesie (Kribbeln/Taubheit der Haut), Engegefühl im Hals und Beschwerden im Brustbereich. Die Autoren stellen fest: "Bemerkenswerterweise sind diese Präparate bei Personen mit aktiven Herzkreislauferkrankungen und unkontrolliertem Bluthochdruck kontraindiziert, da sie gelegentlich eine Verengung koronarer und cerebraler Blutgefäße hervorrufen können." Die Autoren fügen hinzu, dass der wichtigste Fortschritt in der Migräneprophylaxe in der Einführung des Medikaments Topiramat bestünde, und erklären das Grundprinzip zur Verwendung dieses Antiepilepsie-Präparats bei Migräne zum Teil mit der Hypothese, dass sich Migräne und Epilepsie mehrere pathogene Mechanismen teilten. Obwohl Topiramat bereits ein altes Medikament ist, so bedeutet seine Verwendung in der Migräneprophylaxe doch eine neue Indikation. Daraus folgt auch seine Erwähnung im "New Drug Class"-Artikel. Topiramat zur Vermeidung der Migräne ist mit verringerten finanziellen Aufwendungen der Gesundheitsfürsorge verknüpft, und es zeigt sich in der Vermeidung der Migräne als kostenwirksame Maßnahme im Verhältnis zu überhaupt keiner vorbeugenden Therapie. Im Gegensatz zu anderen Migränemedikamenten ruft Topiramat bei zwei Drittel aller Patienten wohl eher einen Gewichtsverlust hervor statt einer Zunahme. Der mittlere Gewichtsverlust in klinischen Studien beträgt etwa 2,5 Kilogramm, wobei etwa 10 Prozent der Patienten 10 oder mehr Prozent ihres ursprünglichen Körpergewichts verloren. Die Forscher folgern: "Die klinischen Studien, die wir begutachtet hatten, liefern Hinweise, dass CGRP-Rezeptor-Antagonisten wichtige molekulare Zielsubstanzen in der Entwicklung von Migränemedikamenten sind. Telcagepant erscheint als eines dieser viel versprechenden Präparate, obwohl noch weitere Untersuchungen berechtigt sind, um seine Rolle nachdrücklich festlegen zu können. Noch ausstehende Fragen umfassen, ob CGRP-Rezeptor-Antagonisten mit Triptanen kombiniert werden können, um eine wirksamere Therapie zu erreichen, und ob sie bei Patienten, die nicht auf Triptane ansprechen, sinnvoll sind. Außerdem wurde die Wirksamkeit von Triptanen bei Kindern nicht nachgewiesen, einer Gruppe, die von dieser Forschung profitieren könnte. Topiramat ist in vielen Ländern das vorbeugende Migränemedikament erster Wahl und sollte bei jenen erwachsenen Patienten in Erwägung gezogen werden, die übergewichtig sind, an Epilepsie leiden oder bei welchen Beta-Blocker kontraindiziert sind. Das Medikament ist im allgemeinen sicher und gut verträglich. Die Daten deuten an, dass Topiramat eine chronische Migräne mit oder ohne übermäßige Inanspruchnahme von Medikamenten in eine episodische Migräne umkehren könnte. Topiramat ist somit ein wichtiges Präparat bei schwierigen Fällen." Quelle: Lars Edvinsson, Mattias Linde. New drugs in migraine treatment and prophylaxis: telcagepant and topiramate. Lancet 2010; 375: 10.1016/S0140-6736(10)60323-6 http://www.thelancet.com |
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