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Regeneration der Nieren statt Dialyse oder Transplantation? Der letzte Artikel der Lancet-Serie zu Nierenerkrankungen widmet sich der Erforschung der Regenerationsfähigkeit der Nieren. Von besonderem Interesse ist die Frage, ob dies, ähnlich den Fischen auch beim Menschen möglich ist. Die Autoren des Artikels sind Giuseppe Remuzzi, Ariela Benigni sowie Marina Morigi vom Mario Negri Institute for Pharmacological Research im italienischen Bergamo. Vertreter des Pflanzen- und Tierreichs überleben Schädigungen auf Grund von Regenerationsstrategien wie beispielsweise das Vorhalten von Stammzellennischen im ausgewachsenen Status des Organismus oder die Induktion eines Stammzellpotenzials in ausdifferenzierten Zellen. Diese haben sich in ihre letztendlich vorgesehene Form und Funktion entwickelt. Der Axolotl, ein mexikanischer Schwanzlurch, besitzt die Fähigkeit, Gliedmaßen nach Verlust zu regenerieren. Während dieser Regeneration wird ausgewachsenes Gewebe nahe der Amputationsebene in eine Zone undifferenzierter Progenitorzellen umgewandelt. Diese Blastem genannten Zellen entwickeln die verschiedenen Gewebe der Gliedmaßen neu. Die Niere besitzt eine begrenzte immanente Fähigkeit zur Regeneration. Die Forschung konzentriert sich daher auf die Suche nach renalen Progenitorzellen oder Stammzellen. Eine Reihe von Studien hat angedeutet, dass beide Zellarten vorliegen könnten. Bezüglich der Stammzellen konzentrierten sich die Untersuchungen auf Zellen, die Stammzellmarker exprimieren wie auch auf das Auffinden von Nierenzellen, die funktionale Eigenschaften von Stammzellen aufweisen. Aus dem Knochenmark Erwachsener gewonnene Stammzellen könnten zu Turnover und Regeneration verschiedener Kompartimente der Niere beitragen. Von Knochenmarkszellen ist bekannt, dass sie zur Niere wandern und am normalen Turnover wie auch an der Wiederherstellung der Tubulusepithelzellen nach akuten Nierenschädigungen beteiligt sind. Die Autoren stellen fest: "Ein verbessertes Verständnis des Regenerationsmechanismus der Nieren hat die Forschung angeregt, zu klären, ob in eine geschädigte Niere ergänzend injizierte Zellen Wiederherstellung und Regeneration des verletzten Gewebes unterstützen, und somit den ablaufenden natürlichen Heilungsprozess beschleunigen und erweitern könnten. Die Stammzellen Erwachsener, entweder aus dem Knochenmark oder ursprünglich aus der Niere gewonnen, könnten zu Zellreparaturen und Gewebewiederherstellungen nach akuten Nierenverletzungen beitragen." Allerdings stellen die Autoren auch die Frage, ob chronische Nierenschädigungen, aus vielerlei verschiedenen Ursachen, ebenso repariert werden können. Sie diskutieren die Wichtigkeit einer medikamentösen Behandlung mit Inhibitoren des Angiotensin-konvertierenden Enzyms (ACE) und Angiotensin-II-Rezeptorenblockern (ARBs). Diese sollen zur Vermeidung und Rückbildung von Nierenschäden beitragen, indem Bluthochdruck und Proteinabgabe der Niere verringert werden. Wilmer und Mitarbeiter berichteten, dass eine 8 Jahre währende ACE-Hemmer-Therapie die Nierenfunktion von 6 Patienten mit Diabetes Typ 1 wie auch das nephrotische Syndrom stabilisieren konnte, das nach Vorhersagen innerhalb von Monaten zur Nierenerkrankung im Endstadium geführt hätte. Hinweise aus dieser und anderen Studien lassen vermuten, dass ACE-Hemmer eine Reparation und Regeneration der Nieren zulassen könnten. Das heißt, diese Medikamente könnten neben ihren direkten Effekten ermöglichen, dass Stammzellen den zugrunde liegenden pathologischen Schaden innerhalb der Niere beheben. Trotz dieser positiven Ergebnisse sind mehrere Jahre unter einer solchen medikamentösen Therapie notwendig, bevor ein klinisch relevanter Nutzen in der Nierenfunktion festgehalten werden kann. Als eine mögliche Strategie schlagen die Autoren vor, ACE-Hemmer in Kombination mit ARB und einem harntreibenden Mittel in weit höherer Dosierung zu verabreichen, als zur Kontrolle des Blutdrucks empfohlen. Eine derartige, an 112 Patienten getestete Vorgehensweise hatte zur Folge, dass nur 2 von 56 Patienten eine Nierenerkrankung im Endstadium entwickelten, verglichen mit 17 von 56 Patienten der Kontrollgruppe. Die Autoren folgern: "Studien am Menschen werden das Verständnis der das Fortschreiten und die Rückbildung einer chronischen Nierenerkrankung regelnden Genetik wie auch jener Gene, die mit wünschenswerten Ergebnisparametern verknüpft sind, verbessern helfen. Vertiefte Kenntnisse der Wirkungsmechanismen der bereits verfügbaren Medikamente mit nierenschützenden Eigenschaften werden den Weg ebnen, neue Stoffwechselwege zu enthüllen, die für die Nierenregeneration möglicherweise wichtig sind. Wissen aus der Humangenetik und mechanistische Studien zum Schutz der Nieren werden gemeinsam zur Entwicklung von Molekülen beitragen, die auf jene Gene zielen, die für die Pathophysiologie der Regeneration wichtig sind. Zielsetzung hierbei ist die Regeneration der Nieren anstatt der Dialyse oder der Nierentransplantation." Quelle: Ariela Benigni and others. Kidney regeneration. Lancet 2010; 375: 1310 - 1317 http://www.thelancet.com |
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