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THE LANCET   26.03.10
 
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Änderung der Leistungsvergütung kann Chinas Gesundheitssystem verbessern

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Im chinesischen Gesundheitssystem, das auf Bezahlung pro Behandlung beruht, haben unangemessene Leistungsentgelte rasch steigende Kosten, Ineffizienz, schlechte Qualität, eine unerschwingliche Gesundheitsfürsorge sowie eine Aushöhlung der ärztlichen Ethik hervorgebracht. Jüngste Versuche, dieses System anhand einer Reihe von Methoden zu ändern, führten zu einigen frühen positiven Ergebnissen. Ganz generell konnten in ländlichen wie auch städtischen Gebieten die grundlegende primäre Gesundheitsfürsorge verbessert und Kosten gesenkt werden. In einem Übersichtsartikel in der aktuellen China-Spezialausgabe stellen Dr. Winnie Chi-Man Yip und Kollegen vom Department of Public Health der University of Oxford fest, dass sie diese Ergebnisse verhalten optimistisch sehen.

Nach nahezu zwei Jahrzehnten wird erkannt, dass die Mitte der 1980er Jahre in China eingeführten Änderungen ein für Krankenhäuser und Ärzte unzweckmäßiges Vergütungssystem geschaffen haben. Die Honorarordnung hatte erhebliche Auswirkungen darauf, wie behandelt wurde. So wurden im Rahmen von Chinas System der Einzelleistungsvergütung und dem zugrunde liegenden Preisgefüge Medikamente und hochtechnologische Diagnoseverfahren übermäßig vergütet, während die grundlegende primäre Gesundheitsfürsorge nur unzureichend bezahlt wurde. Dies ließ die Gesundheitsdienstleister Medikamente und Diagnosetests in übersteigertem Maße verschreiben, was einen raschen Anstieg der Gesundheitskosten und unzureichender Behandlungen zur Folge hatte. Die Änderungen verringerten den Zugang zur Gesundheitsfürsorge und führten zu einer hohen finanziellen Belastung der Menschen. Als Reaktion hierauf verpflichtete sich die chinesische Regierung zu einer neuen Reform und versprach zusätzliche 850 Milliarden Renminbi Yuan (123 Milliarden US-Dollar) während der nächsten 3 Jahre einzusetzen, um eine allgemeine und erschwingliche medizinische Grundversorgung seiner 1,3 Milliarden Einwohner zu gewährleisten.

Versuche, dieses System zu verbessern, haben zwei Dinge gemeinsam: erstens Anreize, die Überverschreibungen von Medikamenten und unnötigen und teuren Diagnosetests verringern sollen, indem von der Einzelleistungsvergütung zu einem Sammel-System gewechselt wird; zweitens Anreize für Dienstleister der Primärversorgung, mittels Impfungen, Gesundheitserziehung, Versorgung von Müttern und Kindern, Hausbesuchen, Kontrolle von Infektionskrankheiten sowie der Vorbeugung und Behandlung auftretender chronischer Erkrankungen so viele Bürger wie möglich zu erreichen.

2005 startete das Gesundheitsministerium ein Pilotprojekt in örtlichen Gesundheitszentren in Schanghai, Tientsin, Guangzhou und Chengdu, um das Einkommen der primären Gesundheitseinrichtungen von den Einnahmen ihrer Dienstleistungen zu entkoppeln. In Schanghai werden die örtlichen Zentren aus einem pauschalen Budget bezahlt und zahlen für Leistungsbereitschaft. In den städtischen Krankenhäusern des ländlichen China startete in drei Städten der Provinzen Guizhou und Shaanxi ein soziales, Rural Mutual Health Care (RMHC) genanntes Experiment. Dieses wechselte die Bezahlung von der Einzelleistungsvergütung hin zu Grundgehältern zuzüglich eines an die Leistung gebundenen Bonus. Zielsetzung hierbei war, den Bürgern einen besseren Zugang zu einer kostenwirksamen gesundheitlichen Grundversorgung zu ermöglichen und ihren Gesundheitsstatus zu verbessern. Beide Versuchsanordnungen versprachen, Qualität und Zugang zu Fürsorge könnten bei gleichzeitiger Kostenreduzierung verbessert werden. Mit Blick auf die Änderungen der Bezahlung in Krankenhäusern verweisen die Autoren auf ein 2004 begonnenes innovatives Experiment am Jining Medical College Hospital. Zur Festsetzung der Höhe der Leistungsbegleichung standardisierte eine Gruppe von Medizinexperten die Behandlungsprotokolle der Erkrankungen, indem sie die Minimalanforderungen für die Dauer des Aufenthalts, Medikamentenverabreichung, Dienstleistungen und chirurgische Verfahren für die jeweilige Krankheit festlegten. Mit diesem Protokoll wurde ein Maximalpreis bestimmt, der auf den geschätzten Behandlungskosten der jeweiligen Krankheit beruhte. Die Aufwendungen für die 128 im Experiment erfassten Erkrankungen verringerten sich um 33 Prozent zwischen 2004 und 2006, wobei sich die größten Einsparungen bei den teuren Behandlungen wie der Herzchirurgie ergaben.

Die Autoren stellen fest: "In China wurden innovative Methoden eingesetzt, um die durch das gegenwärtige System verursachte verbreitete Überverschreibung von Medikamenten und diagnostischen Verfahren zu kontrollieren wie auch der zunehmenden Belastung durch Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus entgegen zu treten. Obwohl die vielen gegenwärtig in China laufenden Experimente zur Bezahlung der Gesundheitsdienstleister viel versprechend sind, können endgültige Folgerungen darüber, inwieweit diese Experimente Qualität und Effizienz der Gesundheitsfürsorge verbessert haben, nicht gezogen werden. Viele befinden sich noch im Anfangsstadium der Einführung, und manche sind nicht auf eine strenge wissenschaftliche Bewertung ausgelegt."

Die Forscher folgern: "Wir sind verhalten optimistisch bezüglich dieser Innovationen. China benötigt strenge und sachliche Evidenz-basierte Bewertungen, mit einer konzentrierten Aufmerksamkeit hinsichtlich der Effekte auf Qualität und gesundheitliche Auswirkungen, bevor Folgerungen gezogen werden können, welches Modell nun das Beste wäre. Vernünftige finanzielle Anreize können die medizinische Arbeitsweise eines Arztes grundlegend beeinflussen. Um jedoch einen langfristigen sozialen Nutzen zu erzielen, muss jegliche Reform die Konstellationen von Faktoren erfassen, die die ärztliche Arbeitsweise beeinflussen. In China müssen insbesondere die Wiedereinführung von Berufsethos und Normen in Betracht gezogen werden wie auch unter den Krankenhäusern die Abtrennung von auf Profit abzielenden Motiven von den Anreizen, die ihren beschäftigten Ärzten gegeben werden."

Quelle: Winnie Chi-Man Yip and others. Realignment of incentives for health-care providers in China. Lancet 2010; 375: 1120
 
http://www.thelancet.com
 
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