THE LANCET 26.03.10
 

Hongkong: beispielhafte Kontrolle des Tabakkonsums in China
Ein online vorab veröffentlichter Kommentar beschreibt Hongkong als "leuchtendes Beispiel" für die in China praktizierte Kontrolle des Tabakkonsums. Demzufolge verzeichnet die Region einen bemerkenswerten Rückgang der gesundheitlichen Belastungen durch Tabakkonsum. Der Kommentar stammt von Professor Jeffrey P. Koplan und Kollegen vom Emory Global Health Research Institute in Atlanta.

China besitzt weltweit die größten Anbauflächen für Tabak, ist der größte Produzent und auch Konsument der Produkte. Der Anteil am Weltmarkt beträgt 35 Prozent, 30 Prozent aller Raucher weltweit sind Chinesen. Der Tabakkonsum wird bis zum Jahr 2025 jährlich 2 Millionen Tote fordern. Obwohl China das internationale Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs unterzeichnet hat, befindet sich das Land noch immer in den Startlöchern im Kampf gegen die durch Tabak hervorgerufenen Bedrohungen.

Eine Reihe aufeinander treffender Faktoren machen die Tabakkontrolle in Hongkong so erfolgreich. Dazu zählen in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehrfach angehobene Steuern, Verordnungen zum Rauchen in Gebäuden, Warnhinweise auf den Verpackungen, Bemühungen gegen den Schmuggel, Anti-Tabak-Programme in den Schulen, Kampagnen in den Massenmedien und Aktionen des Gemeinwesens. Das Tobacco Control Office im Gesundheitsministerium und Nichtregierungsorganisationen wie das Hong Kong Council on Smoking and Health haben zu diesen Strategien gemeinsam beigetragen.

Die Steuererhebungen auf Tabak erfolgten regelmäßig und in zuweilen gewaltiger Höhe. 1983 stiegen die Steuern um 300 Prozent, 1991 erfolgte eine Anhebung um 100 Prozent, 2001 um 5 Prozent und 2009 um 50 Prozent. Diese gestiegenen Steuern haben in Kombination mit den anderen oben genannten Strategien dazu geführt, dass die Häufigkeit des Rauchens in Hongkong von 23 Prozent im Jahr 1982 auf 12 Prozent im Jahr 2008 zurückfiel. Allerdings blieb die Zahl der Raucherinnen im vergangenen Jahrzehnt stabil. Jüngere Raucher haben außerdem ihren täglichen Konsum verstärkt, von im Mittel 9 Zigaretten täglich im Jahr 2005 auf 11 im Jahr 2008.

Die Autoren folgern: "Hongkong zeigt, dass ein mit angemessener Finanzierung über viele Jahre hinweg beworbenes effektives umfassendes Programm zur Tabakkontrolle falsche Vorstellungen über den Tabak zerstören, soziale Normen ändern und einen großen Nutzen hervorbringen kann, darunter eine gesündere Bevölkerung und wirtschaftliche Einsparungen. Diese Anstrengungen können China und anderen Nationen als nützliches Beispiel einer bewährten Methode dienen."

Quelle: Jeffrey P Koplan and others. Hong Kong: a model of successful tobacco control in China. Lancet 2010; 375: 10.1016/S0140-6736(10)60398-4

www.thelancet.com         [Drucken]   [Fenster schließen]