19.03.10
Dem Britischen Ministerium für internationale Entwicklung ein Zeugnis ausstellen
Der aktuelle Leitartikel konzentriert sich auf die innerhalb des Britischen Ministeriums für internationale Entwicklung (DFID) behandelten Fragen der globalen Gesundheit. Er beleuchtet die bislang erreichten durchwachsenen Erfolge und Fehlschläge, die Herausforderungen, denen sich das Ministerium nach einem möglichen Regierungswechsel gegenüber sieht, sowie die durch regierungsinterne Spannungen mit dem Außenministerium (FCO) und dem Gesundheitsministerium (DH) hervorgerufenen Probleme.
Mit Blick auf die Erfolge des Ministeriums stellt der Leitartikel fest: "Das DFID hat eine Bildungsstrategie veröffentlicht, einen Maßnahmenplan gegen Unterernährung und war Veranstalter einer als 'Wendepunkt der Armut' angekündigten internationalen Konferenz zu Millenium-Entwicklungszielen. Die Strategie gegen Unterernährung wurde anlässlich der Präsentationsveranstaltung vergangene Woche von den Delegierten vielfach gelobt (von afrikanischen Gesundheitsministern bis hin zu den etwas skeptischeren Nichtregierungsorganisationen). Das DFID hat sich ganz eindeutig als respektierte Führungskraft in Fragen der globalen Gesundheit etabliert."
Darüberhinaus werden die Leistungen einer Reihe von tatkräftigen Labour-Ministern des DFID, Clare Short, Hilary Benn und Douglas Alexander lobend hervorgehoben. Der Leitartikel stellt fest, dass diese Minister dem Ministerium hinsichtlich der globalen Gesundheit eine starke Reputation eingebracht hätten. Andere Erfolge werden ebenso beleuchtet, beispielsweise habe das DFID das Niveau der finanziellen Hilfen verdreifacht und sei auf dem Weg, das Ziel der Vereinten Nationen zu erreichen, bis 2013 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Hilfen aufzuwenden.
Allerdings beschreibt der Leitartikel den möglichen Regierungswechsel (hin zu den Konservativen) als 'eine ernste Angelegenheit für jene, die mit internationalen Gesundheitsprogrammen beschäftigt sind.'
Hinsichtlich der regierungsinternen Spannungen bemerkt der Leitartikel: "Die ministerielle Trennung zwischen Entwicklungs- (darunter auch globale Gesundheit) und Außenpolitik schwächt den britischen Einfluss auf internationaler Ebene. Statt Gesundheit und Entwicklung als entscheidende Werkzeuge bei Planungen, Einführungen und Überwachungen auswärtiger Angelegenheiten einzusetzen, agiert Großbritannien mit einer hinter dem Rücken angebundenen Hand. Allzuoft drängen Botschafter und ranghohe Politiker die Arbeit des DFID zugunsten des mächtigeren Außenministeriums an den Rand. Der regierungsinterne Wettkampf zwischen DFID und DH ist ebenso intensiv und unschön. Beide Ministerien erheben Anspruch, an der Tagesordnung zur globalen Gesundheit mitzuwirken. Der leitende Amtsarzt und sein Mitarbeiterstab bleiben wichtigste internationale Vertreter des Gesundheitswesens und Einflussgrößen. Dennoch gibt es zwischen DH und DFID eine nur unzureichende Koordination, was den britischen Beitrag insgesamt wiederum schwächt."
Der Leitartikel zieht seine Folgerungen in der Feststellung, dass dem Britischen Ministerium für internationale Entwicklung ein recht durchwachsenes Zeugnis ausgestellt werden müsse. Die bislang erfolgreich durchgeführte Arbeit müsse geschützt, und die Fehler behoben werden. Zuerst muss das Ministerium Auswerteverfahren höchste Priorität geben. Beispielsweise hat das DFID seit 2003/04 300 Millionen britische Pfund in Malawi investiert, ohne jedoch Hinweise oder Auswertungen zu besitzen, ob diese Investitionen überhaupt kosteneffektiv waren. Gute Worte und guter Wille allein sind unzureichend. Zweitens muss eine neue Regierung eine formelle Begutachtung darüber einführen, wie Entwicklung und Außenpolitik zwischen den Ministerien koordiniert werden. Die globale Gesundheit sollte ein separater Abschnitt dieser unabhängigen Bewertung sein. Der Leitartikel folgert: "Die gegenwärtige Aufsplitterung von Verantwortlichkeiten schwächt den nutzbringenden Einfluss Großbritanniens und verwässert den wichtigen Beitrag, den Gesundheit nicht nur in der Entwicklungs-, sondern auch in der Außenpolitik leisten kann."
Quelle: Editorial. DFID: a report card and a reappraisal. Lancet 2010; 375: 955
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