THE LANCET 05.03.10
 

Apixaban verhindert Thromboembolien nach Kniegelenkersatzoperationen wirkungsvoller als Enoxaparin
Nach Kniegelenkersatzoperationen erscheint das gerinnungshemmende Thrombosemittel Apixaban zur Vermeidung venöser Thromboembolien zweckmäßiger und effektiver als Enoxaparin. Einem aktuellen Artikel zufolge erhöht Apixaban zudem das Blutungsrisiko nicht, eine oftmals problematische Begleiterscheinung der Gerinnungshemmer, die die Heilung verzögern und den Patienten eine die Prothese beschädigende Infektion eintragen kann.

Gegenwärtig vorhandene vorbeugende Medikamente wie Heparine, darunter Enoxaparin, oder andere Substanzen wie Fondaparinux müssen regelmäßig injiziert werden, der Gebrauch von Warfarin hat verschiedenste Nachteile in der routinemäßigen Praxis, und mechanische Methoden sind umständlich.

Michael Rud Lassen vom Department of Orthopaedics am Horsholm Hospital der University of Copenhagen sowie Kollegen starteten eine randomisierte kontrollierte Phase-III-Studie, um festzustellen, ob Apixaban Thromboembolien wie auch Blutungen besser auf ein Minimum reduzieren kann als Enoxaparin. Die Patienten erhielten entweder zweimal täglich 2,5 Milligramm Apixaban oder einmal täglich 40 Milligramm Enoxaparin. Der primäre Ergebnisparameter setzte sich aus tiefen Venenthrombosen, nichttödlichen Lungenembolien und Tod aus jeglichen Gründen zusammen.

147 Patienten (15 Prozent von 976) unter Apixaban und 243 (24 Prozent von 997) unter Enoxaparin erlitten ein primäres Endergebnis, ein statistisch signifikanter Unterschied. Mit Blick auf Blutungen während der Behandlungen zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

Die Autoren stellen fest: "Zweimal täglich verabreichte 2,5 Milligramm Apixaban, beginnend am Morgen nach einer vollständigen Kniegelenkersatzoperation, bieten eine zweckmäßige und wirksamere oral gegebene Alternative gegenüber einmal täglichen 40 Milligramm Enoxaparin. Dies zudem ohne erhöhte Blutungsraten."

Die Forscher folgern: "Diese vorteilhaften Ergebnisse könnten Chirurgen dabei helfen, das klinische Dilemma zu lösen, wenn sie eine gerinnungshemmende Prophylaxe bei einer Kniegelenkersatzoperation in Erwägung ziehen. Butungen können den Heilungsprozess verzögern und die Patienten für Infektionen anfällig machen, die die Prothese gefährden. Die mit Enoxaparin verknüpfte kleine, zuweilen jedoch erhebliche Zunahme chirurgischer Blutungen kann zu einem nur zögerlichen Einsatz einer wirksamen Prophylaxe beitragen."

In einem begleitenden Kommentar bemerken Dr. Jawed Fareed vom Department of Pathology am Loyola University Medical Center in Maywood und Dr. Russell Hull von der University of Calgary: "Wir sind der bislang ungedeckten Notwendigkeit einer oralen gerinnungshemmenden Behandlung möglicherweise einen Schritt näher gekommen, ohne das eine Überwachung erforderlich wäre."

Die Folgerung der Kommentatoren lautet: "Das ideale vorbeugende Medikament würde die Häufigkeit postoperativer venöser Thromboembolien verringern, ohne jedoch bei den Patienten postoperativ Blutungen und andere Komplikationen zu verursachen. Ein ideales Medikament existiert bislang nicht. Das Gleichgewicht ist recht einfach: ein stärkerer gerinnungshemmender Effekt ist mit weniger thrombotischen Ereignissen verknüpft, allerdings auch mit dem Risiko häufigerer Blutungen."

Quelle: Michael Rud Lassen and others. Apixaban versus enoxaparin for thromboprophylaxis after knee replacement (ADVANCE-2): a randomised double-blind trial. Lancet 2010; 375: 807

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