THE LANCET 26.02.10
 

Vollständige Entfernung von Lymphknoten verbessert Überlebensraten bei Gebärmutterkrebs
Bei Patientinnen mit mittlerem bis hohem Risiko eines Krebsrezidivs verbessert die umfassende und systematische Entfernung der paraaortalen sowie der Beckenlymphknoten (Lymphadenektomie) die Überlebensraten, verglichen mit der alleinigen Ektomie der Beckenlymphknoten. Diesen Patientinnen sollte daher das vollständige Verfahren empfohlen werden, folgern Professor Noriaki cund Dr. Yukiharu Todo vom Department of Gynaecology an der Hokkaido University Graduate School of Medicine in Sapporo sowie Kollegen in einem vorab 'Online First' veröffentlichten Artikel zur SEPAL-Studie.

Frühere Studien haben gezeigt, dass die pelvine Lymphadenektomie bezüglich des Endometriumkrebses ohne jeden therapeutischen Nutzen bleibt. In dieser neuen Studie versuchten die Autoren festzustellen, ob die vollständige systematische Lymphadenektomie, darunter auch die der paraaortalen Lymphknoten, bei Patientinnen mit mittlerem bis hohem Rezidivrisiko Bestandteil der chirurgischen Therapie werden sollte.

Die SEPAL-Studie erfasste 671 Patientinnen mit Endometriumkrebs, die sich in zwei tertiären Zentren in Japan (Januar 1986 bis Juni 2004) einer vollständigen systematischen pelvinen Lymphadenektomie (n=325) oder einer kombinierten Lymphadenektomie der paraaortalen sowie der Beckenlymphknoten (n=346) unterzogen hatten. Den Patientinnen mit mittlerem bis hohem Rezidivrisiko wurde eine adjuvante Strahlen- oder Chemotherapie angeboten. Primärer Ergebnisparameter war die Gesamtüberlebensrate.

Die Forscher konnten zeigen, dass das Todesfallrisiko in der Gruppe mit vollständigem Verfahren nur etwa die Hälfte des Risikos in der Gruppe mit der ausschließlichen pelvinen Lymphadenektomie betrug. Dieses Verhältnis wurde bei 407 Patientinnen festgestellt, die ein mittleres bis hohes Rezidivrisiko hatten. Bei Patientinnen mit niedrigem Risiko war die Gesamtüberlebensrate jedoch nicht mit der Art der Lymphadenektomie verknüpft. Bei Patientinnen mit mittlerem bis hohem Rezidivrisiko verringerte das vollständige Ektomieverfahren das Todesfallrisiko um 56 Prozent gegenüber der pelvinen Lymphadenektomie. Die Analyse von 328 Patientinnen mit mittlerem bis hohem Rezidivrisiko, die mit adjuvanter Strahlen- oder Chemotherapie behandelt wurden, ergab, dass sich voneinander unabhängig das Todesfallrisiko mit dem vollstänigen Verfahren um 52 Prozent und mit adjuvanter Chemotherapie um 41 Prozent senken ließ.

Die Autoren stellen fest: "Die Ergebnisse der SEPAL-Studie zeigen, dass die paraaortale Lymphadenektomie bei Patientinnen mit mittlerem bis hohem Rezidivrisiko hinsichtlich der Überlebensrate Vorteile bringt, und dass die alleinige pelvine Lymphadenektomie bei Endometriumkrebs bei Patientinnen mit dem Risiko von Lymphknotenmetastasen wohl eine unzureichende chirurgische Maßnahme darstellt. Die Ergebnisse deuten außerdem an, dass adjuvante Chemotherapien die Überlebenschancen von Patientinnen mit hohem Risiko von Lymphknotenmetastasen weiter verbessern können."

Die Folgerung der Autoren lautet: "Als Behandlungsmaßnahme für Patientinnen mit Gebärmutterkrebs und mittlerem bis hohem Rezidivrisiko wird die kombinierte pelvine und paraaortale Lymphadenektomie empfohlen. Wenn eine prospektive randomisierte oder vergleichende Kohortenstudie vorgesehen ist, den therapeutischen Effekt der Lymphadenektomie zu bewerten, dann sollte sie bei Patientinnen mit mittlerem bis hohem Rezidivrisiko die pelvine wie auch die paraaortale Lymphadenektomie beinhalten."

In einem begleitenden Kommentar stimmen Dr. Sean C. Dowdy und Dr. Andrea Mariani von der Division of Gynecologic Surgery an der Mayo Clinic in Rochester mit den Autoren überein, dass die SEPAL-Ergebnisse nun mit einer randomisierten kontrollierten Studie überprüft werden müssen.

Die Kommentatoren folgern: “Eine solche Studie sollte auch Unterschiede bezüglich Morbidität, Kosten und Lebensqualität untersuchen, was bislang bei keiner der vorangegangenen Studien berücksichtigt wurde. Das krankheitsspezifische Überleben ist nur einer von vielen wichtigen Endpunkten, da Patientinnen häufig anderen Komorbiditäten erliegen. Nur unter Berücksichtigung solcher Faktoren kann bei chirurgischer Behandlung des Endometriumkrebses ein Fürsorgestandard entwickelt werden. Ein solcher Standard ist lange überfällig.“

Quelle: Yukiharu Todo and others. Survival effect of para-aortic lymphadenectomy in endometrial cancer (SEPAL study): a retrospective cohort analysis. Lancet 2010; 375: 10.1016/S0140-6736(09)62002-X

www.thelancet.com         [Drucken]   [Fenster schließen]