THE LANCET 19.02.10
 

ACCOMPLISH-Studie: Verlauf der chronischen Nierenerkrankung kann verzögert werden
Die Erstbehandlung des Bluthochdrucks sollte mit der Gabe von Benazepril plus Amlodipin erfolgen, da diese Medikamentenkombination den Verlauf der chronischen Nierenerkrankung (CNK) in größerem Maß bremsen kann als die Verabreichung von Benazepril plus Hydrochlorothiazid. Dr. George Bakris von der Hypertensive Diseases Unit an der University of Chicago Pritzker School of Medicine in Chicago sowie Kollegen präsentieren die Folgerungen der ACCOMPLISH-Studie in einem vorab 'Online First' veröffentlichten Artikel.

Die ACCOMPLISH-Studie (Avoiding Cardiovascular Events through Combination Therapy in Patients Living with Systolic Hypertension) zeigt, dass die Erstbehandlung eines Bluthochdrucks mit Benazepril plus Amlodipin der Kombination Benazepril plus Hydrochlorothiazid hinsichtlich der Verringerung von Herzkreislauferkrankungen und Sterblichkeitsraten überlegen ist. In der aktuellen Studie untersuchten die Autoren die Auswirkungen der Medikamentenkombinationen auf den Verlauf der CNK.

Die doppelblinde randomisierte ACCOMPLISH-Studie fand in fünf Ländern statt (USA, Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland). 11 506 an Bluthochdruck erkrankte Patienten mit einem erhöhten Risiko von Herzkreislauf-Zwischenfällen wurden per Zufallsverfahren in einem 1:1-Verhältnis einer einmaligen täglichen oralen Gabe von Benazepril (20 Milligramm) plus Amlodipin (5 Milligramm; n=5744) oder Benazepril (20 Milligramm) plus Hydrochlorothiazid (12,5 Milligramm; n=5762) zugeordnet. Der vordefinierte Endpunkt, der Verlauf der CNK, wurde festgelegt als Verdoppelung der Serum-Kreatininkonzentration oder Nierenerkrankung im Endstadium (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate kleiner als 15 Milliliter pro Minute pro 1,73 Quadratmeter oder Notwendigkeit einer Dialyse).

Die Studie wurde auf Grund der überragenden Wirkung der Kombination Benazepril plus Amlodipin im Vergleich zur Kombination Benazepril plus Hydrochlorothiazid früh beendet (mittlere Nachbeobachtungsphase 3 Jahre). In der Benazepril plus Amlodipin-Gruppe mussten nur 2 Prozent der Patienten ein Fortschreiten der CKD erleben, in der Benazepril plus Hydrochlorothiazid-Gruppe dagegen 3,7 Prozent. Dies bedeutet für die Patienten der ersten Gruppe, dass sie mit einer nahezu um die Hälfte geringeren Wahrscheinlichkeit ein Fortschreiten der CKD erleben müssen als die Patienten der zweiten Gruppe. Häufigstes unerwünschtes Ereignis bei den CKD-Patienten waren periphere Ödeme (Schwellungen der Beine und Knöchel; Benazepril plus Amlodipin-Gruppe 34 Prozent, Benazepril plus Hydrochlorothiazid-Gruppe 16,0 Prozent). Unter den Patienten der ersten Gruppe traten Angioödeme (akute Schwellungen der Kehle, der Lippen und weiterer Gesichtsflächen) häufiger auf als in der zweiten Gruppe. Patienten der Benazepril plus Amlodipin-Gruppe ohne CNK hatten jedoch seltener Schwindelanfälle, Hypokaliämien und niedrige Blutdruckwerte als jene der Benazepril plus Hydrochlorothiazid-Gruppe.

Die Autoren stellen fest: "Diese Studie zeigt, dass bei Patienten mit Bluthochdruck und mit einem erhöhten Risiko für Herzkreislauf-Zwischenfälle die Kombinationsbehandlung mit Benazepril plus Amlodipin den Verlauf einer chronischen Nierenerkrankung wirksamer verzögern kann als Benazepril plus Hydrochlorothiazid. Der Nutzen wurde auch deutlich, wenn Sterblichkeit aus herzkreislaufbezogenen oder aus allen Gründen mit dem Fortschreiten der chronischen Nierenerkrankung gemeinsam untersucht wurde. Unterschiede in der Blutdruckkontrolle im Verlauf der Studie können zu diesem Ergebnis nicht beigetragen haben. Die erste blutdrucksenkende Therapie aus Benazepril plus Amlodipin sollte einer Behandlung mit Benazepril plus Hydrochlorothiazid vorgezogen werden, da sie den Verlauf eines Nierenleidens (CNK) besser verzögert als Benazepril plus Hydrochlorothiazid."

In einem begleitenden Kommentar bemerken Dr. Hiddo Lambers Heerspink und Dr. Dick de Zeeuw vom University Medical Center Groningen: "Die aktuelle nierenbezogene Analyse anhand der ACCOMPLISH-Studie war als Hilfestellung notwendig, um zukünftig auf die bestmögliche Behandlung von Hochrisikopatienten hinzuweisen. Ausgestaltung und Interpretation der Studie müssen allerdings kritisch gesehen werden, bevor gefolgert werden kann, dass eine Medikamentenkombination besser wirkt als die andere."

Quelle: G L Bakris and others. Renal outcomes with different fixed-dose combination therapies in patients with hypertension at high risk for cardiovascular events (ACCOMPLISH): a prespecified secondary analysis of a randomised controlled trial. Lancet 2010; 375: 10.1016/S0140-6736(09)62100-0

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