THE LANCET 12.02.10
 

Der Marmot-Bericht: Kann es in Gesundheitsfragen Gerechtigkeit geben?
Der bereits vorab 'Online First' herausgegebene Leitartikel dieser Woche diskutiert die Veröffentlichung des von Sir Michael Marmot verfassten Berichts über Ungleichheiten in Gesundheitsfragen: Fair Society, Healthy Lives: The Marmot Review.

Der Leitartikel stellt fest: "Kann es in Gesundheitsfragen Gerechtigkeit geben? Ja, allerdings nur, wenn gesundheitliche Chancengleichheit ein grundlegendes Prinzip der nationalen und lokalen Maßnahmen zur Gesundheitsfürsorge wird," wie der Bericht argumentiert. Da Ungleichheiten in Gesundheitsfragen aus sozialen Ungleichheiten hervorgehen, "erfordern Abänderungen der ungleich verteilten Chancen in Gesundheitsfragen Veränderungen in allen sozialen Determinanten von Gesundheit", so der Bericht. Der Schlüssel zum Erfolg ist eine "entsprechende Vielseitigkeit". Demnach "müssen die Maßnahmen dem Ausmaß der Benachteiligung angemessen sein, und somit bis zu einem gewissen Grad allen Personen zugedacht werden, statt ausschließlich nur den höchst Benachteiligten."

Als Ergänzung fügt der Leitartikel an: "Als Voraussetzung steht hinter dem Marmot-Bericht, dass die Etablierung gesundheitlicher Chancengleichheit eine Frage von Anständigkeit und sozialer Gerechtigkeit ist. Ungleichheiten in Gesundheitsfragen sind unmittelbar mit Ungleichheiten in der Gesellschaft wie auch mit den Umständen verbunden, unter denen Menschen geboren werden, aufwachsen, leben, arbeiten und altern. Jene, die in den ärmsten Gebieten Großbritanniens leben, sterben im Mittel 7 Jahre früher als Personen in den wohlhabendsten Nachbarregionen. Mehr noch, der durchschnittliche Unterschied in der behinderungsfreien Lebenserwartung beträgt zwischen den ärmsten und reichsten Regionen schockierende 17 Jahre. Insgesamt könnten in Großbritannien durch die Verringerung der Ungleichheiten in Gesundheitsfragen zwischen 1,3 und 2,5 Millionen zusätzliche Lebensjahre gewonnen werden."

Der Leitartikel folgert daher: "Die Frage, die sich den politischen Parteien in Großbritannien nun stellt, ist, inwieweit sie die von Marmot skizzierten Zielsetzungen in ihren Entwurf einer Sozial-, und damit Gesundheitspolitik übernehmen. Der Bericht Marmots ist ein entscheidendes Dokument für die zukünftige Politik zur gesundheitlichen Chancengleichheit. Für die Wähler stellt sich später in diesem Jahr zu den Parlamentswahlen die Frage, welche Art von Gesellschaft sie wollen."

Quelle: Editorial. Health equity—an election manifesto?. Lancet 2010; 375: 525

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