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THE LANCET   05.02.10
 
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Antimikrobielle Behandlung hilft bei früher Buruli-Erkrankung

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Zwei unterschiedliche antimikrobielle Verfahren zur Behandlung der frühen, noch begrenzten Buruli-Geschwüre (Infektion mit Mycobacterium ulcerans) erweisen sich als wirkungsvoll, wie neuere Forschungen zeigen. Professor Tjip S. van der Werf vom University Medical Centre Groningen und Kollegen folgern dies in einem aktuellen vorab "Online First" veröffentlichten Artikel.

Die Erkrankung Buruli-Geschwür wird als vernachlässigte tropische Krankheit eingestuft. Das Frühstadium der Infektion ist durch schmerzfreie Knötchen charakterisiert, wobei sich bei fortschreitender Erkrankung Läsionen auf der Haut und zuweilen auch im darunterliegenden Knochen entwickeln können. Operationen galten als Standardbehandlung der Buruli-Erkrankung, bis die Weltgesundheitsorganisation WHO im Jahr 2004 vorläufige Richtlinien veröffentlichte, die neben der Operation eine antimikrobielle Behandlung (Streptomycin und Rifampicin) empfahlen. In der aktuellen Studie untersuchten die Autoren die Wirksamkeit zweier antimikrobieller Verfahren bei frühen M. ulcerans-Infektionen.

Die randomisierte Studie wurde an zwei Orten in Ghana durchgeführt, wobei die erfassten Patienten dann als geeignet galten, wenn sie mindestens 5 Jahre alt waren und eine frühe (Dauer unter 6 Monaten), noch begrenzte (Querschnitts-Durchmesser unter 10 Zentimeter) M. ulcerans-Infektion zeigten, die durch eine Trockenreagenz-PCR bestätigt wurde. Den erfassten Patienten wurde per Zufallsverfahren intramuskulär Streptomycin (einmal täglich 15 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht) und oral Rifampicin (einmal täglich 10 Milligramm/Kilogramm) für 8 Wochen (8-Wochen-Streptomycin-Gruppe, n=76) verabreicht. Die zweite Gruppe erhielt für 4 Wochen Streptomycin und Rifampicin, gefolgt von oral gegebem Rifampicin und Clarithromycin (7,5 Milligramm/Kilogramm) für 4 Wochen (4-Wochen-Streptomycin-plus-4-Wochen-Clarithromycin-Gruppe, n=75). Primärer Endpunkt war das Abheilen der Läsionen innerhalb eines Jahres nach Beginn der Behandlung, ohne erneutes Auftreten von Läsionen oder umfangreichen Operationen.

Die Forscher stellten fest, dass die Läsionen bei 96 Prozent der Patienten der 8-Wochen-Streptomycin-Gruppe und 91 Prozent der 4-Wochen-Streptomycin-plus-4-Wochen-Clarithromycin-Gruppe nach einem Jahr verheilt waren. Bei keinem der Patienten traten die Läsionen nach einem Jahr erneut auf. Drei Teilnehmer erlebten Schwindelanfälle als Folge der Streptomycin-Injektionen (8-Wochen-Streptomycin-Gruppe: 1; 4-Wochen-Streptomycin-plus-4-Wochen-Clarithromycin-Gruppe: 2). Bei einem Patienten entwickelte sich ein Injektionsabszess, bei zwei weiteren traten neben der ursprünglichen Läsion Abszesse auf, die geschnitten und entleert wurden (alle drei Teilnehmer stammten aus der 4-Wochen-Streptomycin-plus-4-Wochen-Clarithromycin-Gruppe).

Die Autoren stellen fest: "Unsere Studie zeigt, dass eine frühe, noch begrenzte M. ulcerans-Infektion ohne operative Wundausschneidungen allein durch eine antibiotische Behandlung sicher und wirksam bekämpft werden kann. Die von der WHO vorgeschlagenen medikamentösen Verfahren, die eine 8-wöchige Streptomycin- und Rifampicin-Therapie vorsehen, erschienen effektiv und waren auch nicht mit Verschlimmerungen verknüpft, die nachfolgende operative Wundausschneidungen erforderlich machten."

Die Forscher folgern daher: "Die antimikrobielle Behandlung einer M. ulcerans-Infektion wirkt bei der frühen, noch begrenzten Erkrankung. 4 Wochen Streptomycin und Rifampicin, gefolgt von 4 Wochen Rifampicin und Clarithromycin hatten eine vergleichbare Wirksamkeit wie 8 Wochen Streptomycin und Rifampicin. Allerdings kann hierbei durch den Wechsel zu oralem Clarithromycin nach 4 Wochen die Anzahl der Streptomycin-Injektionen verringert werden."

Dr. Paul Johnson vom Infectious Diseases Department und dem Department of Medicine an der Austin Health und der University of Melbourne sowie dem WHO Collaborating Centre for Mycobacterium ulcerans (Westpazifik-Region) in Melbourne bemerkt in einem begleitenden Kommentar: "Nienhuis und Kollegen haben ohne jeden Zweifel festgestellt, dass frühe und begrenzte Buruli-Erkrankungen auch ohne Operationen mit Antibiotika wirksam bekämpft werden können. Sie haben hiermit die hervorragenden Arbeiten der WHO, von Etuaful und Kollegen sowie von Chauty und Mitarbeitern erweitert und einen Maßstab für nachfolgende Studien gesetzt, die neue antibiotische Kombinationen bewerten könnten. Fachkundige Operationen und sorgfältige Rehabilitationen werden in einigen Fällen der Buruli-Erkrankung weiterhin notwendig sein, die Frage jedoch, ob Antibiotika in der Behandlung der Buruli Ulcer eine Rolle spielen könnten, wurde nun mit einem überwältigenden Ja beantwortet."

Quelle: W. Nienhuis and others. Antimicrobial treatment for early, limited Mycobacterium ulcerans infection: a randomised controlled trial. Lancet 2010; 375: 10.1016/S0140-6736(09)61962-0
 
http://www.thelancet.com
 
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