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THE LANCET   22.01.10
 
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Hilfsorganisationen stellen Eigeninteressen häufig vor humanitäres Handeln

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Der aktuelle Leitartikel der Konflikt-Spezialausgabe stellt fest, dass viele Hilfsorganisationen oftmals nur im Sinne ihres Eigeninteresses handeln, statt im Sinne der Menschen, denen zu helfen sie vorgeben.

Während sich der Leitartikel zwar auch der Rolle von Politikern und Medien in Krisensituationen wie dem Erdbeben auf Haiti widmet, so konzentriert er doch seine Aufmerksamkeit auf den Hilfesektor, mittlerweile zweifellos ein Industriezweig mit eigenen Gesetzen. Der Leitartikel bemerkt: "Große Hilfs- und humanitäre Organisationen stehen häufig in harter Konkurrenz zueinander. Belastet durch interne Machtpolitik und die abstoßend wirkenden Charakteristika vieler Großkonzerne, können große Hilfsorganisationen auf Grund ihrer eigenen Bemühungen um Spendenaufrufe von ihrer Kapitalbeschaffung geradezu besessen sein. Die Berichterstattung in den Medien als Selbstzweck ist nur allzu oft ein Ziel ihrer Aktivitäten. Vermarktung und Markenpolitik weisen ein überhöhtes Profil auf. Das Schlimmste ist möglicherweise, dass die Fürsorgemaßnahmen im Einsatzgebiet manchmal mit dem geringen Zusammenwirken zwischen den Agenturen konkurrieren, darunter die kleineren Wohlfahrtsverbände an der Basis, die sogar bessere Netzwerke in den betroffenen Ländern vorhalten können und somit in der Lage sind, unmittelbar Nothilfemaßnahmen einführen zu können."

Der Leitartikel folgert: "Angesichts der fortschreitenden Krise auf Haiti erscheint es unstatthaft, Motive und Aktivitäten der humanitären Organisationen zu hinterfragen und zu kritisieren. Aber wie jede andere Industrie auch muss diese Hilfeindustrie untersucht werden, nicht nur unter finanziellen Aspekten, wie es gegenwärtige Praxis ist, sondern auch hinsichtlich der Vorgehensweisen von den Entscheidungszentralen aus hinunter bis zu den Einsatzgebieten. Obwohl viele Hilfsorganisationen wertvolle Arbeit leisten, steht bei vielen Organisationen der Hilfeindustrie humanitäres Handeln als Grundprinzip nicht mehr an erster Stelle. Für die Menschen auf Haiti und jene, die in vergleichbaren Situationen der Zerstörung leben, muss humanitäres Handeln wesentlichstes Motiv und Zweck für Interventionen bleiben."

Quelle: The Lancet. Growth of aid and the decline of humanitarianism. Lancet 2010; 375: 253
 
http://www.thelancet.com
 
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