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Übersicht
Die Mehrheit der Todesfälle in Darfur wird durch Krankheiten hervorgerufen Jüngste Forschungsergebnisse bezüglich der westsudanesischen Konfliktregion Darfur zeigen, dass seit 2005 in erster Linie Erkrankungen zu den Todesfällen beigetragen haben, wobei die Vertriebenen die größten Verluste erleiden mussten. Die Resultate liefern auch die wissenschaftliche Basis für die Zahl der zusätzlichen Toten, die der Konflikt in Darfur zwischen 2003 und 2008 verursachte. Die Forschungen belegen außerdem, dass jegliche Verringerung des humanitären Einsatzes eine Steigerung der Sterblichkeitsraten zur Folge haben kann. Dies führt zu ernster Besorgnis hinsichtlich der Folgen, die sich durch die im vergangenen Jahr durch den sudanesischen Staatspräsidenten veranlasste Ausweisung der humanitären Hilfskräfte ergeben können. Die Ergebnisse werden in der aktuellen Konflikt-Spezialausgabe vorgestellt. Verfasser sind Dr. Olivier Degomme und Professor Debarati Guha-Sapir vom Centre for Research on the Epidemiology of Disasters am Institute of Health and Society an der Université Catholique de Louvain in Brüssel sowie Kollegen. Die Autoren stellen fest: "In dieser Studie untersuchen wir die wesentlichen Dynamiken des Konflikts, wie die sich im Laufe der Zeit ändernden Grausamkeiten und ursachenspezifische Sterblichkeit, und bewerten den Effekt, den das veränderte Ausmaß der Vertreibung auf diese Raten hat. Hierin unterscheidet sich diese Analyse von früheren Berichten, die sich vorwiegend auf die Berechnung der zusätzlichen Toten konzentriert hatten." Die Forscher bezogen rückblickende Bestandsaufnahmen der Sterblichkeit aus einer Online-Datenbank. Die Autoren nutzten statistische Modellberechnungen, um die Sterblichkeitsraten in fünf Perioden zu untersuchen, die dann auf die Bevölkerungsdaten der Vereinten Nationen angewendet wurden. Von den 107 untersuchten Bestandsaufnahmen zur Sterblichkeitsrate erfüllten 63 alle Kriterien zur Analyse. Die Ergebnisse zeigten vom Frühjahr 2004, dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen, als die Raten um das acht- bis zehnfache höher als erwartet lagen, bis zum Ende 2008 signifikante Verringerungen der Sterblichkeitsraten. Zwischen Juli 2006 und September 2007 lagen die Raten allerdings nochmals höher, in einer Periode verringerten Personaleinsatzes von humanitär Bediensteten. Die Autoren stellen fest: "Unsere Ergebnisse deuten zudem an, dass mehr als 80 Prozent der zusätzlichen Todesfälle nicht die Folge der gewalttätigen Auseinandersetzungen waren. Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit Studien anderer Konflikte, wo anfängliche Sterblichkeits-Spitzenwerte häufig mit einer Periode intensiver Gewalt und einer nachfolgenden hohen Anzahl gewaltbezogener Todesfälle verknüpft waren. Die Hauptursachen der Sterblichkeit während der Stabilisierungsphase waren jedoch Erkrankungen wie beispielsweise Durchfall." Als weiteres Ergebnis liegt vor, dass die Vertreibung der Bevölkerung mit gesteigerten Todesfallraten auf Grund von Durchfallerkrankungen verknüpft war, jedoch auch mit einer verringerten Anzahl gewaltbezogener Todesfälle. Die genaue Zahl der geschätzten zusätzlichen Toten ist von der verwendeten Basislinie abhängig. Unter Verwendung einer Basislinie für den Sudan von täglich 0,3 Toten pro 100 00 Personen ergeben sich etwa 300 000 zusätzliche Todesfälle. Bei Verwendung der Basislinie für das südlich der Sahara gelegene Afrika verringert sich dieser Wert auf etwa 210 000. Die Autoren folgern: "Der Darfur-Konflikt zeigt im zeitlichen Verlauf ein typisches Muster der Sterblichkeitsraten, geprägt von einem Spitzenwert der gewaltsamen Todesfälle, der von einer langwierigen Phase erhöhter krankheitsbezogener Sterblichkeit gefolgt wird. Diese Phase betrifft insbesondere die Vertriebenen, die unter Bedingungen schlechter sanitärer Infrastruktur leben müssen, was sie für mit Durchfall verbundene Erkrankungen besonders anfällig macht. Angemessene humanitäre Hilfe zur Vermeidung und Behandlung dieser potenziell tödlichen Erkrankungen ist von wesentlicher Bedeutung. Die Auswirkungen insgesamt der Ausweisung der Nichtregierungsorganisationen aus Darfur sind bislang nicht bekannt, die angestiegene Sterblichkeitsrate während der Phase des eingeschränkten humanitären Einsatzes 2006 bis 2007 deutet jedoch an, dass wir das Schlimmste befürchten müssen." In einem begleitenden Kommentar bemerkt Dr. Francesco Checchi von der London School of Hygiene and Tropical Medicine: "Eine vernünftige Zielsetzung für das kommende Jahrzehnt wäre, nicht nur die Erfassung wesentlicher Gesundheitsdaten kriegsbetroffener Bevölkerungen deutlich zu erhöhen, sondern durch künftige Beobachtungen der Gemeinden auch die Bewertung von solchen Indikatoren wie Sterblichkeitsrate und Ernährungszustand zu steigern. Dieser Ansatz liefert Informationen zum Handeln in Echtzeit, und sollte unterstützt werden. Diese Überwachung ist allerdings anfällig für ein Underreporting, die Entwicklung verbesserter Methoden ist daher ein Gebot der öffentlichen Gesundheit." Quelle: Degomme, O. and others. Patterns of mortality rates in Darfur conflict. Lancet 2010; 375: 294-300 http://www.thelancet.com |
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