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Übersicht
Dosierung von Antimikrobiotika sollte Körpergewicht berücksichtigen Um die potenzielle Wirkung von Antibiotika und anderen antimikrobiellen Wirkstoffen zu optimieren, sollte das Körpergewicht bei der Dosierung berücksichtigt werden. Dr. Matthew E. Falagas vom Alfa-Institut für Biomedizin in Athen und der Tufts University School of Medicine in Boston sowie Dr. Drosos Karageorgopoulos vom Alfa-Institut für Biomedizin in Athen diskutieren die damit zusammenhängenden Aspekte in einem aktuellen Viewpoint-Artikel. "Bei den meisten gängigen Antimikrobiotika sind die Dosierungsempfehlungen unabhängig von den Körpermaßen. Und selbst wenn entsprechende Empfehlungen erfolgen, kann es vorkommen, dass sie in der alltäglichen klinischen Praxis nicht ausreichend beachtet werden", erklären die Autoren. Bei einem hypothetischen männlichen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie, der 90 Kilogramm wiegt und 1,90 Meter groß ist, ist die Lean Body Mass (LBM, Magermasse oder fettfreie Körpermasse) doppelt so groß wie bei einer weiblichen Patientin von 56 Kilogramm und 1,50 Meter, obwohl bei beiden der BMI 24,9 Kilogramm pro Quadratmeter beträgt und damit im gesunden Bereich liegt. Den aktuellen Behandlungsrichtlinien folgend, würden jedoch beide Patienten dieselben Dosen an Antibiotika erhalten. Abgesehen von Missverhältnissen dieser Art sorgt die Fettleibigkeitsepidemie dafür, dass es weltweit immer mehr Patienten mit zu hohem Körpergewicht gibt. Erhobene Daten stützen die Beobachtung, dass Antimikrobiotika wie verschiedene beta-Laktame (häufig verwendete Mittel gegen Atemwegsinfekte), Vancomycin, Fluorochinolone (häufig verwendete Mittel gegen Harnwegsinfekte), Makrolide, Linezolid, Sulfonamide und Fluconazol, die für Einheitsdosierung zugelassen wurden, bei größeren Patienten höher dosiert werden sollten, um die pharmakodynamischen Ziele des Wirkstoffes besser zu erreichen. Darüber hinaus wurden bestimmte Antimikrobiotika für den klinischen Gebrauch bei Erwachsenen zugelassen, bei denen die Dosierungen an das Körpergewicht gekoppelt sein sollen. Bei ihnen handelt es sich meist um Substanzen, die ein enges Wirkungsspektrum zeigen (wie Aminoglykoside, Daptomycin, Colistin und Amphotericin B) oder um Präparate, die bei bestimmten Indikationen in hoher Dosierung gegeben werden (wie Cotrimoxazol und Metronidazol). "Wir denken, dass bei Erwachsenen ein Abstimmen der Antimikrobiotika-Dosierung auf die körperlichen Merkmale des jeweiligen Patienten eine wichtige Methode sein könnte, um maximale Wirksamkeit und Sicherheit der antimikrobiellen Behandlung zu erzielen", erklären die Autoren. "Dieses Ziel scheint wichtiger denn je angesichts der wachsenden Zahl von Patienten in der klinischen Praxis, die durch verschiedene Risikofaktoren besonders infektionsanfällig sind oder deren Immunantwort auf eine Infektion beeinträchtigt ist." Im Hinblick auf Kinder fügen die Autoren hinzu: "Überlegungen der Art, wie Antiobiotika bei Erwachsenen angemessen dosiert werden sollten, könnten auch für Kinder nötig sein, da die Zahl der übergewichtigen Kindern in der Allgemeinbevölkerung steigt. Obwohl bei Kindern Antibiotika bereits je Kilogramm Körpergewicht dosiert werden, müssten den pharmakokinetischen und pharmakodynamischen Kennzahlen womöglich mehr Beachtung geschenkt werden, um bei manchen Antimikrobiotika für Kinder die optimale Dosierung zu erzielen. Zudem ist angesichts der großen Zahl an ambulant erworbenen Infektionen durch resistente Erreger in dieser Population dringend anzuraten, Antibiotika bei Kindern nur mit großer Vorsicht anzuwenden." Die Verfasser diskutieren, wie sich das langjährige Verhalten von Ärzten hinsichtlich des Verschreibens von Antimikrobiotika verändern muss, damit eine gewichtsabhängige Dosierung Erfolg haben kann. Für zeitaufwändige und komplizierte mathematische Berechnungen zur Ermittlung der korrekten Dosierung ist im engen Zeitkontingent des Praxisalltags kein Platz. "Diese Schwierigkeiten können jedoch mit Hilfe von neuen Technologien wie PDAs oder computergesteuerten Medikationssystemen überwunden werden", so die Autoren. "Da bei Kindern schon lange pro Kilogramm Körpergewicht dosiert wird, können ähnliche Strategien für Erwachsene kein allzu fernes Ziel darstellen." "Wir glauben, dass die Einheitsdosierung bei Antimikrobiotika in einer Ära zunehmender Resistenzentwicklungen veraltet ist. Die individuellen Körpermaße und das Verhältnis von Fett zu Muskelmasse bei einzelnen Patienten beeinflussen die pharmakokinetischen Kennzahlen und die klinische Wirksamkeit verschiedener Antimikrobiotika. Es sind aussagekräftige Studien nötig, die Medizinern bei der häufigen klinischen Frage Hilfestellung geben, wie sich die optimale Wirksamkeit und Sicherheit einer antimikrobiellen Behandlung bei Patienten erzielen lässt, deren körperliche Charakteristika nicht dem Durchschnitt entsprechen", schließen die Autoren. "Wenn entsprechende robuste klinische Studien einen Nutzen zeigen, dann könnten Ärzte dazu bereit sein, die Behandlung individuell auf das Körpergewicht ihrer Patienten abzustimmen. Da Ärzte für die Rezepterstellung meist einen Computer verwenden, könnten ganz einfach entsprechende Algorithmen hinterlegt werden - wie in der Pädiatrie, in der die Dosierungsanpassung vergleichsweise einfach mittels Flüssigkeiten und Lösungen erfolgt. Solche Therapeutika sind häufig teuer und nicht langfristig haltbar. Sollten sich die Hinweise verdichten, dass eine individuelle Dosierung Vorteile hat, dann müssten die Bandbreite an erhältlichen Darreichungsformen erweitert werden: vielleicht gut für die Pharmaindustrie?", folgert ein begleitender Leitartikel. Quelle: ME Falagas and DE Karageorgopoulos. Adjustment of dosing of antimicrobial agents for bodyweight in adults. Lancet 2010; 375: 248 http://www.thelancet.com |
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