15.01.10
Kaiserschnitt nur bei medizinischer Indikation!
Die Daten der weltweiten Erhebung der Weltgesundheitsorganisation WHO zu Fragen mütterlicher und perinataler Gesundheit zeigen, dass die Risiken für Müttersterblichkeit und ernsthafte Komplikationen bei jenen Frauen, die sich ohne medizinischen Grund einem Kaiserschnitt unterziehen, höher liegen als bei den Frauen mit einer medizinischen Indikation. Ein Kaiserschnitt mit dem Ziel verbesserter medizinischer Ergebnisparameter sollte daher nur bei entsprechender Indikation durchgeführt werden. Die Ergebnisse dieser Erhebung werden in einem aktuellen vorab 'Online First' veröffentlichten Artikel beschrieben. Autoren sind Dr. A. Metin Gülmezoglu vom Department of Reproductive Health and Research der WHO in Genf sowie Kollegen.
Die Erhebung sammelte Daten aus neun Ländern: Kambodscha, China, Indien, Japan, Nepal, den Philippinen, Sri Lanka, Thailand und Vietnam. In jedem Land wurden die Hauptstadt und per Zufallsverfahren zwei weitere Regionen oder Provinzen ausgewählt. Eine ausführliche Beschreibung jeder Gesundheitseinrichtung und ihrer Ausstattung für die Geburtshilfe wurde eingeholt. Die Krankenberichte der Frauen wurden ebenfalls geprüft, um Eingriffe in den Geburtsvorgang und perinatale Ereignisse zusammenfassen zu können.
Die Daten wurden von 109 101 von 112 152 Geburten in 122 beteiligten Einrichtungen (97 Prozent Erfassung) erhoben, 107 950 Geburten wurden untersucht. Die Gesamtrate der Kaiserschnitte lag bei 27,3 Prozent. Die Gesamtrate operativer Vaginalgeburten (beinhaltet auch Unterstützung durch Saugglocke und Geburtszange) lag bei 3,2 Prozent. Die Risiken für Müttersterblichkeit und Morbiditätsindex (zumindest eines der folgenden Ereignisse: Müttersterblichkeit, Einweisung auf die Intensivstation, Bluttransfusion, operative Entfernung der Gebärmutter oder Ligatur der inneren Beckenarterie) nahmen unter verschiedenen Bedingungen für die operative Vaginalgeburt wie auch für den Kaiserschnitt zu. Im Vergleich zur normalen Geburt war das Risiko der operativen Vaginalgeburt um den Faktor 2,1 erhöht; bei Kaiserschnitt antepartum ohne Indikation um 2,7; bei Kaiserschnitt antepartum mit Indikation um 10,6; bei Kaiserschnitt intrapartum ohne Indikation um 14,2; bei Kaiserschnitt intrapartum mit Indikation um 14,5. Bei Beckenendlage verringerte der Kaiserschnitt das Risiko perinataler Sterblichkeit, bei Kaiserschnittgeburten antepartum um 80 Prozent, intrapartum um 70 Prozent. Allerdings verdoppelte der Kaiserschnitt in dieser Situation das Risiko eines notwenigen Aufenthalts auf der Neugeborenen-Intensivstation für antepartale und intrapartale Kaiserschnittgeburten gleichermaßen.
Die Autoren stellen fest: "In den 122 untersuchten asiatischen Gesundheitseinrichtungen unterzog sich mehr als ein Viertel der Frauen einem Kaiserschnitt. In den Krankenhäusern in China, Sri Lanka, Vietnam und Thailand wurden mehr aufsummierte Kaiserschnittraten festgestellt als in den Einrichtungen in Kambodscha, Indien, Japan, Nepal und den Philippinen. Operative Vaginal- und Kaiserschnittgeburten waren unabhängig mit erhöhtem Risiko für Müttersterblichkeit und Morbiditätsindex verknüpft. Kaiserschnitte ohne medizinische Indikation waren mit einem gesteigerten Risiko für Müttersterblichkeit und Morbidität verknüpft. Kaiserschnittgeburten bei Beckenendlage verbesserten die perinatalen Ergebnisparameter."
Die Folgerung der Autoren lautet: "Kaiserschnitte sollten nur dann durchgeführt werden, wenn eine medizinische Indikation vorliegt, und die Ergebnisparameter für Mutter oder Kind verbessert werden können. Wenn Frauen und das sie betreuende Personal planen, eine Kaiserschnittgeburt durchzuführen, sollten sie die möglichen Risiken diskutieren, um eine sachkundige Entscheidung zu treffen, wenn sie immer noch den Wunsch eines Kaiserschnitts haben."
In einem begleitenden Kommentar bemerken Dr. Yap-Seng Chong vom Department of Obstetrics and Gynaecology an der Yong Loo Lin School of Medicine an der National University of Singapore und Dr. Kenneth Y. C. Kwek vom Department of Maternal Fetal Medicine am KK Women’s and Children’s Hospital in Singapur: "Medizinische Eingriffe sind selten verkehrt, wenn eine Indikation vorliegt, allerdings sollten jene, die immer noch dazu tendieren, eine Kaiserschnittgeburt als harmlose Option darzustellen, einen nüchternen und genauen Blick auf die Belege werfen, die genen unnötige Kaiserschnitte sprechen."
Quelle: P Lumbiganon and others. Method of delivery and pregnancy outcomes in Asia: the WHO global survey on maternal and perinatal health 2007—08. Lancet 2010; 375: 10.1016/S0140-6736(09)61870-5
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