01.01.10
Eine Vogelspinne als Haustier? Schützen Sie Ihre Augen!
Ein aktueller, von Dr. Zia I. Carrim und Kollegen vom St. James’ University Hospital in Leeds verfasster "Case Report" beschreibt den ungewöhnlichen Fall eines Mannes, dessen Auge von steckengebliebenen Spinnenhaaren verletzt wurde.
Im Februar 2009 erschien der 29-Jährige mit einer dreiwöchigen Vorgeschichte eines geröteten, tränenden und lichtempfindlichen Auges im Krankenhaus. Die antibiotische Behandlung einer zunächst vermuteten Bindehautentzündung konnte die Symptome jedoch nicht beseitigen.
Nach der Untersuchung unter starker Vergrößerung wurden haarähnliche Strukturen in verschiedener Tiefe innerhalb der Hornhaut entdeckt. Als diese Details mit dem Patienten diskutiert wurden, erinnerte er sich spontan an eine Begebenheit, die sich unmittelbar vor dem Ausbruch der Symptome ereignet hatte. 3 Wochen zuvor hatte der Patient das gläserne Terrarium seines Haustieres, einer Roten Chile-Vogelspinne gereinigt. Während er sich auf einen hartnäckigen Fleck konzentrierte, bemerkte er eine Bewegung im Terrarium. Nach der Drehung des Kopfes bemerkte er in unmittelbarer Nähe die Vogelspinne, die "einen Nebel von Haaren" freisetzte, der seine Augen und Gesichtshaut traf.
Da diese Haare zu klein waren, um mit Mikropinzetten entfernt zu werden, musste der Patient mit topischen Steroiden behandelt werden. Diese Therapie linderte die Symptome weit gehend und seit August 2009 berichtet er nur noch von geringfügigen Beschwerden und zeitweise auftretenden Glaskörpertrübungen (Sekundärfolge der durch die Haare hervorgerufenen Entzündung).
Die Autoren stellen fest: "Die Rote Chile-Vogelspinne besitzt Brennhaare am Hinterleib. Als Verteidigungsmechanismus gegen mögliche Fressfeinde reibt die Vogelspinne mit den hinteren Beinen gegen den Hinterkörper, um diese Haare in die Umgebung freizusetzen. Mehrere Widerhaken ermöglichen diesen Haaren, Hornhautgewebe und andere Oberflächen zu durchdringen. Die beobachtete entzündliche Reaktion wird als 'Ophthalmia nodosa' (Entzündung des Augeninneren) bezeichnet, eine relativ breite, die Reaktion der Augen auf reizendes Material von Insekten oder Pflanzen beschreibende Diagnose."
Die Forscher folgern: "Dieser Fall betont die Wichtigkeit eines gemeinschaftlichen Ansatzes zwischen Arzt und Patient, um eine gute klinische Versorgung zu gewährleisten. Die beschriebene Erkrankung ist selten und die Diagnose konnte nur gestellt werden, nachdem wir die klinischen Ergebnisse mit dem Patienten diskutiert hatten. Abschließend möchten wir empfehlen, dass allen Haltern von Vogelspinnen geraten wird, beim Umgang mit diesen Tieren routinemäßig einen Augenschutz zu tragen."
Quelle: Norris, J. and others. Spiderman's eye. Lancet 2010; 375: 92
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