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THE LANCET   01.01.10
 
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Vernachlässigte tropische Krankheiten – gegenwärtige Aufmerksamkeit muss genutzt werden

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Die aktuelle Ausgabe stellt den ersten Artikel aus der vierteiligen "Series on Neglected Tropical Diseases" (NTDs) vor. Diese vernachlässigten tropischen Krankheiten betreffen die Ärmsten der Weltbevölkerung, und zwar jene 2,7 Milliarden Menschen, die mit weniger als 2 US-Dollar am Tag auskommen müssen. Der erste Artikel der Serie wurde von Dr. Bernhard Liese vom Department of International Health an der Georgetown University in Washington sowie Kollegen verfasst.

Lymphatische Filariose (Elefantenkrankheit), Onchozerkose (Flussblindheit), soil-transmitted helminthiasis (STH, Darmwurmerkrankung bei Kindern), Schistosomiasis (auch Bilharziose) und das Trachom (Blindheit verursachende Bindehautentzündung) sind die fünf häufigsten NTDs, und es gibt noch weitere, die jährlich insgesamt etwa eine halbe Million Todesfälle und 57 Millionen behinderungsgewichtete Lebensjahre (DALY) verursachen.

Die Autoren stellen fest: "Soziale Stigmatisierung, Voreingenommenheit, Ausgrenzung, und extreme Armut des betroffenen Personenkreises wie auch niedrige Sterblichkeit sind mehrere Faktoren, die zur Vernachlässigung dieser Krankheiten beitragen. Die ausschließliche Häufigkeit unter spezifischen geografischen und Umweltbedingungen außerhalb der Industrienationen sowie der unbedeutende Marktanteil im pharmazeutischen Handel verringern in den Diskussionen um die Weltgesundheit die Bezugnahme auf diese Erkrankungen zusätzlich."

Darüberhinaus betonen die Autoren, dass in Form des Globalen Fonds zwar ein exklusiver innovativer Finanzierungsmechanismus für den Kampf gegen HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose entwickelt wurde, eine solche Finanzierung gegen die NTDs jedoch auf nur wenige Spender beschränkt blieb. Kontrollinitiativen gegen die NTDs unterscheiden sich außerdem signifikant hinsichtlich ihrer Herkunft, Abdeckung der geografischen Region, epidemiologischen Zielsetzung, beteiligten Interessengruppen, Finanzierung und Steuerungsstrukturen.

Die Autoren heben den Erfolg der Kontrolle der Flussblindheit hervor, die eine der langfristigsten internationalen Maßnahmen zur Krankheitskontrolle bleiben wird. Ursprünglich wurden zur Abtötung der Larven der Simulium-Vektoren (Kriebelmücke) in den Flüssen 11 westafrikanischer Staaten Larvizide per Hubschrauber versprüht. Seit 1987 erfolgt zusätzlich eine massenhafte Medikamentenvergabe, da der pharmazeutische Hersteller Merck den Wirkstoff Ivermectin (Mectizan) solange kostenlos abgibt, wie er gebraucht wird. Das Programm wurde im Jahr 2002 abgeschlossen, und hatte eine Eindämmung der Flussblindheit in weiten Teilen Westafrikas zur Folge, wobei bis zu 250 000 km2 landwirtschaftlich nutzbaren Landes hinzugewonnen wurden.

Die Forscher bemerken: "Keine andere Initiative der öffentlichen Gesundheit hat in solchem Ausmaß von der Verfügbarkeit gespendeter Medikamente profitieren können, wie diese vernachlässigten tropischen Krankheiten. Eine Kooperation dieser Art zwischen Industrie und Programmen gegen NTDs sind ein gutes Beispiel einer öffentlich-privaten Partnerschaft."

Die Integration nationaler Aktivitäten, die gegen NTDs zielen, sowie die Koordination geteilter Steuerungsstrukturen sind unerlässlich, wenn im Kampf gegen diese Krankheiten weitere Erfolge erzielt werden sollen. Die Autoren stellen fest: "Eine informative Tagung unter den maßgeblichen Interessengruppen, nach dem Muster der geschätzten Konferenzen der Rockefeller Foundation im italienischen Bellagio, um gemeinsame Ziele und Bereiche festzulegen, in denen eine Zusammenarbeit die Ergebnisse verbessern könnte, wie auch Strategien, Strukturen und Mitgliedschaft eines größeren Bündnisses zu erforschen, könnten die nächsten wichtigen Schritte sein, Schwung und Nachhaltigkeit der gegenwärtigen Aufmerksamkeit für diese Krankheiten zu sichern."

Die Autoren fügen hinzu: "Zwischen den internationalen Unterstützern der nationalen, auf vorbeugender Chemotherapie und Kontrolle der Übertragung basierenden Programme gegen die vernachlässigten tropischen Krankheiten ist eine rasche Koordination der Steuerungsmaßnahmen notwendig. Solche Programme wurden bereits durch die Bill & Melinda Gates Foundation mit Nachdruck unterstützt, jüngst auch durch die Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung, USAID. Manche beinhalten eine umfassende Trachomkontrolle, bislang allerdings sind sie organisatorisch verschieden und die Steuerungsmechanismen sind stark von Quelle und Ansprüchen der Spender beeinflusst."

Der erste Artikel der Serie diskutiert außerdem die Gelegenheit, eine Massenversorgung mit Medikamenten gegen die NTDs in solche Programme einzubinden, die dem Kampf gegen Malaria, HIV und Tuberkulose und auch der Vitamin A-Verteilung dienen. Die Autoren stellen fest: "Die Mit-Einführung der massenweisen Medikamentenverteilung in häusliche Malariamaßnahmen und Verteilung dauerhaft imprägnierter Moskitonetze oder die Kombination massenweiser Medikamentenverteilung mit periodischen Vorbeugungsmaßnahmen zeigte bemerkenswerte Wechselwirkungen."

Die Forscher folgern daher: "Das Wichtigste ist, dass der gegenwärtige Schwung, mit dem vernachlässigte tropische Krankheiten auf die Tagesordnung der globalen Gesundheit gesetzt werden, beibehalten wird. Dies erfordert nicht nur verstärktes Eintreten und Finanzierung, sondern auch die Schaffung einer Übereinstimmung zwischen den Interessensgruppen hinsichtlich Definitionen, Zielsetzungen und Strategien."

Quelle: Liese, Bernhard and others. Programmes, partnerships, and governance for elimination and control of neglected tropical diseases. Lancet 2010; 375: 67 - 76
 
http://www.thelancet.com
 
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