Deutsche Website   

Logo LancetAktuellÜber LancetAbonnementKontaktLeere Leiste


English Site:

Home

Register

E-Toc

Subscribe



In Kooperation mit www.wissenschaft-online.de


Übersicht

THE LANCET   01.01.10
 
- Druckversion

----------

Katheterablation vor Defibrillatorimplantation verringert Risiken bei Kammertachykardie

----------

Patienten mit ventrikulären Tachykardien (VT, von den Herzkammern ausgehende Rhythmusstörungen mit sehr hoher Pulsfrequenz) leben mit einem hohen Risiko wiederholter Kammertachykardien, Kammerflimmern (VF) und letztlich Tod. Der Einsatz eines implantierbaren Kardioverter-Defibrillators (ICD) verringert die Sterblichkeit im Vergleich zur medikamentösen Behandlung der VT. Die aktuell veröffentlichte VTACH-Studie zeigt, dass die Katheterablation noch vor der ICD-Implantation das Risiko erneuter Kammertachykardien innerhalb eines Zeitraums von bis zu zwei Jahren reduzieren kann. Die Studie wurde von Professor Karl-Heinz Kuck von der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg sowie Kollegen durchgeführt.

Patienten, die ICD-Entladungen benötigen, leiden unter der verringerten Lebensqualität (insbesondere, wenn fünf oder mehr Entladungen pro Jahr erfolgen) und zeigen eine erhöhte Sterblichkeit im Vergleich zu Patienten, die keine ICD-Schocks erhalten. Darüberhinaus können ICDs den plötzlichen Herztod bei etwa 3 bis 7 Prozent der Patienten nicht verhindern. Medikamentöse Behandlungen, insbesondere Amiodaron in Kombination mit Betablockern können zwar die Anzahl der ICD-Interventionen verringern, die lebenslange Einnahme ist jedoch notwendig und mit ernsthaften unerwünschten Ereignissen verbunden. Die VTACH-Studie wurde entworfen, die Auswirkung einer vorbeugenden VT-Ablation mit nachfolgender Implantation eines Kardioverter-Defibrillators bei Patienten mit kürzlich erlittenem Herzinfarkt, erstem Auftreten einer stabilen ventrikularen Tachykardie und reduzierter linksventrikulärer Funktion zu bewerten.

Die randomisierte kontrollierte Studie wurde in 16 Zentren in vier europäischen Ländern (Deutschland, Schweiz, Tschechische Republik und Dänemark) durchgeführt und umfasste 107 geeignete Patienten im Alter von 18 bis 80 Jahren. 52 Patienten wurde eine Ablation plus ICD verordnet, 55 wurde ausschließlich das ICD implantiert. Der mittlere Nachbeobachtungszeitraum betrug 22,5 Monate. Die Forscher stellten fest, dass der Zeitraum bis zum erneuten Auftreten eines VT oder VF in der Ablationsgruppe länger war (im Mittel 19 Monate) als in der Kontrollgruppe (6 Monate). Nach zwei Jahren lagen die Schätzungen für ein bezüglich VT oder VF ereignisfreies Überleben in der Ablationsgruppe bei 47 Prozent, und in der Kontrollgruppe bei 29 Prozent. Dies bedeutet, dass per Ablation und ICD-Implantation behandelte Patienten im Vergleich zu den auschließlich ICD-behandelten Patienten eine um etwa 40 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit hatten, erneute VT- oder VF-Ereignisse zu erleben. Mit dem Ablationsverfahren verknüpfte Komplikationen traten bei nur zwei Patienten auf, auch waren innerhalb der ersten 30 Tage nach Ablation keine Todesfälle zu verzeichnen. Insgesamt traten 15 gerätebezogene Komplikationen bei 13 Patienten auf, die chirurgische Eingriffe erforderlich machten (Ablationsgruppe: vier; Kontrollgruppe: neun). Neun Patienten starben während der Studie (Ablationsgruppe: fünf, Kontrollgruppe: vier).

Die Autoren folgern: "Vorbeugende VT-Ablationen vor der Implantation eines Defibrillators scheinen den Zeitraum zu verlängern, bis eine ventrikuläre Tachykardie bei Patienten mit stabilen Kammertachykardien, vorangegangenen Herzinfarkten und reduzierten linksventrikulären Funktionen erneut auftritt. Vorbeugende Katheterablationen sollten daher in Betracht gezogen werden, bevor bei diesen Patienten ein Kardioverter-Defibrillator implantiert wird."

In einem begleitenden Kommentar bemerken Dr. William G. Stevenson und Dr. Usha Tedrow von der Cardiovascular Division am Brigham and Women’s Hospital in Boston: "Implantierbare Defibrillatoren sind lebensrettende Sicherheitssysteme für Patienten mit noch lang nach Herzinfarkten auftretenden ventrikulären Tachykardien. Die VTACH-Studie deutet an, dass Ablationen bei jenen ausgewählten Patienten frühzeitig in Erwägung gezogen werden sollten, die bei stabiler Kammertachykardie einen implantierbaren Kardioverter-Defibrillator erhalten sollen, und bei denen ein erneutes Auftreten einer ventrikulären Tachykardie zu erwarten ist. Hinweise auf einen positiven Effekt auf Überlebensrate, nachfolgende Klinikaufenthalte oder Lebensqualität sind jedoch erforderlich, bevor diese Strategie als routinemäßige Maßnahme empfohlen werden kann. Wir denken, dass die aktuelle Studie weitere Hinweise liefert, eine frühzeitige Katheterablation als Alternative zu antiarrhythmischer medikamentöser Therapie bei symptomatischer wiederholter ventrikulärer Tachykardie nach Implantation eines Kardioverter-Defibrillators zu unterstützen, vorausgesetzt, die Fachkenntnis zur sicheren Durchführung dieses Verfahrens liegt vor."

Quelle: Kuck, Karl-Heinz and others. Catheter ablation of stable ventricular tachycardia before defibrillator implantation in patients with coronary heart disease (VTACH): a multicentre randomised controlled trial. Lancet 2010; 375: 31 - 40
 
http://www.thelancet.com
 
----------

- Als E-Mail versenden



Suche Oben
Suche links
 Schnellsuche*
 
 * in den Pressemeldungen
Suche rechts
Suche unten