11.12.09
Größere Sorgfalt und Aufmerksamkeit bei Verschreibungen notwendig
Der aktuelle Leitartikel knüpft an die Veröffentlichung der EQUIB-Studie (Errors—Questioning Undergraduate Impact on Prescribing) auf der Webseite der britischen Ärztekammer an und stellt fest, dass die Schulung bezüglich Verschreibungspraxis und Pharmakologie verbessert werden muss, damit jeder einzelnen Verschreibung größere Sorgfalt und Aufmerksamkeit gewidmet werden kann.
Die EQUIB-Studie bewertete 124 260 Verschreibungen in 19 Krankenhäusern im Nordwesten Englands im Verlauf von 7 Tagen. Davon waren 11 077 fehlerhaft, eine Fehlerrate von immerhin 8,9 Prozent. Unter Berücksichtigung des Ausbildungsstands der Ärzte betrug die Fehlerrate 8,4 Prozent im Ausbildungsabschnitt Foundation Year 1, verglichen mit 10,3 Prozent im Foundation Year 2, 8,3 Prozent bei jenen in befristeten Positionen einer Facharztausbildung und 5,9 Prozent bei Fachärzten. 1,7 Prozent dieser Fehler waren potenziell tödlich. Nahezu alle Fehler wurden von Apothekern, Krankenschwestern oder anderen Ärzten entdeckt, bevor die Medikamente den Patienten ausgeteilt wurden.
Die Autoren der EQUIB-Studie, Tim Dornan und Kollegen, geben mehrere Anregungen, wie die Sachlage verbessert werden könnte, darunter Änderungen der Arbeitsbedingungen in den Kliniken, sowie der Ausbildung der Studenten und der Doktoranden. Die Einführung einer Auflistung der Standardmedikamente durch den britischen nationalen Gesundheitsdienst NHS würde nach Meinung von Dornan und Kollegen die Fehlerrate verringern. Eine solche Auflistung wird in Wales seit 2004 verwendet, allerdings hat bislang keine Studie untersucht, ob diese Standardliste Fehler bei Verschreibungen reduziert hat.
Dornan und Kollegen fügen hinzu, dass es ebenso wichtig ist, in der klinischen Praxis eine “Sicherheitskultur“ aufzubauen. Die Autoren empfehlen, dass die medizinischen Ausbildungsprogramme für Studenten ihre praktischen Komponenten der Verschreibung erhöhen sollten, darunter das Verschreiben unter Aufsicht in studentischen Assistentenstellen.
Der Leitartikel kommentiert: "Das Schockierende an den von der Ärztekammer veröffentlichten Fehlerraten ist, dass nahezu ein Zehntel der Verschreibungen in den Krankenhäusern verkehrt war. Das möglicherweise Überraschende dabei ist, dass die Fehlerrate der Fachärzte bei gut einem Zwanzigstel lag, und dass die meisten Assistenzärzte nicht schlechter lagen als der Durchschnitt."
Der Geschäftsführer der britischen Arzneimittel-Zulassungsbehörde MHRA, Kent Woods, berichtete 'The Lancet', dass "die Schulung klinischer Pharmakologie und Therapeutik an den medizinischen Fakultät lückenhaft, und in einigen Hochschulen auf ein inakzeptables Niveau gesunken ist."
Der Leitartikel bemerkt: "Klinische Pharmakologen sind kompetent, Medizinstudenten und Doktoranden der Medizin zu unterrichten, aber auch Apotheker haben eine wesentliche Rolle in der Ausbildung zu spielen."
Die Folgerung des Leitartikels lautet: "Die Therapeutik, die praktische Anwendung der Pharmakologie zur Vermeidung, Behandlung und Linderung von Krankheiten, muss Bestandteil der studentischen Ausbildung und fortgesetzten beruflichen Entwicklung eines jeden Arztes werden. Eine innerbetriebliche, nachhaltige, fachübergreifende Schulung könnte dabei helfen, Ärzten die beste Verschreibungspraxis in Erinnerung zu rufen. Eine Kultur der Sicherheit muss zur Norm werden, mit größerer Sorgfalt und Aufmerksamkeit einer jeden Verschreibung gegenüber."
Quelle: Editorial. How to reduce prescribing errors. Lancet 2009; 374: 1945
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