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THE LANCET   27.11.09
 
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Demenz trägt weitaus häufiger zu Behinderungen bei als Blindheit

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Ganz im Gegensatz zu den Abschätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO ist es mit Blick auf die weltweiten Belastungen durch Erkrankungen Demenz und nicht Sehschwäche (darunter Blindheit), die am stärksten zu Behinderungen bei älteren Menschen in den Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus beiträgt. Dies folgert ein aktueller Artikel in der The Lancet-Spezialausgabe zu Behinderungen, verfasst von Renata M. Sousa vom Institute of Psychiatry am King's College London und Kollegen der 10/66 Dementia Research Group.

Behinderungen bei älteren Personen in den einkommensschwächeren Ländern sind nur wenig erforscht. Die Anzahl älterer Menschen wird insbesondere in diesen Regionen in den Jahren von 2010 bis 2050 von 490 Millionen auf 1,6 Milliarden rasch ansteigen. Dies entspricht einer Zunahme des Anteils an der Gesamtbevölkerung von 9 Prozent auf 20 Prozent. Im Vergleich hierzu nimmt der Anteil in den Industrieländern von 269 Millionen (22 Prozent der Gesamtbevölkerung) auf 416 Millionen (33 Prozent) zu. Chronische Krankheiten werden ebenfalls zunehmen, zum Teil auf Grund des Vorgangs des demografischen Alterns der Bevölkerung. Die meisten chronischen Erkrankungen treten für gewöhnlich bei älteren Menschen auf. Allerdings werden auch die Risikofaktoren für chronische Krankheiten auf Grund der Verstädterung, Industrialisierung und Änderungen der Essgewohnheiten und der Lebensführung zunehmen, wie beispielsweise Rauchen, ungesunde Ernährung und unzureichende körperliche Aktivität. In den meisten Fällen lag das Interesse an chronischen Krankheiten in den einkommensschwachen Ländern auf Herzkreislauf- und Krebserkrankungen, die eher mit Sterblichkeitsraten verknüpft sind als mit Behinderungen verbrachte Lebensjahre. In dieser Studie untersuchten die Autoren den Beitrag, den körperliche, psychische und kognitive chronische Erkrankungen auf Behinderungen haben, wie auch das Ausmaß, mit welchem soziodemografische und gesundheitliche Charakteristika für die geografischen Unterschiede bezüglich der Behinderungen verantwortlich sind.

Die Studie erfasste etwa 15 000 Personen im Alter von 65 oder mehr Jahren an 11 Orten in 7 Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus (China, Indien, Kuba, Dominikanische Republik, Venezuela, Mexiko und Peru), und berechnete den Anteil der Behinderung, der auf die jeweiligen Leiden zurückzuführen war, auch bevölkerungsbezogener beizumessender Häufigkeitsanteil (PAPF) genannt. Das Team stellte fest, dass in den nicht-ländlichen Regionen Indiens und Venezuelas Demenz den stärksten Anteil an den Behinderungen hatte (mittlere PAPF = 25 Prozent). Weitere mit wesentlichen Anteilen waren Schlaganfälle (11,4 Prozent), Beeinträchtigungen von Gliedmaßen (11 Prozent), Gelenkentzündungen (10 Prozent), Depressionen (8 Prozent), Sehschwächen (7 Prozent) und Magen-Darm-Störungen (7 Prozent). Verknüpfungen mit chronischen Krankheiten trugen zu etwa zwei Dritteln zu verbreiteten Behinderungen bei.

Die Autoren folgern: "Auf Basis empirischer Forschung hat überwiegend Demenz, nicht Blindheit, den bedeutendsten unabhängigen Anteil an Behinderungen bei älteren Personen in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus. Chronische Erkrankungen von Gehirn und Verstand verdienen eine verstärkte Prioritätensetzung. Neben Behinderungen führen diese zu Abhängigkeiten und stellen aufreibende, komplexe und langfristige Herausforderungen an Pflegekräfte. Die gesellschaftlichen Kosten sind enorm."

In einem Begleitkommentar stellt Dr. Steven R. Sabat vom Department of Psychology an der Georgetown University in Washington fest: "Im Leben der Menschen in den Entwicklungsländern erscheint am Horizont eine Flutwelle sozialer Probleme, da die Häufigkeit von Demenz zunimmt und auch weiterhin zunehmen wird."

Dr. Sabat folgert: "Der Bericht von Sousa und Kollegen stellt eine Handlungsaufforderung dar und sollte nicht ignoriert werden."

Quelle: RM Sousa and others. Contribution of chronic diseases to disability in elderly people in countries with low and middle incomes: a 10/66 Dementia Research Group population-based survey. Lancet 2009; 374: 1821 - 1830
 
http://www.thelancet.com
 
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