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THE LANCET   27.11.09
 
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Menschen mit Behinderungen sind immer noch Menschen!

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"Ja, das Leben ist für uns beschwerlicher als für eine Durchschnittsperson, aber wir fürchten und verabscheuen Mitleid. Wir wollen keine Opfer sein. Wir sehnen uns nach grundsätzlicher Güte und Respekt, wie sie einander von vernünftigen Menschen gewährt werden." Dies folgert Amie Slavin, professionelle Künstlerin, Autorin und mit digitalen Aufnahmen arbeitende Tonkünstlerin in einem 'Personal Account' in der aktuellen The Lancet-Spezialausgabe zum Thema Behinderungen.

Für viele werden Amies Empfindungen, nämlich dass ihre Blindheit das definierende Merkmal sei und somit häufig abnorme Reaktionen von anderen Menschen hervorrufe, in vielen der anderen aktuell veröffentlichen 'Personal Accounts' wiedergegeben.

Alisha Lee versucht eine ganz normale 16-Jährige zu sein, in einer Welt, die sich allein schon durch die körperlichen Beeinträchtigungen, die durch Muskelschwund entstehen, als schwierig genug erweist. Es ist jedoch die Verweigerung der einfachsten Freuden, wie beispielsweise das gemeinsame Essen in der Schulkantine mit ihren Freunden (von den Verantwortlichen als unangemessen betrachtet), die sie wirklich entmutigen. Lee stellt fest: "Was ich mir wünsche, ist, dass wir eine Welt hätten, in der jeder normal leben könnte, ohne durch solche Dinge wie Stufen oder Regeln gehindert zu werden, die vorgeben, nur in bestem Interesse zu wirken."

Rachael Johnson wusste im Vorfeld, was es heißen sollte, Krankenpflegerin zu werden. Bevor sie jedoch die respektierte Medizinerin werden konnte, die sie heute ist, musste sie ertragen, von Berufsberatern verlacht und erniedrigenden Testverfahren unterworfen zu werden, nur um zu beweisen, dass ihre Kleinwüchsigkeit keine 'Belastung' darstelle.

In ihrer Heimat Uganda erkämpfte sich Milliam Namuddu ihren Weg durch die unter rein physischen Aspekten gesehenen Unzugänglichkeiten des Bildungssystems, zweifach gehindert durch die Auswirkungen einer Kinderlähmung und einen Vater, der sie als 'nutzlos' vernachlässigte, unmittelbar, als sie behindert wurde.

Isaac Smith, ein aufgeweckter 7-Jähriger mit zerebralen Lähmungen, hat Eltern, die genau wissen, dass er das Potenzial hat, in seinem Leben Erstaunliches zu vollbringen. Allerdings mussten sie erst eine 'lähmende Zuvorkommenheit' überwinden, um den Zugang zu einem schulischen Umfeld zu erkämpfen, das seinen Bedürfnissen bestens gerecht wurde.

Diese 'Personal Accounts' beleuchten, wie komplex die Wechselwirkungen zwischen gesundheitlichem Zustand und physischem und sozialem Umfeld die Erfahrungen von Menschen mit Behinderungen beeinflussen können, insbesondere in Ländern mit niedrigem Einkommensstatus. Diese Länder sind tatsächlich Heimat von weltweit 80 Prozent aller Menschen mit Behinderungen. Hierbei kann Armut durch Mangelernährung oder schlechte Lebens- und Arbeitsbedingungen Behinderungen hervorrufen, Behinderungen wiederum können durch den Ausschluss dieser Menschen von Bildung und Arbeit ebenfalls zu Armut führen. Bis heute werden, wie die aktuellen Kommentare belegen, die gesundheitlichen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen von den Millenium-Entwicklungszielen ignoriert, in Notsituationen häufig nicht berücksichtigt, und von der Forschungsgemeinschaft generell vernachlässigt.

Letztendlich ist das sich aus dieser Spezialausgabe zu Behinderungen ergebende hervorstechendste Thema die schlechte Einstellung einiger Mediziner behinderten Menschen gegenüber. Die 'Personal Accounts' zeigen Beispiele der Unfähigkeit einiger Ärzte, behinderte Personen als Menschen mit Gefühlen und Lebensqualität zu betrachten. Tom Shakespeare führt dies im Beitrag 'The art of medicine' auf den Mangel an Ausbildung zurück, den Mediziner darin haben, sich mit behinderten Personen wirksam zu verständigen. Der Autor weist darauf hin, dass Mediziner häufig die Tatsache übersehen können, dass nicht alle behinderten Menschen danach trachten, 'repariert' zu werden, dass sie zur gleichen routinemäßigen Gesundheitsvorsorge (Screening-Verfahren) wie körperlich Gesunde berechtigt sind, und dass sie ein Recht haben, direkt angesprochen zu werden und ihre eigenen Entscheidungen bezüglich der Fürsorge zu treffen.

Der Leitartikel fasst die Spezialausgabe zusammen: "Menschen mit Behinderungen sind Personen, die nicht alle dem 'Behinderten-Etikett' gemäß denken und handeln, das die Gesellschaft ihnen zugewiesen hat. Mediziner und Politiker sollte dies bitte zur Kenntnis nehmen."

Quelle: Editorial. Disability: beyond the medical model. Lancet 2009; 374: 1793
 
http://www.thelancet.com
 
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